Burg und Schloss in einem

Knapp 50 Teilnehmer bei der Führung durch die Stettenfels

Von Stefanie Pfäffle

Karl-Heinz Dähn (Mitte) im zehnten Jahr der Burgführungen. Im Keller ist der Umbau der Fugger nicht mehr zu erkennen. Knapp 50 Teilnehmer sind zur ersten Führung in diesem Jahr gekommen.Foto: Stefanie Pfäffle

Untergruppenbach - Auf den Wegweisern steht überall Burg Stettenfels. So ganz richtig ist das nicht. „Sie ist beides, ein vollständig erhaltenes Schloss und zumindest Teile einer Burg, also ein Burgschloss“, erklärt Karl-Heinz Dähn der verdutzten Menge. Knapp 50 Leute zur ersten Führung des Jahres durch das Untergruppenbacher Wahrzeichen gekommen. Drei Mal jährlich klärt der Hobbyburgenforscher über die Geschichte der Stettenfels auf.

Drei-Flügel-Anlage Es ist keine klassische Drei-Flügel-Anlage. Im Ostflügel ist dort, wo vermutlich früher einmal ein Bergfried stand, ein Knick. Damit passten sich die Erbauer, die Fugger aus Augsburg, und Architekt Wendel Dietrich 1551 schlicht dem vorhandenen Burggraben an. Hier waren die Gästezimmer untergebracht, während im gegenüberliegenden Osten der repräsentative Saal liegt. „Das war praktisch wie früher die gute Stube, die nie beheizt wurde und wo der Weihnachtsbaum bis Ostern stand“, meint Dähn mit einem Augenzwinkern. Allerdings dürfte dieser wesentlich häufiger genutzt worden sein.

Der nördlichste Raum im Westflügel wird von der Gruppe als erster gefüllt. Bilder an den Wänden und gedeckte Tische lassen den ursprünglichen Zweck nicht mehr vermuten. Es war die Remise, also die Garage für die Pferdekutschen. Die kräftige, aber schmucklose Säule in der Mitte lässt auf den schlichten Hintergrund schließen. In dem Raum, in dem die Gäste des Hauses empfangen wurden, ist die tragende Stütze filigraner und verziert. „Das Feingefühl des Architekten zeigen auch die drei Stufen, die hier hinauf führen, der Raum hat in zweierlei Hinsicht ein höheres Niveau.“ Davon zeugen auch die Schachbrettmuster auf dem Boden und die Bücherregale. „Hier gab es den ersten Kontakt mit der Kultur des Hauses.“

Riesiger Gewölbekeller Geld spielte im Hause Fugger keine Rolle, wie der riesige Gewölbekeller beweist. Ursprünglich war das nur ein kleiner Raum unter der Burg, mit dem Schlossbau erweiterten die erfolgreichen Händler diesen aber zu einer großen Lagerfläche. Der Übergang ist an der Decke nicht mehr zu erkennen. „Vermutlich haben sie die Decke einfach komplett neu machen lassen.“

An den Rändern ist zu erkennen, dass der Keller bis auf Schulterhöhe ausgemeißelt wurde. Er diente als Steinbruch vor Ort, so wurden Transportkosten gespart. Zwei Zwinger Richtung Westen grenzen das Schloss vom Berg ab. „In der Theorie sind solche vorgelagerten Mauern zum Schutz vor Feinden da. Das stimmt hier sicher nicht, weil der Berg viel zu steil für Angreifer war“, erläutert der 82-Jährige.

Festivitäten Im ersten Stock geht es dann noch einmal herrschaftlich zur Sache. Neben dem Fuggersaal befanden sich hier auch die meisten bewohnten Zimmer des Schlosses. Heute kann man diese Räume für Festivitäten mieten. Da mag sich mancher Mädchentraum von einer Hochzeit auf der Burg, nein, Schloss oder einfach Burgschloss erfüllen.