Bürgermeister mit Leib und Seele

Obersulm - Harry Murso nach 23 Jahren in den Ruhestand verabschiedet − Ehrenbürgerwürde

Von Barbara Barth

Obersulm - Dieser Abend in der Eichelberger Kelter bedeutet für Obersulm eine Zäsur: Mit Standing Ovations und dem Ehrenbürgerrecht verabschiedete die 14 000-Einwohner-Gemeinde mit sechs Ortschaften ihren langjährigen Bürgermeister Harry Murso. Ein Jahr vor Ablauf seiner dritten Amtszeit geht der 66-Jährige aus gesundheitlichen Gründen reich beschenkt in den Ruhestand.

Dass ein leibhaftiger Minister dabei war, ist der politischen Konstellation in Stuttgart zu verdanken. Reinhold Gall, viele Jahre kommunalpolitischer Wegbegleiter im Gemeinde- und Ortschaftsrat, ist seit kurzem Innenminister der grün-roten Landesregierung. "Die Zusammenarbeit war nicht immer von Übereinstimmung geprägt", räumte der SPD-Mann ein, "aber immer von Respekt."

Erfolge

Drei Erfolge im langen Berufsleben Mursos erschienen Gall besonders erwähnenswert: Der Breitenauer See, der das Weinsberger Tal verändert, aber bereichert habe und heute ein Touristenmagnet ist. Die Stadtbahn mit ihren sechs Haltestellen in Obersulm, für die Murso der Anschieber auf einem steinigen Weg gewesen sei. Und die drei Gemeinde-Partnerschaften in Österreich, Frankreich und Ungarn, die dem Scheidenden ans Herz gewachsen seien. "Lieber Harry, Du lebst diese Partnerschaften", meinte Gall. Er kündigte für seinen eigenen Ruhestand ein Buch an: "Harry und ich − Geschichten aus dem Alltag zweier Kommunalpolitiker". Von fliegenden Farbeimern, im Schlamm stecken geblieben Stiefeln und leicht bekleideten Damen in Rot werde darin die Rede sein.

Vor über 200 Gästen an geschmackvoll gedeckten Tischen rockte die Bigband der Musikschule Obersulm, zeichneten die Redner das Bild eines fleißigen, bodenständigen, zuverlässigen Mannes, der als Kämmerer und Kümmerer die Chronik Obersulms geprägt habe, wie Landrat Detlef Piepenburg ausführte: "Sie waren Obersulm, haben das Gras wachsen gehört." Harry Brunnet, Kreisvorsitzender des Gemeindetags, wusste: "Wovon Harry morgens um zehn Uhr keine Kenntnis hatte, geschah im Weinsberger Tal an diesem Tag nicht mehr."

Rückblick

Einen humorvollen Rückblick gestalteten Gemeinderat und Ortsvorsteher. Georg Stather schmiedete Verse über den "ewig besten Schultes im Weinsberger Tag", Helmut Hornung ließ aus einem alten Karton augenzwinkernd nicht gelöste Probleme auspacken. Der dienstälteste Gemeinderat, Weinbau-Präsident Hermann Hohl, sagte: "Du hast Vertrauen und Sympathien geschaffen für alle Zeit." Mit Tränen in den Augen nahm Harry Murso den Ehrenbürgerbrief entgegen. Er ist nach Karl Vollert erst der zweite Obersulmer, dem diese Auszeichnung zuteil wird.

In seiner Abschiedsrede brach der Geehrte eine Lanze für die repräsentative Demokratie, die "nicht auf dem Altar des Opportunismus geopfert werden darf". Eine "angemessene und zeitgerechte Beteiligung der Bürgerschaft" müsse sein, aber "das Heil liegt nicht darin, möglichst viele Menschen an möglichst vielen Entscheidungen zu beteiligen", argumentierte Harry Murso. Die Politik müsse handlungsfähig bleiben. "Wer Zukunft gestalten will, muss entscheiden."

Der harmonische Abend, der vom stellvertretenden Bürgermeister Helmut Heuser vorbereitet und gestaltet wurde, endete beim Essen und der allgemeinen Erkenntnis: Obersulm und Bürgermeister Harry Murso waren eine selbstverständliche Einheit.

Bürgermeister mit Leib und Seele
Gemeinde- und Ortschaftsräte von Obersulm verabschieden ihren Vorsitzenden Harry Harry Murso.Fotos: Barbara Barth