Bürger hätten Hausbrauerei favorisiert

Weinsberg - „Das würde das Quartier aufwerten“, ist sich Martin Junginger (Fotos: Friedrich) sicher. Eine Hausbrauerei im Weinsberger Bahnhofsgebäude, das hätte ihm gefallen. So wie den meisten Passanten, die wir befragt haben. Sie hätten sich anders entschieden als der Gemeinderat der Kernerstadt, der kürzlich dem Konzept einer Physiotherapie-Praxis mit einer Stimme Mehrheit den Vorzug vor dem Gastronomiebetrieb Barfüßer gegeben hat (wir berichteten). Die Stadt selbst will das denkmalgeschützte Gebäude von 1863 nicht erwerben.

Von Sabine Friedrich

Weinsberg - „Das würde das Quartier aufwerten“, ist sich Martin Junginger (Fotos: Friedrich) sicher. Eine Hausbrauerei im Weinsberger Bahnhofsgebäude, das hätte ihm gefallen. So wie den meisten Passanten, die wir befragt haben. Sie hätten sich anders entschieden als der Gemeinderat der Kernerstadt, der kürzlich dem Konzept einer Physiotherapie-Praxis mit einer Stimme Mehrheit den Vorzug vor dem Gastronomiebetrieb Barfüßer gegeben hat (wir berichteten). Die Stadt selbst will das denkmalgeschützte Gebäude von 1863 nicht erwerben.

„Weinsberg sollte über Weinsberg selbst entscheiden“, versteht Selda Oturucu nicht, warum die Stadt nicht als Käufer der Immobilie, welche der Deutschen Bahn AG gehört, auftreten will. „Es gibt überhaupt nichts in Weinsberg mit Kinderspielfläche“, würde die junge Mutter einen Food Court im kleinen Vorbild begrüßen. Aber sie überlegt: Ob der Weinsberger Bahnhof als Standort so gut angenommen würde? „Nicht dass es dann eine Absteige wäre.“

Die Brauhaus-Idee schmeckt Helmut Zipf nicht. „So ein Rummel hier. Es gibt genügend Gaststätten“, sagt der Eberstädter, der oft in Weinsberg ist. „Das hätte mir ganz und gar nicht gefallen“, positioniert sich auch Josef Hertreiter gegen Gastronomie. Seiner Meinung nach gibt es in der Kernerstadt eine ausreichends Zahl an Lokalen.

Das sieht Roland Vogt ganz anders: „An leistungsfähiger Gastronomie mit Mittagstisch fehlt es ein bisschen“, meint der Bäckermeister, vor allem an gut bürgerlicher deutscher Küche. Das sei für eine Stadt, die so auf Tourismus setze, dürftig. Barfüßer hätte sich dort gut gemacht, die Lage sei nicht schlecht, ergänzt der Gellmersbacher.

Das Sandsteingebäude ließe sich für gastronomische Nutzung mit Biergarten gemütlich herrichten, ist auch Gaby Keilbach überzeugt. „Das wäre toll. Das würde den Bahnhof beleben“, bedauert Ines Hennings das Votum des Gemeinderats, das Richtschnur für die Bahn AG ist. Aus dem Haus könnte man etwas machen, „das wäre absolut eine Bereicherung“, spricht sie sich für die Brauerei aus. Zumal dann Zugreisende, die zum Beispiel warten müssten, etwas trinken könnten, so die junge Mutter.

Eine Physiotherapie-Praxis im Bahnhof? Das bezeichnet Katharina Zwickl stirnrunzelnd als „komische Idee“. Sinnvoller wäre eine Gastronomie mit Biergarten, meint die 21-jährige Bürgerin. Martin Junginger hätte es besser gefunden, wenn die Bevölkerung erst einmal über die Konzepte informiert worden wäre. „Wenn man es vorher gewusst hätte, hätten die Leute mit ihren Stadträten schwätzen können“, sagt der Weinsberger.