Breitenauer See wird 25

Obersulm/Löwenstein - Am Straßenrand und in den Weinbergen reiht sich wie an einer Perlenkette Auto an Auto. Pures Chaos am 17. Juni 1986. Wenige Tage zuvor, am 11. Juni, wurde das Erholungsgebiet Breitenauer See offiziell eingeweiht.

Von Sabine Friedrich

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Obersulm/Löwenstein - Am Straßenrand und in den Weinbergen reiht sich wie an einer Perlenkette Auto an Auto. Pures Chaos am 17. Juni 1986, damals noch Tag der Deutschen Einheit. Gegen das wilde Parken war die Polizei machtlos, sie heftete Strafzettel an die Windschutzscheiben. 29 Grad, strahlend blauer Himmel, Kaiserwetter. Klar, dass da der Ansturm auf das "neue Mekka", wie die Heilbronner Stimme schrieb, groß war. Wenige Tage zuvor, am 11. Juni, wurde das Erholungsgebiet Breitenauer See offiziell eingeweiht. "Es hat nicht nur heiße Wochenenden gegeben, sondern auch heiße Verkehrsverhältnisse", erinnert sich Harry Murso, Vorsitzender des Naherholungszweckverbands, an die Anfänge.

Sinnvoll lenken

"Selbst auf der B 39 Richtung Willsbach standen Autos", erzählt er. "Wir haben ein Parkkonzept entwickelt mit Einbahnstraßen und Reserveparkplätze auf landwirtschaftlichen Flächen geschaffen", schildert der Obersulmer Bürgermeister, dass man aus den Erfahrungen gelernt und versucht habe, die Ströme der Besucher − jährlich bis zu einer halben Million − sinnvoll zu leiten. Das Erholungsgebiet ist ein Wirtschaftsfaktor auch für die Gastronomie und den Einzelhandel.

Sonne, Kiesstrand, Wasser, Surfen, Segeln, Tretbootfahren: "Das muss man sich damals vorstellen wie Urlaub in Riccione", so Murso. Dass das Freizeitgelände rund um das Hochwasserrückhaltebecken auf den Gemarkungen Obersulm und Löwenstein zum Publikumsmagneten wird, hatte der Zweckverband erwartet. "Wasser zieht an", sagt Murso. Zwar sei der See mit seinen 40 Hektar im Vergleich zu anderen Wasserflächen nicht sehr groß, aber für das wasserarme Nordwürttemberg schon.

Wie waren die Reaktionen auf die Massen von Ausflüglern? Murso, von 1986 bis 1988 Geschäftsführer des Zweckverbands, lacht: "Unterschiedlich." Er erinnert an die Stimmen, die einen Riesentrubel prophezeit hatten. "Aber es hat sich sehr schnell eingespielt." Zum Rummelplatz sollte das idyllische Fleckchen Erde im Landschaftsschutzgebiet zwischen Feldern, Wiesen und Weinbergen nie werden. "Das Grundkonzept war sehr stimmig", meint Murso. Auf der Ostseite des Sees die Schutzzone für die Natur, auf der Westseite die Naherholung. "Das hat sich bestens bewährt."


Der Campingplatz, bereits 1984 fertig, die beiden Kioske, Bade- und Surfstrand, Badeinseln, zehn Hektar Spiel- und Liegewiesen, Bootsverleih und DLRG-Station, Parkplätze − die Einrichtungen der ersten Stunde sind im Laufe der Jahre erweitert oder erneuert worden. Die größte Investition von 4,2 Millionen Euro floss in den Fünf-Sterne-Campingpark, der 2008 unter anderem auf rund 600 Stellplätze vergrößert und um vier Blockhäuser ergänzt wurde. Von April bis August ist dieses Urlaubsparadies meist ausgebucht. Hinzu kamen das Vereinzzentrum der Wassersport treibenden Vereine, die evangelische Jugendstätte Kirche und Sport und das Beach-Volleyball-Feld.

Vernünftiges Maß

"Dem Zweckverband geht es nicht darum, noch vieles draußen zu installieren, sondern die bestehenden Einrichtungen zu erhalten", blickt Murso in die Zukunft. Vorstellen kann er sich weitere sportliche Veranstaltungen, wie einst das Beach-Volleyball-Turnier mit der Heilbronner Stimme. Oder auch mal wieder einen Triathlon. Für ihn gilt, das Freizeitverhalten in einem "vernünftigen Maß" zu befriedigen, jedoch die notwendige Zurückhaltung zu zeigen. So seien Wasserski oder Motorboote tabu. "Man muss vermeiden, dass der Breitenauer See ein Rummelplatz wird", betont der Verbandsvorsitzende. Schließlich liege dessen primäre Aufgabe im Hochwasserschutz.

Daten

Dammlänge des Beckens: 420 Meter
Stauraum: 850 000 Kubikmeter
Wasserinhalt: 2,36 Millionen Kubikmeter
See: maximale Tiefe 16 Meter, Länge 1,5 Kilometer, Breite 480 Meter
Badebucht: 400 Meter
Wasserfläche: 40 Hektar
Erholungsgebiet: 27 Hektar