Anwohner befürchten einen Klotz

Haus Tabor in Neuhütten plant Neubau mit 21 Plätzen − Lösung gesucht

Von unserer Redakteurin Sabine Friedrich

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Wohn- und Verwaltungstrakt liegen auf einer Anhöhe, der Neubau soll hangabwärts Richtung Naturfreundeweg errichtet werden.Foto: Dennis Mugler

Wüstenrot - Das Haus Tabor in Neuhütten möchte erweitern. Die Zahl der Plätze für chronisch Abhängigkeitskranke von 28 auf rund 40 erhöhen, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Gegen den geplanten Neubau am Naturfreundeweg 15 regt sich Widerstand. Etwa 30 Anwohner wehren sich mit Unterschriften gegen den Komplex. Sie befürchten, dass das Landschaftsbild beim Steinknickle beeinträchtigt wird. Der Ortschaftsrat hat sich bereits bei zwei Sondersitzungen mit dem Baugesuch befasst. Er empfiehlt dem Gemeinderat, dass bei einem möglichen zweiten Bauabschnitt der Gebäudekörper nicht verlängert, sondern nur eine hangseitige Erweiterung in Frage kommen sollte. Genehmigungsbehörde ist das Landratsamt Heilbronn.

Sachlich Nachdem in der Ortschaftsratssitzung Anfang Dezember die Emotionen hoch gekocht sind, es in der Bürgerfragestunde teilweise laut zugegangen ist, ist die zweite Beratung zur Tabor-Erweiterung "sehr sachlich" verlaufen, wie Wüstenrots Bürgermeister Heinz Nägele berichtet. "Das neue Gebäude soll nicht über einen ersten Bauabschnitt erweitert, das Baufenster begrenzt werden." Nägele glaubt, dass der Gemeinderat am 20. Dezember dieser Lösung zustimmen und sein Einvernehmen zum Baugesuch erteilen könnte. Das Gremium hat das Thema am 6. Dezember vertagt, um die weitere Sitzung des Ortschaftsrats abzuwarten.

Wenn einmal gebaut werde, gehe es immer weiter, hält eine Unterzeichnerin, die nicht namentlich genannt werden will, nichts von diesem Kompromiss. "Ein solcher Klotz ist unvorstellbar, der ist dort fehl am Platz", meint sie. "Der Gebäudekomplex verunstaltet das überregional bekannte und ansprechende Landschaftsbild in enormem Maße", heißt es in der Unterschriftenaktion. "Ein derartiger Eingriff in die Natur und das Landschaftsbild ist unverantwortlich und kann von den Bürgervertretern nicht befürwortet werden." Weitere Bedenken haben die Anlieger wegen der Verkehrssituation in der schmalen Straße, die zum Naturfreundehaus Steinknickle führt. Und in der Bauphase sei mit schweren Fahrzeugen und verstärktem Verkehr zu rechnen.

Falsch Was Bürgermeister und Betreiber der Wohnstätte ärgert, ist eine weitere Aussage der Unterzeichner: dass ein "hoher Zuschuss für ein privates Bauvorhaben absolut nicht zu vertreten" sei. Dabei bekommt die Einrichtung gar kein Geld für den Neubau, wie Heimleiter Thomas Zeller betont. Diese Behauptung hat der Bürgermeister bereits vor der Unterschriftenaktion gegenüber den Anliegern zurückgewiesen. Die örtlichen Sozialhilfeträger, das sind Landratsämter, bezahlen für den Betrieb pro Bewohner einen Tagessatz, erläutert Zeller.

"Der Bau entspricht nicht mehr den Anforderungen", erklärt er das Vorhaben. In dem früheren Altersheim, das 1983 in die Einrichtung der Eingliederungshilfe umgewandelt worden ist, gibt es derzeit 28 Plätze für chronisch mehrfach Abhängigkeitskranke, vor allem Alkoholiker. Der Wohntrakt soll renoviert, die Zimmer sollen vergrößert werden, so dass hier Plätze wegfallen. Im Neubau sind laut Zeller 21 Plätze vorgesehen. Rund 1,5 Millionen Euro würden investiert.

Zeller, dem an einer verträglichen Lösung liegt, findet es schade, dass die Anwohner nicht das Gespräch gesucht haben. Das kritisiert auch Nägele, dem ein Interessenausgleich und ein friedliches Miteinander wichtig ist, in seinem Antwortbrief. "Herr Zeller hätte auf uns zukommen müssen", sieht die Anliegerin eine Bringschuld. Die Anwohner hätten nichts von dem Vorhaben gewusst, bis die Angrenzerbenachrichtigung der Gemeinde in den Briefkasten geflattert sei.