Altes Uhrwerk zerlegt

Kirchengemeinde Eschenau lässt Zeitanzeiger von Fachleuten restaurieren

Von Gustav Döttling

Altes Uhrwerk zerlegt
Klaus Keith (rechts) und Heinz Plapp (links) haben mit Helfern die Teile der früheren Eschenauer Kirchturmuhr auseinandergebaut. Foto: Gustav Döttling

Obersulm - Das ist das wertvollste Teil der ganzen Uhr, das darf nicht beschädigt werden", sagt Christa Keith. Vorsichtig wickelt sie den "Uhrenanker" aus Messing, den ihr Mann Klaus gerade aus dem Kasten der alten Kirchturmuhr in der Eschenauer Wendelinskirche ausgebaut hat, in Zeitungspapier. Dann wandert das unbezahlbare Stück in eine Holzkiste zu anderen Zahnrädern, Wellen und Schrauben. Im Eschenauer Kirchturm herrscht ein reger Montagebetrieb.

Das alte Uhrwerk soll renoviert und restauriert werden. "Wir wollen dieses Stück Kirchenkultur wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen", plant die evangelische Kirchengemeinde laut ihres Pfarrers Johannes Veller, den restaurierten Zeitanzeiger später als Vorführmodell der Bevölkerung bei Kirchenführungen zu zeigen.

Professionelle Hilfe Vor der Sakristei parkt ein Auto mit Anhänger, auf dem bereits einige große Zahnräder und Wellen verstaut sind. Das alte Pendel liegt in der Sakristei. Aus der Uhrenstube klingt metallisches Klopfen. Für das Zerlegen des alten Uhrwerks haben sich Pfarrer Veller und die Kirchengemeinde professionelle Hilfe geholt. Die Spezialisten Klaus Keith und dessen Frau Christa, die viele Jahre lang das Turmuhrenmuseum in Mainhardt betrieben hatten, bauen mit einigen Gemeindemitgliedern sorgfältig das alte Uhrwerk Schraube für Schraube, Zahnrad für Zahnrad und Welle für Welle auseinander. Gefühlvoll löst Klaus Keith verrostete Splinte mit einem Tropfen Öl, Hammer und Durchschlag.

Der Eschenauer Rentner Heinz Plapp dreht vorsichtig an Schrauben. "Diese Uhr hat vier Werke", sagt Christa Keith. Ein Gehwerk, ein Viertelstundenschlagwerk, ein Stundenschlagwerk und ein Stundennachschlagwerk gehören zu diesem alten Meisterstück der Turmuhrenbaukunst.

Jedes Werk hat ein eigenes Aufzugsgewicht. Im Uhrenkasten befindet sich noch die alte Kurbel, mit der früher die Gewichte nach Ablauf der Uhr täglich von Hand über eine Trommel mit Stahlseil wieder aufgezogen werden mussten. Die vier verrosteten Gewichtsbehälter sind mit altem Schrott gefüllt, sie liegen oder hängen an ihren Seilen neben dem Kasten in einem umzäunten Bereich.

Bereits zuvor haben die Fachleute jedes Teil mit kleinen Kärtchen sorgfältig beschriftet. "Ich mache immer eine Skizze, bevor wir mit dem Auseinandernehmen des Uhrwerks beginnen", erklärt Christa Keith und zeigt auf den Pappkarton mit dem gezeichneten Schema der Uhr und ihrer vier Werke. "Wichtig ist, dass der Lack nicht beschädigt wird." Die Koordinatorin der Zerlegeaktion verpackt sorgfältig jedes ausgebaute Teil in Zeitungspapier und legt es in Kisten.

Teile Rund 250 Teile hat die Uhr, die in einem Holzkasten im Eschenauer Kirchturm seit dem Einbau eines elektrischen Uhr- und Schlagwerks im Jahr 1963 schon 47 Jahre vor sich hin gerottet ist. Die Gemeindemitglieder Paul Hoos, Jürgen Binneweiß, Wilfried Laufer und Heinz Plapp gehen dem Spezialisten zur Hand. Heinz Plapp wird die einzelnen Teile in seiner Werkstatt dann ehrenamtlich säubern und vom Rost befreien.

"Seit 30 Jahren reparieren wir Uhren vom Wecker an aufwärts", erzählt Christa Keith. Ihr Mann Klaus, ein Maschinen- und Fahrzeugbauingenieur, hat sein Hobby inzwischen zum Beruf gemacht. Im Weinsberger Tal hat das Ehepaar bereits die Rathausuhr in Lehrensteinsfeld repariert.