Alte Schule ein verborgenes Schmuckkästchen

Eberstadt - Packt Gemeinde Sanierung an? - Gebäude wird untersucht, die Statik geprüft

Von Sabine Friedrich

Alte Schule ein verborgenes Schmuckkästchen
Hier gingen Generationen von jungen Eberstädtern in die Schule: Auch Architekt Jürgen Galetzka (links), der ein Foto einer Schulklasse von 1888 in der Hand hält. Neben ihm Statiker Manfred Glaser.Fotos: Guido Sawatzki

Eberstadt - Für einen Laien sieht es schlimm aus.“ Das gibt Manfred Glaser zu. Der Eschenauer Statiker und der Eberstädter Architekt Jürgen Galetzka können aber mit ihrem fachmännischen Blick erkennen, dass sich aus dem Gebäude etwas machen lässt. Die beiden Bauexperten sind mit der Statik und der Gebäudeaufnahme beauftragt.

Trotz des Zerfalls in der einen oder anderen Ecke ist die Alte Schule ein Schmuckkästchen. „Ich habe ein Faible dafür“, möchte Bürgermeister Timo Frey das denkmalgeschützte Gebäude von 1880 gerne erhalten. „Gleich nach der Kirche, dem Pfarrhaus, dem Kloster gehört es zu den fünf wichtigsten Gebäuden am Ort“, weist Galetzka auf die Bedeutung hin.

Alte Schule ein verborgenes Schmuckkästchen
Riesig ist der Dachboden: Hier ließe sich ein Versammlungsraum einrichten. Da das Dach freitragend ist, könnten alle Pfeiler entfernt werden.

„Es wird sehr darauf ankommen, welche Zahlen geliefert werden“, ist dem Bürgermeister aber klar, dass die Sanierung eine Kostenfrage ist. Städtebaulich hält er es für dringend geboten, dass etwas getan wird. Kann die einstige Unterrichtsstätte von Generationen junger Eberstädter in ein Vereins- und Kulturhaus verwandelt werden?

Glaser und Galetzka streifen durch die Räume vom Gewölbe-Keller bis zum Spitzboden. „Hier ist noch alles original“, weist der Architekt schon beim Betreten auf die hölzerne Eingangstür mit Schmiedeeisenkunst des neoklassizistischen Sandsteinbaus hin. „Die Tür ist direkt angeschlagen in die Sandsteinleibung, ohne Holzzargen. So eine Arbeit kriegen Sie heute nicht mehr“, kommt er geradezu ins Schwärmen.

Alte Schule ein verborgenes Schmuckkästchen
An manchen Stellen kommt das Innenleben zum Vorschein.
Gusseiserne Stützen

Landfrauen und die Laienspielgruppe Eberbachtal nutzen die Räume im Untergeschoss. Gusseiserne Stützen sind ein typisches Merkmal des Baustils der damaligen Schulen. Die Kapitelle sind verziert. Das Podest, auf dem der Lehrer einen Überblick über die Kinder hatte, ist noch vorhanden. Die Räume sind Galetzka wohl vertraut. Hier ist er 1963 eingeschult worden, hat auch die zweite Klasse im Haus absolviert. „Das war nicht nur Schulraum, sondern auch Turnhalle. Da sind wir über die Bänke gesprungen und haben in den Gassen einen 15-Meter-Lauf gemacht“, erinnert er sich schmunzelnd.

Im Gebäude hat es im Laufe der Jahre einige Wasserschäden gegeben, weil das Dach undicht war und ist. Zum Teil bröckelt der Putz ab. Im Treppenhaus und in den Decken im Obergeschoss tun sich Löcher auf: Lattung, Schilfrohr, Schrot oder Lehmwickel - damals die Dämmung - liegen bloß. Das Holz ist verfault. Für die Baufachleute kein Problem: Da müssen halt Balken ersetzt werden. Sie stellen die positiven Aspekte heraus. „Die Fenster sind eigentlich noch in tadellosem Zustand, und das nach 125 Jahren“, schwärmt Galetzka geradezu. Auch wenn auf der Wetterseite die Rahmen „erledigt“ sind und Glaser augenzwinkernd von der „Energie-Einsparverordnung von 1880“ spricht.

Alte Schule ein verborgenes Schmuckkästchen
Wie so vieles noch original: die Haustür mit Schmiedeeisenkunst.

Maßarbeit

Erstaunlich ist für den Statiker auch, dass die Decken kaum durchhängen. „Alles maßgenau. Das ist toll“, staunt der Eschenauer über die Maßarbeit der damaligen Handwerker. Auch vom Dachboden ist er begeistert. Daraus ließe sich ein großer Veranstaltungsraum machen. Ob eine solche Nutzung möglich wäre, gehört zu den Untersuchungen, die Glaser anstellt. Denn die Nutzlast sagt aus, wie die Räume verwendet werden können. Vielleicht als Vereins- und Kulturhaus? Dann könnten die Vereinsarbeit optimaler gestaltet, das kulturelle Angebot ausgeweitet werden, sagt Frey. Über ein Nutzungskonzept sollen sich nach der Gebäudeuntersuchung Architekten bei einem Wettbewerb Gedanken machen. Mit einem vorgegebenen Kostenrahmen, ergänzt der Bürgermeister. Sollte eine Renovierung - im Sanierungsgebiet ist eine Förderung von bis zu 50 Prozent möglich - die Gemeinde zu teuer kommen, bliebe nur der Verkauf, so Frey.

Alte Schule ein verborgenes Schmuckkästchen
Terrazzo-Spülsteine im ehemaligen Zeichensaal im ersten Stock.
Charakter

Grob über den Daumen gepeilt schätzt Galetzka die Sanierungskosten auf 1,5 bis zwei Millionen Euro. Er ist sogar froh darüber, dass in der Vergangenheit nicht viel im und am Gebäude hergerichtet worden ist, „dass man nichts Seelenloses reingefummelt hat“. Denn es gelte, den Charakter der Alten Schule wieder herzustellen. Fenster, Böden, Fließen sind ja noch als Original-Vorlagen vorhanden.