Als Postjungbote fing er an

Eberstadt/Weinsberg - Als Rainer Dierolf vor 38 Jahren seine berufliche Laufbahn beginnt, heißt der Arbeitgeber Bundespost, der Ausbildungsberuf Postjungbote. Heute ist er als Postbetriebsassistent bei der Deutschen Post AG und hat im Job mehr als einmal die Welt umrundet.

Als Postjungbote fing er an
Rainer Dierolf (53) trägt in Teilen von Gellmersbach und Eberstadt die Post aus. Vor 38 Jahren begann er seine Laufbahn bei der Bundespost.Foto: Karin Freudenberger

Eberstadt/Weinsberg - Als Rainer Dierolf vor 38 Jahren seine berufliche Laufbahn beginnt, heißt der Arbeitgeber Bundespost, der Ausbildungsberuf Postjungbote. Heute ist er als Postbetriebsassistent bei der Deutschen Post AG und hat im Job mehr als einmal die Welt umrundet.

Hat er früher die Sendungen von Hand sortiert, so geht das heute zumindest bei den Standardbriefen maschinell und wird im Sortierzentrum in den Böllinger Höfen in Heilbronn erledigt. Nur bei größeren Briefen oder anderen ausgefallenen Sendungen ist noch das Ortsgedächtnis des Postboten gefragt. Für Dierolf bedeutet das: Er muss die Straßen vom südöstlichen Teil Gellmersbachs, von Lennach, Buchhorn, Klingenhof, Hölzern und einem Teil Eberstadts genau kennen.

Ziele

Um seinen täglichen Weg zu optimieren, fängt er morgens um 6 Uhr an. "Theoretisch wäre 6.40 Uhr Pflicht, aber so habe ich schon etwas zeitiger Feierabend", berichtet er. Um diese Zeit liegen die Sendungen im neuen Zustellstützpunkt im Weinsberger Gewerbegebiet Abtsäcker. Dierolf holt sie im Postauto ab. Dann steuert er als erstes Ziel die Gellmersbacher Aussiedlerhöfe in den Hälden an. Bis der letzte Brief in Hölzern im Kasten ist, wird es meistens mindestens 15 Uhr. Nur montags ist die Tour schneller beendet, da am ersten Werktag weniger Geschäftspost zu verteilen ist.

"Ich bin auch eine Art wandelndes Miniaturbüro", beschreibt der Eberstädter einen anderen Aspekt der Tätigkeit. Seitdem sich die Post mit Niederlassungen aus der Fläche zurückgezogen hat, gehört es auch zu seinen Aufgaben, Briefe, Päckchen oder Pakete von den Kunden mitzunehmen oder Briefmarken zu verkaufen. Ein Dienst, der jedoch in seinem Bezirk kaum in Anspruch genommen wird.

Seit 1997 ist Dierolf beispielsweise in Weinsberg-Gellmersbach unterwegs. "Ich kenne praktisch jeden, außer den ganz neu Hinzugezogenen." Dass der Zustellbezirk ganz in der Nähe seines Wohnortes ist, sieht er als großen Vorteil an. Bei diesem Wind-und-Wetter-Job ist gelegentliches Umziehen während der Tour durchaus von Vorteil, wenn die erste Kluft durchnässt ist. "Grippe kenne ich nicht", sagt er, weist aber darauf hin, dass seine Füße und die Wirbelsäule unter den langen Laufstrecken mit schwerem Gewicht leiden. "Es ist ein Knochenjob", bilanziert der 53-jährige Beamte.

Vorsicht

Das Vorurteil der "briefträgerfeindlichen Hunde" hat Dierolf noch nie am eigenen Leib erfahren. Er sei noch nie gebissen worden, berichtet er. Aber es sei auch Vorsicht notwendig: "In einen Hof mit fünf Hunden fahre ich eben nur mit dem Auto hinein und hupe, bis die Besitzer kommen." Es gibt übrigens noch einen Ort, wo fast jeder "Signor Dierolf" kennt. Rund zwölf Jahre war er Vorsitzender des Partnerschaftskomitees in Eberstadt.