75 Minuten gespannte Aufmerksamkeit

Obersulm - Irgendwann mal eine größere Veranstaltungshalle zu bauen, ist sicherlich kein Fehler." Es ist kein Statement eines Bewerbers, das das Publikum mit kräftigem Beifall belohnt, sondern es stammt von Noch-Bürgermeister Harry Murso.

Von Joachim Kinzinger und Sabine Friedrich

Obersulm - Irgendwann mal eine größere Veranstaltungshalle zu bauen, ist sicherlich kein Fehler." Es ist kein Statement eines Bewerbers, das das Publikum mit kräftigem Beifall belohnt, sondern es stammt von Noch-Bürgermeister Harry Murso. Denn gewaltig ist der Andrang am Montagabend in der betagten Affaltracher Gemeindehalle aus den 50er Jahren: 468 Stühle reichen nicht aus, zwei weitere Reihen mit 32 Sitzen sind flugs belegt, 100 Bürger stehen am Rand, sitzen auf dem Boden oder auf der schmalen Treppe.

Wer wird der neue Gemeindechef am 8. Mai? Vor der Kandidatenvorstellung sind die Gesichter der drei ernsthaften Bewerber auf der Bühne angespannt. Der vierte taucht erwartungsgemäß nicht auf: Rüdiger Widmann aus Waiblingen. Murso verliest die Regularien: Jeder hat 25 Minuten Redezeit, die beiden anderen Aspiranten werden in den kleinen Saal geführt.

Um 19.07 Uhr beginnt Armin Waldbüßer. Der Willsbacher Ortsvorsteher, in rosa Hemd und dunkelgrauem Anzug, liest oft ab, wendet den Blick selten ins Publikum. Der Grünen-Gemeinde- und Kreisrat wirkt sehr authentisch. "So, wie man ihn kennt", sagt ein Zuhörer. Nach 19 Minuten endet der 50-Jährige. 15 Sekunden Beifall spenden die Wähler in mittlerer Lautstärke.

Der Langenbrettacher Bürgermeister Tilman Schmidt (42) wuchert mit seinem Pfund: langjähriger Gemeindechef. Er gibt den erfahrenen Wahlkämpfer, lässt seine Frau Sonja und die zwei ältesten Söhne, Joschka und Justus, aufstehen. Das kommt im Saal an. Schmidt in seinem Lieblingsoutfit in Anthrazit und Lila ist selbstbewusst, gestikuliert wenig. Sein Redefluss wird stakkatohaft zu schnell. Nach 24 Minuten gibt es für ihn 19 Sekunden starken Beifall.

Eine freiere, einstudierte Rede, die Rhetorik geht zulasten der Natürlichkeit, hält Holger Leister (28). Der Offenauer Hauptamtsleiter und Kämmerer im schicken Business-Anzug spricht pointiert, gestikuliert, sucht den Blick zum Publikum, das aufmerksam zuhört. Der Funke springt aber nicht über. Nach gut 23 Minuten erhält er 19 Sekunden Applaus, so laut wie Schmidt.

Fragerunde

Peter Barall, Pfarrer i. R., meint in der Fragerunde, Obersulm brauche einen Verwaltungsmann an der Spitze. Der selbstständige Kaufmann Waldbüßer entgegnet: "Der Bürgermeister muss Gestalter sein und nicht Verwalter." Schmidt lässt sich von Alfred Schwemmer aus Affaltrach nicht aufs Glatteis führen, als die Bewerber Murso bewerten sollen. "Die Arbeit von Kollegen wird nicht beurteilt, schon gar nicht in der Öffentlichkeit", antwortet Schmidt, der dafür lautstark Beifall erhält. Ist Obersulm für den "ehrgeizigen" Holger Leister nicht eine Nummer zu groß?, hakt Schwemmer nach. "Obersulm hat genau die richtige Größe", meint der selbstbewusst.

Das Stimme-Forum beginnt am heutigen Mittwoch um 19 Uhr in der Willsbacher Hofwiesenhalle. Saalöffnung ist um 18 Uhr.

75 Minuten gespannte Aufmerksamkeit
Bis ins Foyer hinaus stehen die Bürger in der Affaltracher Gemeindehalle, die am Montagabend die Zahl der Interessenten an der offiziellen Kandidatenvorstellung der Gemeinde gar nicht fassen kann.Foto: Dennis Mugler