Wo Lernen Spaß macht

Wüstenrot  Wüstenrot - Gemeinschaftsschule: Eifrige Kinder, zufriedene Lernbegleiter.

Von unserer Redakteurin Sabine Friedrich

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Wo Lernen Spaß macht

Jessica mit ihrem Logbuch, das die Wochenpläne mit ihren selbstgewählten Aufgaben oder die Niederschriften der Bilanz- und Zielgespräche mit dem Lehrer enthält.

Wüstenrot - Kla-bau-ter-männ-chen: Kai markiert mit einem braunen Stift die Silbenbögen. Diese Aufgabe hat er sich an diesem Morgen in Deutsch vorgenommen. Lernbegleiterin Bianca Ossig schaut dem Elfjährigen über die Schulter, unterstützt ihn, wenn er Hilfe benötigt. Das geschieht flüsternd.

Nicht nur weil Peter am gleichen Tisch gerade einen Test schreibt, sondern weil beim individuellen Lernen nun mal Ruhe herrscht. Nicht nebenan im Lernatelier, wo Klassenlehrerin Jeannette Blank am Stehtisch eine Input-Phase zur Rechtschreibung anbietet. Da diskutieren die fünf Schüler, die sich dafür gemeldet haben, die Arbeitsschritte.

Wie lassen sich Fehler beim Abschreiben eines Textes vermeiden? Vorsprechen, schwere Wörter merken, aufschreiben und prüfen. Mit diesen Tipps gehen sie ans Werk. Gemeinschaftsschule ist anders, das wird beim Besuch in Wüstenrot schnell klar. Von der Art des Unterrichts, den Räumlichkeiten, der Atmosphäre.

Ziele

"Ich möchte in Englisch Vokabeln besser verstehen": Das hat sich zum Beispiel Jessica als Ziel gesetzt. "Ich arbeite alleine oder mit Johanna an meiner Aufgabe, bis ich sie verstanden haben", zeigt sie in ihrem Logbuch den Weg auf. "Jessica hat ihr Ziel erreicht", hat die Lehrerin - in der neuen Schulform heißt sie Lernbegleiterin - notiert. Alle drei bis vier Wochen ist Manöverkritik zwischen Lehrer und Schüler.

"Ich habe mir am Anfang immer zu wenig vorgenommen", blickt Jessica auf die nunmehr fünf Monate Gemeinschaftsschule zurück. "Jetzt geht es", kann sich die Zehnjährige besser einschätzen. "Dass man frei arbeiten kann und nicht immer dem Lehrer zuhörer muss", das gefällt der Fünftklässlerin am neuen Modell.

Wo Lernen Spaß macht

Kurze Input-Phase zum Thema Rechtschreibung mit Lernbegleiterin Jeannette Blank im Lernatelier: In kleiner Runde besprechen die Schüler die erforderlichen Arbeitsschritte, für die sie ein Merkblatt mitbekommen.

Fotos: Sabine Friedrich

"Die Kinder sind selbstständiger geworden", beobachtet Kollegin Ossig seit der ersten Woche. "Man merkt, dass sie in die neue Art des Arbeitens reingewachsen sind", ist Blanks Erfahrung. "Ich habe das Gefühl, dass sie angekommen sind im Tagesrhythmus", ergänzt Ossig. Drei Mal pro Woche sind die Fünftklässler ganztags von 7.45 bis 15.15 Uhr in der Georg-Kropp-Schule.

Angst verloren

Die Kolleginnen erzählen vom Lerneifer ihrer Schützlinge, die sich gegenseitig anspornen, voneinander profitieren. "Ganz viele Kinder haben die Prüfungsangst verloren", freut sich Ossig. Denn die Schüler bestimmen selbst, wann sie einen Test schreiben. Wenn einer schief geht, können sie ihn wiederholen.

Trotz aller Individualität, Rektor Peter Wagner stuft die soziale Kompetenz, die überfachliche Qualität, noch höher ein. Deshalb gibt es neben dem individuellen Lernen ja auch ein kooperatives.

Schule hat sich auch für die Pädagogen verändert. "Unsere Berufszufriedenheit ist wesentlich höher. Wir können die Kinder da abholen, wo sie stehen und sie dort fördern, wo sie es brauchen", beschreibt Ossig die gewaltige Umwälzung.