Viele Spätlesen bei Frühsorten

Eberstadt/Weinsberg  Eberstadt/Weinsberg - Keine Lese, steht in roter Schrift mit drei Ausrufezeichen auf dem Aushang. Die Wengerter bleiben am regnerischen Dienstag nicht nur bei den Weingärtnern Grantschen zu Hause, schneiden keine Rieslingtrauben von den Rebstöcken.

Von Joachim Kinzinger

Viele Spätlesen bei Frühsorten

Bei der Abfüllung in die Edelstahltanks: (von links) WG-Chef Otto Freyer, Geschäftsführer Dirk Mosthaf und Claudia Rieß, stellvertretende Kellermeisterin in Eberstadt.

Eberstadt/Weinsberg - Keine Lese, steht in roter Schrift mit drei Ausrufezeichen auf dem Aushang. Die Wengerter bleiben am regnerischen Dienstag nicht nur bei den Weingärtnern Grantschen zu Hause, schneiden keine Rieslingtrauben von den Rebstöcken. Auch die Winzer vom Weinsberger Tal legen einen Puffertag ein. Mit dem bisherigen Verlauf der Ernte sind diese beiden Genossenschaften im Weinsberger Tal sehr zufrieden. "Sehr gute Qualität, sehr gesunde Trauben", sagt Otto Freyer, Vorstandsvorsitzender der Winzer-WG aus Löwenstein. Von einem Bilderbuchherbst spricht Ulrich Schwager, Kellermeister in Grantschen: "Kein Fäulnisdruck, sehr gute Mostgewichte." Die Frühsorten blubbern in den Gärtanks.

Der Herbst hat am 24. September mit Schwarzriesling bei den Winzern vom Weinsberger Tal begonnen. "Alles Spätlese", sagt Freyer zu den hohen Durchschnitts-Mostgewichten: Schwarzriesling (90 Oechsle), Samtrot (99), Kerner (90). Der Vorstandsvorsitzende rechnet mit 130 Kilo pro Ar im Querschnitt aller Sorten. Insgesamt werden die beiden Weinhäuser in Eberstadt und Löwenstein rund 5,6 Millionen Kilo Trauben verarbeiten. Dies ergibt 4,4 Millionen Liter Wein.

"Beim Trollinger brauchen wir einen normalen Jahrgang von 140 bis 150 Kilo pro Ar", erklärt Geschäftsführer Dirk Mosthaf. Im Dezember kommt ein Riesling auf den Markt. Bei den Literflaschen sei die WG derzeit bei dieser Weißweinsorte ausverkauft.

In Grantschen hat Kellermeister und Vorstandsmitglied Schwager am Dienstag ohne Traubenannahme mal einen "Tag zum Durchschnaufen" in der stressigen Zeit. "Dieser Herbst ist überlebensnotwendig für den Betrieb und die Mitglieder", sagt Schwager. Nach drei kleinen Ernten endlich ein Vollherbst mit rund zwei Millionen Kilo Trauben und 1,6 Millionen Liter Wein. Nur noch und 700 000 Liter lagern aus den Vorjahren im Keller - die Hälfte des üblichen Bestandes. Bei solchen Durchschnitts-Mostgewichten kommt Freude auf: Schwarzriesling (96), Samtrot (98), Acolon (89), Müller-Thurgau (88), Kerner (94) oder Weißburgunder (100). Beim Trollinger dürfen die 180 WG-Mitglieder in Grantschen bis zu 170 Kilo pro Ar abliefern, beim Dornfelder waren es 150.

Viele Spätlesen bei Frühsorten

Der Grantschener Kellermeister Ulrich Schwager stößt mit einem Holzstempel den sogenannten Maischehut im Holzgärständer hinunter.

Fotos: Joachim Kinzinger