Tempo 30 soll Dauerlösung werden

Obersulm  Tempo 30 in Abschnitten auf der B39 und der L1035 - das soll den lärmgeplagten Anwohnern der Ortsdurchfahrten in Willsbach ein bisschen mehr Ruhe bringen.

Von unserer Redakteurin Sabine Friedrich

Tempo 30 soll Dauerlösung werden

Auf der B39 und auf der L1035 − hier vom Marktplatz bis zum Kreisverkehr − beantragt die Gemeinde bei Land und Bund eine Geschwindigkeitsreduzierung.

Fotos: Dennis Mugler

Der Obersulmer Gemeinderat war sich bei den Gegenstimmen von Werner Frisch und Jochen Distel (beide FWV) einig, dies von Land und Bund zu fordern.

Und er ging weiter als die Verwaltung: Die Geschwindigkeitsreduzierung soll zur Dauerlösung und nicht wieder aufgehoben werden, sollte ein lärmmindernder Fahrbahnbelag kommen. Der weitere Antrag der SPD-Fraktion, die gewünschte Regelung rund um die Uhr gelten zu lassen, scheiterte knapp. Eine weitere Maßnahme im Lärmaktionsplan, von vielen Betroffenen auch gefordert, ist Tempo 50 zwischen Willsbach und Affaltrach, wo derzeit noch 70 gilt.

Weniger Tempo und ein lärmmindernder Belag, da sage das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) entweder oder, machte Uwe Zimmermann vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Haßmersheim, das die Stufe zwei des Lärmaktionsplans erarbeitet hat, klar. Wenn nur noch langsamer gefahren werden darf, bringe das 2,3 bis 2,5 Dezibel weniger an Belastung, bei einem neuen Belag seien es drei bis vier Dezibel.

Handeln

Peter Dossow war die Haltung des RP egal. "Uns geht es nicht darum, was eventuell genehmigt wird, sondern was gemacht werden soll. Es ist höchste Zeit zum Handeln", sagte er angesichts von einem gesundheitsbelastenden Lärmpegel. Im Gebiet der beiden Hauptverkehrsadern gilt das nachts für rund ein Fünftel der bebauten Fläche in Willsbach. "Wir machen die Lärmaktionsplanung für lärmgeplagte Anwohner, die nachts nicht schlafen können und tagsüber in ihrem Garten keine Ruhe finden", untermauerte Dossow.

Tempo 30 soll Dauerlösung werden

12.200 Fahrzeuge waren 2015 täglich in der Löwensteiner Straße im Bereich der Ortsmitte Willsbach (Foto) unterwegs, in der Weinsberger Straße waren es 19.120. Die Anlieger müssen mit Lärm und Gestank leben.

CDU-Sprecher Thomas Lüdecke war etwas ernüchtert. Ziel sei schon gewesen, in wichtigen Bereichen das Tempo zu reduzieren, aber dass dies in Willsbach beispielsweise ortsauswärts nur bis zum Heerweg gehen sollte, fand er schade. Dennoch plädierte er dafür, die Chance für die Maßnahmen zu nutzen, sonst müsse man so lange warten, "bis eines Tages die Umgehung kommt".

"Wir müssen den Weg für Tempo 30 beschreiten", betonte auch Armin Waldbüßer für die Grünen. Er hatte damit nicht nur den Lärm im Blick, sondern auch die Verkehrssicherheit, die dadurch verbessert werde. Er hoffte zudem, dass die Ortsdurchfahrt so unattraktiv werde, dass der Schwerlastverkehr auf der A 6 die B 39 nicht mehr als Ausweichstrecke wähle. "Wenn wir Tempo 50 im 70er-Bereich hinkriegen, sind die Anwohner zufrieden", meinte Waldbüßer zum Abschnitt zwischen Willsbach und Affaltrach.

FWV-Sprecher Werner Frisch war skeptisch. Für ihn sind die Maßnahmen eine Milchmädchenrechnung. Bei Tempo 30 bräuchten die Fahrzeuge mehr Zeit für dieselbe Strecke, was nach seiner Berechnung einen volkswirtschaftlichen Schaden von 1,5 Millionen Euro pro Jahr verursache. "Dafür kann man viele Schallschutzfenster einbauen." Fraktionskollege Karl Ulrich Vollert stieß ins gleiche Horn: Als Handwerker koste es ihn richtig viel Geld, wenn er nur noch "30" fahren dürfe.

Kein Allheilmittel

"Es gibt immer zwei Seiten", warf Bürgermeister Tilman Schmidt ein. "Eine Temporeduzierung ist kein Allheilmittel." Natürlich habe der Lärmaktionsplan, den die Gemeinde aufstellen musste, eine Erwartungshaltung geweckt. Die könnte nicht erfüllt werden. Denn: "Wir haben schlichtweg zu viel Verkehr."

Da knüpfte Ulrich Hohl an: "Die Straße muss raus, die macht Krach", forderte er erneut, in Sachen Umgehungsstraße "mehr nach oben zu drücken". Vielleicht müsse man ja wie anderenorts auf die Barrikaden gehen. Die geforderten Temporeduzierungen sind für den FWV-Rat die "günstigste Lösung".

Maßnahmenkatalog

Der Maßnahmenkatalog, den die Gemeinde umgesetzt haben möchte, umfasst folgende Punkte:

Tempo 30 auf der B 39 zwischen Ortseingang Willsbach aus Richtung Sülzbach und der Einmündung in den Heerweg rund um die Uhr; auf der L 1035 im Straßenzug Markt-/Brückenstraße zwischen Einmündung in die B 39 und dem Kreisverkehr zwischen 22 und 6 Uhr; auf der L 1035 zwischen Kreisverkehr und der Affaltracher Straße 17 zwischen 22 und 6 Uhr.

Tempo 50 auf der Landesstraße zwischen Willsbach und Affaltrach, wo bisher "70" erlaubt ist. Für die genannten Bereiche der Landesstraße 1035 beantragt die Gemeinde beim Regierungspräsidium zudem, einen lärmmindernden Fahrbahnbelag einzubauen.

Alle Fraktionen begrüßten passive Schallschutzmaßnahmen. So könnten Besitzer von 115 Gebäuden in Willsbach und 15 in Affaltrach Zuschüsse aus dem Lärmsanierungsprogramm für Schallschutzfenster erhalten.