Letzte Tage im Weinhaus Willsbach

Obersulm  Obersulm - Josef Thoma und Ewald Sterk suchen kurz vor Toresschluss Wein und Sekt für die Winterfeier im Januar aus. Der Vorsitzende des Musikvereins Sülzbach und sein Festwart haben für alle Veranstaltungen in den vergangenen Jahren Produkte der Willsbacher Weingärtner geordert.

Von unserer Redakteurin Sabine Friedrich

Ein Abschied, der schmerzt

Ewald Sterk (links) und Josef Thoma laden zum letzten Mal in der Löwensteiner Straße im Obersulmer Teilort Wein und Sekt für die Winterfeier des Musikvereins Sülzbach ein.

Fotos: Dennis Mugler

Obersulm - Josef Thoma und Ewald Sterk suchen kurz vor Toresschluss Wein und Sekt für die Winterfeier im Januar aus. Der Vorsitzende des Musikvereins Sülzbach und sein Festwart haben für alle Veranstaltungen in den vergangenen Jahren Produkte der Willsbacher Weingärtner geordert.

"Das ist für uns schon ein Verlust, wenn wir nicht mehr vor Ort einkaufen können", bedauert Vereinschef Thoma, dass das Weinhaus nach der Fusion der Winzer im Weinsberger Tal ab 1. Januar 2013 geschlossen ist.

"Ich müsste lügen, wenn ich sage, es tut mir nicht weh", gibt Martin Keppler, einer der Winzer-Vorstände und einst Vorstandssprecher der Willsbacher WG, zu.

"Die Konzepte lassen nicht zu, dass der Standort abgekapselt ist", begründet Geschäftsführer Dirk Mosthaf die Schließung. Nur noch der Endverbrauchverkauf hat nach der Fusion im Jahr 2011 hier stattgefunden, Traubenannahme, Ausbau und Abfüllung sind bereits in Eberstadt und Löwenstein konzentriert. Nur noch zehn Prozent der Fläche werde in Willsbach genutzt. Was mit den Gebäuden an der B 39 geschieht, "dazu kann ich nichts sagen und darf es nicht", antwortet Mosthaf. Es stünden mehrere Möglichkeiten im Raum.

Hofladen

"Wir werden auf jeden Fall an diesem Standort einen Weinverkauf haben", versichert er. Das sei für die Genossenschaft am größten ihrer Weinbaustandorte notwendig. Bis es soweit ist, werden ab 18. Februar übergangsweise im Hofladen Vollert in Willsbach die heimischen Produkte verkauft. In drei bis vier Monaten werde es Klarheit geben, wie es im Obersulmer Teilort weitergehe. Ob die Genossenschaft den rund 7500 Quadratmeter großen Komplex mit Kelter, Versand, Lager, Weinmarkt und Saal verkauft oder vermietet, auch das lässt der Geschäftsführer noch offen.

Ein Abschied, der schmerzt

Vorstand Martin Keppler (links) und Geschäftsführer Dirk Mosthaf (rechts) mit Kunde Alfons Otto aus Affaltrach.

Den Winzern vom Weinsberger Tal ist es wichtig, dass der Tourismus in der Region gestärkt wird. Für die geplante Tourismus-Geschäftsstelle der Kommunen aus dem Gebiet ist das Willsbacher Weinhaus im Gespräch. "Wir sind auf jeden Fall daran interessiert, die Tourist-Info zu kriegen", betont Keppler. Das sei in die Planungen integriert.

"Die letzten Tage sind sehr schwierig für mich", verlässt Anneliese Keller nach rund 40 Jahren nur schweren Herzen ihren Arbeitsplatz in Willsbach. Wie eine Kollegin wechselt sie zum WG-Sitz nach Löwenstein. Die dritte Beschäftigte findet künftig in Eberstadt ihr Betätigungsfeld. Und auch der Auszubildende bleibt bei den Winzern.

Den Standort komplett zu schließen, sei nicht leicht gefallen, sagt Mosthaf. Es sei aber Aufgabe des Vorstands, für das Weiterkommen des neuen Betriebs zu sorgen, ergänzt Keppler. Ein Teil der Mitglieder halte sich an Emotionen und die Vergangenheit, der andere an Fakten, sprich ein ordentliches Traubengeld. Geschäftsführer und Vorstand berichten von deutlichen Kosteneinsparungen durch die neuen Strukturen. Die Angst von Wengertern, bei der Fusion unterzugehen, sieht Keppler besiegt. Wer den Weg mitgegangen sei, sei zufrieden, weil er mehr Geld habe.