Kleine Experimenta am Michelbach

Obersulm  Obersulm - Ein halbes Dutzend Jungen steht barfuß oder in Gummistiefeln wadenhoch im brauen Wasser, um das Stautor einzusetzen. Eine knifflige Sache. Aber es muss dicht sein, so dass das Wasser nur durch die Rinne fließt.

Von unserer Redakteurin Sabine Friedrich

Kleine Experimenta am Michelbach

Die 15- und 16-Jährigen zielen die Seile fest, graben die Löcher für die Eimer fürs Ballspiel aus.

Obersulm - Ein halbes Dutzend Jungen steht barfuß oder in Gummistiefeln wadenhoch im brauen Wasser, um das Stautor einzusetzen. Eine knifflige Sache. Aber es muss dicht sein, so dass das Wasser nur durch die Rinne fließt. Fabian hat eines der vier ebenfalls selbst gebauten Holz-Wasserräder in der Hand. Die Blätter dieser Einsätze sind unterschiedlich groß, was sich in der Fließgeschwindigkeit auswirkt. Um die zu messen, wird noch eine Geschwindigkeitsanzeige mit LED-Lichtern entwickelt. Von der Planung bis zur Funktionstüchtigkeit ist alles in Schülerhand. Die Holzbalken hat das Kreisforstamt geliefert, der Bauhof beim Aufbau teilweise geholfen. Die Zehntklässler des Evangelischen Paul-Distelbarth-Gymnasiums in Obersulm vollenden an diesem Morgen die fünf Spiel- und Lernstationen im Michelbachpark in Affaltrach. Am Freitag ist Einweihung. Es ist die dritte Etappe des Nachhaltigkeitsprojekts, das von 2010 bis 2015 läuft.

Durch das Aufstauen ist der 2012 aufgeweitete Bach lebhafter geworden. Das wird an der zweiten Station genutzt - fürs Bootrennen.Drei Spielzeugschiffe werden vom kleinen Steg zu Wasser gelassen, ein Kind stoppt die Zeit im Ziel vor dem Stautor. Und was passiert, wenn eines der Boote beladen ist? Das werden Grundschüler erfahren, für die diese kleine Experimenta am Michelbach konzipiert ist.

Klanginsel

Ein anderes Kapitel Physik schlagen die Zehntklässler an der nächsten spielerischen Lernstation auf: Tim schlägt mit einem Hammer die unterschiedlich langen Stahlröhren der Klanginsel an. Klingt das kurze Element tiefer oder das längste?

Auf der anderen Seite des Baches setzt Aleta auf der Leiter den Akkuschrauber an. Mit vereinten Kräften halten Klassenkameraden das Schild fest: "Erlebnispfad Michelbachpark" ist darauf zu lesen. Die beiden eingebrannten Fußabdrücke weisen den Start zum Fußerlebnispfad. Teamarbeit ist auch bei der letzten Station angesagt, die sich aus drei Teilen zusammensetzt. Jana sticht den Spaten in den Boden, um die Löcher für die Eimer beim Ballspiel auszugraben. Das Spinnennetz aus Seilen zwischen dem Balkengestell ist gewoben, und der Baumstamm zum Balancieren liegt bereit. Wie beim Bootsrennen die Aufgabenstellung in eine Geschichte von Käpt"n Blaubär verpackt worden ist, haben die Mädchen hier ebenfalls eine imaginäre Figur für die Arbeitsblätter erfunden. Das Projekt ist ein fächerübergreifendes. Sogar das Buchungssystem für die Klassenbesuche werden die Gymnasiasten austüfteln. Zehn Schülermentoren, die die Grundschüler führen, an den Stationen auf- und abbauen, werden noch ausgebildet.

Weitere Planung

"Wenn ich Grundschüler wäre, würde ich jeden Tag hier herkommen", drückt Larissa ihre Begeisterung für die kleine Experimenta aus, die der nächste Zehnerjahrgang 2014 um Stationen für weiterführende Schulen ergänzen wird. "Man sieht am Ende des Tages, was man geschafft hat", ist auch Jana stolz. Angelina fährt täglich auf dem Schulweg am Park gegenüber dem Mineralfreibad vorbei: "Hier ist immer jemand", weiß sie, dass er angenommen wird.

Kleine Experimenta am Michelbach

Das "Eingangstor" zum Fußerlebnispfad. Mit vereinten Kräften schrauben die Zehntklässler das Schild fest.

Kleine Experimenta am Michelbach

Das macht den Jungen richtig Spaß, im Matsch das Stautor am errichteten Damm einzusetzen. Eine knifflige Angelegenheit, denn es muss dicht sein, das Wasser darf nur durch die Rinne fließen.

Fotos: Mario Berger