Heilbronnerin, die groß herauskommen wollte

Sibel Kekilli: Fritz-Ulrich-Schule, Rathaus, Filmstar

Von Gerd Kempf

Total begeistert erzählte Sibel Kekilli vor einem Monat ihrem früheren Heilbronner Lehrer am Telefon, dass sie die Hauptrolle in einem Film gespielt habe, und der Regisseur sich darum bemühe, den Film bei der Berlinale zu platzieren. Der Lehrer schwächte ab, weil er befürchtete, jemand habe Sibel Flausen in den Kopf gesetzt.Wie inzwischen jeder weiß, wurde der Film "Gegen die Wand" nicht nur auf der Berlinale gezeigt, sondern als bester Film mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.An die Hauptdarstellerin Sibel Kekilli erinnert sich Werner Hörtling, der Leiter der Heilbronner Entsorgungsbetriebe, noch sehr gut. Die heute 23-Jährige hatte von September 1997 bis Februar 2000 im Heilbronner Rathaus ihre Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten absolviert und war anschließend bis Juli 2002 bei den Entsorgungsbetrieben tätig, wo sie die Müllgebührenbescheide bearbeitete. Ebenso nüchtern wie diese Arbeit beurteilt Hörtling ihre Leistung: "Sie hat ihre Arbeit gemacht." Dass sie sich nicht ewig mit Müllgebühren beschäftigen wollte, sei erkennbar gewesen: "Sie hat ihre Ziele gehabt und verfolgt. Sie wollte groß herauskommen."Ambitioniert war die 1980 in Heilbronn geborene Sibel bereits als Schülerin. "Sie war sehr wissbegierig und hat sehr viel zum Unterricht beigetragen", betont ihr früherer Lehrer Manfred Scheurer. Sie gehörte zur ersten Klasse, die an der Böckinger Fritz-Ulrich-Schule die Mittlere Reife absolvierte und war eine der Klassenbesten - besser noch als ihre Zwillingsschwester. "Sie wollte anders sein", charakterisiert Scheurer die "sehr gute und sehr angenehme Schülerin", die "todtraurig" war, als ihre konservativen Eltern es ihr nicht erlaubten, mit der Klasse ins Schullandheim zu fahren. Auch nach der Mittleren Reife hielt sie Kontakt zur Schule, vertrat ihre Eltern beim Elternabend ihres jüngeren Bruders und meldete sich gelegentlich telefonisch bei ihrem Lehrer, nachdem sie zunächst nach Essen und von dort nach Hamburg gezogen war. Die Bilderbuchgeschichte vom Aufstieg der kleinen Müllgebühren-Sachbearbeiterin zum preisgekrönten Filmstar erhielt gestern einen Knacks, als die Bild-Zeitung ausgekramt hat, dass die 23-jährige Heilbronnerin schon vor dem Film "Gegen die Wand" auf der Leinwand zu sehen war: In sechs Porno-Streifen mit eindeutigen Titeln wie "Megageile Kükenfarm."Ihren Lehrer Manfred Scheurer hatte sie nur vor einem Besuch der deutsch-türkischen Koproduktion, die in Berlin mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde, gewarnt. Ihr Telefon-Tipp: Wegen der sehr freizügigen Szenen sollte er sich den Film lieber nicht anschauen.