Hängepartie mit glücklichem Ende

Nach drei Jahren in der Insolvenz ist die Weinsberger Traditionsfirma KW in neue Hände übergegangen

Von Manfred Stockburger

Hängepartie mit glücklichem Ende

Bei der KW Weinsberg hat gestern eine neue Ära begonnen. Bei einem Rundgang stellten die neuen Eigentümer ihr Konzept vor. (Foto: Ulrike Kugler)

Gestern Vormittag haben sich die drei Inhaber der Surikate Mittelstandsgesellschaft GmbH aus Bad Rothenfelde der Weinsberger Belegschaft vorgestellt. 75 Mitarbeiter hat das Traditionsunternehmen nach der Insolvenzphase noch - 30 mussten im Vorfeld des Surikate-Einstiegs von Bord.

"Wir sehen eine sehr, sehr erfolgreiche Zukunft", sagt Frank Kahle von Surikate. Erst vor sechs Wochen waren die Investoren zum ersten Mal nach Weinsberg gekommen. "Der Überlebenswille der Belegschaft hat uns sehr darin bestärkt, an das Unternehmen zu glauben". Sie seien langfristige Investoren, betonen die drei neuen Inhaber. "Wir suchen nicht den schnellen Exit, und wir wollen auch nicht nur die Braut schmücken, um uns dann zu verabschieden." Kahle konkretisiert das unter anderem damit: "Ich gehe davon aus, dass wir nächstes Jahr wieder Lehrlinge einstellen können." Die Geschäftsführung vor Ort übernimmt der bisherige KW-Chef Eberhard Ultsch.

Vom Insolvenzverwalter Karl-Heinz Branz ("Auf den letzten Drücker ist da die beste Lösung zustande gekommen") über den IG-Metaller Werner Schrott ("Die Übernehmer machen einen guten und kompetenten Eindruck") bis zum Sparkassen-Vorstand Thomas Braun ("Das sind keine Glücksritter, wie viele andere, die an der KW Interesse gezeigt hatten") haben die neuen Eigentümer einen positiven Eindruck hinterlassen.

Mit der Übernahme - die neue KW Karosseriewerke GmbH hat sämtliche Anlagen und das Grundstück der alten KW übernommen - geht eine lange Leidensgeschichte zu Ende. Nicht nur, dass seit dem Insolvenzantrag 60 bis 80 Interessenten das Unternehmen angeschaut hatten. Mehrmals waren potenzielle Übernehmer in letzter Sekunde abgesprungen. Der Niedergang des Traditionsunternehmens hatte schon in den Jahren zuvor begonnen, als es zum amerikanischen ASC-Konzern gehörte, unter dessen Ära die Belegschaft bis zur Insolvenz von über 500 auf zuletzt 140 geschrumpft war.

Dass mit der Übernahme ein weiterer Personalschnitt einhergeht, ist für Werner Schrott zwar "schmerzlich". Immerhin ist die Mitarbeiterzahl damit nur noch halb so groß wie im April 2002, als der Insolvenzantrag gestellt wurde. Gleichwohl geht er davon aus "dass die KW jetzt wieder zu Wachstum fähig ist" - mittelfristig auch, was die Belegschaft angeht. "Es waren schon alle betroffen. Aber die Mitarbeiter haben den Schritt akzeptiert, es gab keinen Ärger untereinander", lobt Schrott. "Das ist alles ganz korrekt abgelaufen."

Weil die Gesellschaft sicherlich eine Zeit brauchen werde, bis sie Ertrag erwirtschaftet, hat Schrott einem "sehr langfristigen" Sanierungstarifvertrag zugestimmt, der unter anderem auch die Ausweitung der Arbeitszeit auf 40 Stunden umfasst. Erst 2008 werde der Tarifvertrag wieder in vollem Umfang gelten. "Das ist eine ordentliche Regelung."