Wenn der Telefonwerber es immer wieder klingeln lässt

Verbotene Verkaufsgespräche am heißen Draht: Unerwünschte Anrufer auf Kundenfang nehmen auch im Unterland stark zu - Ein Fall aus Beilstein

Von Helmut Buchholz

Wenn der Telefonwerber es immer wieder klingeln lässt

Penetrante Telefon-Akquise, oft zur Unzeit: "Ich kann mich gegen ungebetene Anrufe kaum schützen", sagt der Beilsteiner Georg Berkmann. (Foto: Archiv)

Am liebsten würde Georg Berkmann den TV-Moderator Günther Jauch anzeigen. "Hat der nicht schon genug Geld mit seinen Shows im Fernsehen verdient?", fragt der Beilsteiner. Dass ihm der Name des allgegenwärtigen Tele-Stars jetzt noch permanent an der Muschel seines Privattelefons als Verkaufsargument begegnet, "stört mich sehr". Berkmann bekommt oft ungebetene Anrufe von Telefonwerbern, die angeben, sie rufen für die Süddeutsche Klassenlotterie (SKL) an. Die Stimme im Telefon "beruft sich explizit auf Jauch", der die SKL-Show im Fernsehen moderiere. Die Telefonwerber wollen Berkmann sogar einen Gewinn zusenden, obwohl er bei der SKL kein Los gekauft hat. "Unseriös", nennt er das.

"Muss ich mir diese Unsitte wirklich bieten lassen?", fragt Georg Berkmann. "Nein", antwortet Andrea Müller auf diese Frage. Die Fachberaterin für Telekommunikation bei der Verbraucherzentrale in Neckarsulm betont, dass diese unerwünschte Telefonwerbung verboten sei. "Nur wenn eine laufende Geschäftsbeziehung besteht, darf in der Privatwohnung angerufen werden." Also zum Beispiel dürfte die Kfz-Werkstatt oder der Angestellte der Hausbank anrufen. Ungebetene Anrufer seien aber in der Regel abmahnungsreife unlautere Wettbewerber. Dennoch gebe es viele, die versuchen, am Telefon Umsatz zu machen. "Ein großes Problem, es gibt zurzeit viele Beschwerden."

Die Süddeutsche Klassenlotterie distanziert sich ausdrücklich von "den schwarzen Schafen, die sich in dem Telefonmarketing-Markt tummeln", sagt Heribert Geng, Marketing-Leiter des Glücksspiel-Unternehmens in München. Allerdings räumt er ein, dass etwa 20 Lotterie-Annahmestellen Verträge mit Call-Centern abgeschlossen hätten, die versuchen, per Telefon Lose zu verkaufen. Die dafür erforderlichen Telefondateien seien legal käuflich. Wer schon einmal an einem Preisausschreiben teilgenommen oder seine Anschrift auf der Antwort-Karte eines Gewinnspiels angegeben habe, sei in diesen Listen registriert. "Das wissen viele nicht", sagt Geng.

Dennoch gebe sein Unternehmen Qualitätsstandards für die Telefonakquise vor. Es sei aber auch schon vorgekommen, dass einzelne Werber bei Call-Centern es übertrieben hätten. "Die werden dann gekündigt oder abgemahnt." Dass Jauchs guter Name als Verkaufshilfe diene, "ist durchaus erlaubt", versichert der SKL-Mitarbeiter. Alle Loskäufer hätten die Chance, in die RTL-Show zu kommen.

Günther Jauch selbst bekommt offenbar öfter Beschwerden von genervten Leuten, die von echten oder unechten SKL-Werbern angerufen wurden. Seine Kölner TV-Produktionsfirma teilt mit, dass er die Kritik stets an das Lotterieunternehmen weiterleitet.

Info: Beschwerden und Infos über unerlaubtes Telefonmarketing: Verbraucherzentrale, Telefon 0900/774441 (Kosten: 1,24 Euro pro Minute). Beschwerden über SKL-Werber: 089/679030. Wer keine SKL-Anrufe haben will, kann sich auf einer Sperrliste eintragen (www.skl.de).