Lesezeichen setzen Merken

Konfrontiert mit schockierenden Fotos

Nicht nur mit Menschen ist der Raum Heilbronn auf dem Weltjugendtag in Köln vertreten. Ein Künstler-Trio aus Bad Wimpfen konfrontiert dort die bis zu einer Million Besucher mit schockierenden Anti-Raucher-Bildern: auf und in 999 Toilettenhäuschen

Von Gerd Kempf
  |    | 
Lesezeit  2 Min
Konfrontiert mit schockierenden Fotos
Für den Massenansturm in Köln vorbereitet: Der überdachte Platz für Papst Benedikt XVI. und in langer Reihe davor die 999 künstlerisch gestalteten Toilettenhäuschen aus dem Unterland , deren Hüllen später als Mahnmale auf Schulhöfen vor den schädlichen Folgen des Rauchens warnen. (Foto: Bär + Knell)

Die warnenden Hinweise auf den Zigarettenschachteln sind deutlich: Rauchen kann tödlich sein oder ausführlicher Rauchen führt zur Verstopfung der Arterien und verursacht Herzinfarkte und Schlaganfälle . Noch warnender als Worte sind Bilder, die die Folgen des Rauchens drastisch vor Augen führen.

Warnender als Worte sind die Fotos, die statt der Texte auf den Zigarettenschachteln auf drastische Art auf die Gefahren des Rauchens hinweisen.
Ginge es nach der Europäischen Kommission, hätten die Fotos, die Impotenz symbolisieren oder einen Kehlkopfkrebs zeigen, längst die verbalen Hinweise ersetzt, doch freiwillig folgte noch kein EU-Land diesem Vorschlag. Aufgegriffen hat diese schockierenden Fotografien ein Künstler-Trio aus Bad Wimpfen, das sich über das Unterland hinaus einen Namen mit Recycling-Kunst gemacht hat. In Heilbronn selbst haben Beata und Gerhard Bär sowie Hartmut Knell beispielsweise die Stühle im Theaterschiff geschaffen.

Konfrontiert mit schockierenden Fotos
Konfrontiert mit schockierenden Fotos
Sie verstehen sich in einer Tradiotion, die Kunst nicht um ihrer selbst willen schafft, sondern gesellschaftliche Botschaften vermittelt. Und weil es aus ihrer Sicht unerträglich ist, dass Kinder und Jugendliche die wichtigste Zielgruppe der Tabakindustrie sind, wollten sie dagegen ein Zeichen setzen. Gerhard Bär: Es geht uns darum, das Bewusstsein durch die Konfrontation mit schockierenden Bildern zu verändern.

Für die 999 Kunstobjekte wurden zwölf Anti-Rauch-Motive ausgewählt.
Aufgegriffen haben sie auch das gängige Argument, mit dem in Baden-Württemberg im Unterschied zu Hessen ein Rauchverbot an Schulen verhindert wird: Durch ein Verbot würde das Problem nur vom Schulhof in die Toiletten verlagert. Sie nahmen dieses Argument wortwörtlich und produzierten Toilettenhäuschen, die nicht nur auf allen vier Außenseiten, sondern auch auf allen vier Innenwänden die abschreckenden Fotos zeigen. Bär: Diesen Bildern kann man sich in einer Toilette nicht entziehen, sondern man setzt sich dem Bild aus.

Konfrontiert mit schockierenden Fotos
Konfrontiert mit schockierenden Fotos
Während die Wimpfener Künstler mit ihrer bisherigen Recycling-Methode nur Unikate schaffen konnten, haben sie jetzt gemeinsam mit der Firma Söhner Kunststofftechnik in Schwaigern eine Technologie entwickelt, die eine industrielle Produktion in Serie ermöglicht. Geschaffen wurde damit die Voraussetzung dafür, den zu erwartenden Massenansturm auf den heute in Köln beginnenden Weltjugendtag der katholischen Kirche mit Toilettenhäuschen versorgen zu können, die über ihren eigentlichen Zweck hinaus bei den Betrachtern und den Benutzern zu einer Veränderung des Bewusstseins führen könnten. Wir sind keine Anti-Raucher-Päpste , sagt Bär, wir wollen die Auseinandersetzung um das Rauchen fördern - nicht mehr und nicht weniger.

Konfrontiert mit schockierenden Fotos
Bis zu 50 Lastwagen, schätzt Bär, wären benötigt worden, um die 999 Kunstobjekte aus dem Unterland nach Köln zu transportieren, wenn sie nicht - ein weiterer Vorteil - faltbar wären. Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg unterstützt nicht nur die Aktion in Köln beim Weltjugendtag, sondern auch die den Häuschen danach zugedachte Funktion, wenn sie als Toilette ausgedient haben. Nach dem Willen des Künstler-Trios aus Bad Wimpfen sollen sie dann als Mahnobjekte auf Schulhöfen und öffentlichen Plätzen in ganz Deutschland aufgestellt werden.

    
Kommentar hinzufügen
  Nach oben