Vor allem die großen Firmen legen etwas auf den Tariflohn drauf

Die Beteiligung von Mitarbeitern am Unternehmensgewinn ist auch rund um Heilbronn nicht in vielen Betrieben üblich - Spannbreite von Bonuszahlung bis zu Tankgutscheinen

Von Heiko Fritze und David Frogier de Ponlevoy

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Bei Audi in Neckarsulm erhalten die Arbeiter einen Bonus für ein gutes Geschäftsjahr. Doch nur wenige Firmen bieten diese Zahlung. (Foto: Archiv)
Was die Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung berechnet hat, gilt nach Ansicht von Rolf Blaettner auch für Heilbronn-Franken: Nur etwa jedes zehnte Unternehmen schüttet an seine Beschäftigten eine Gewinnbeteiligung aus. „Das Instrument wird aber immer interessanter“, berichtet der Geschäftsführer des regionalen Arbeitgeberverbandes.

„Vor allem in Betrieben der Metall- und Elektrobranche, wo es seit dem Tarifabschluss von Pforzheim vor drei Jahren ja diese Möglichkeit ausdrücklich gibt.“ Eigentlich, erläutert Blaettner, sei das Weihnachtsgeld einst die Gewinnbeteiligung gewesen. Seit diese Sonderzahlung aber Bestandteil fast aller Tarifverträge ist, geben nur noch wenige Firmen freiwillig mehr zu.

Aber es gibt sie. Zum Beispiel die Südwestdeutsche Salzwerke AG: Sowohl bei der SWS als auch bei Südsalz gehören zusätzliche Zahlungen dazu, berichtet Vorstand Ulrich Kowalski. Beim Bergwerksunternehmen hat die Prämie eine jahrzehntelange Tradition, bei Südsalz wurde sie 1998 eingeführt. Bis zu 1950 Euro wurden da schon ausgezahlt. Als zusätzliche Motivation für die Mitarbeiter werden die Quartalsergebnisse bekannt gegeben - als Ansporn, das Ergebnis noch zu steigern. Beim Bergwerk gibt es dazu eine Auftausalzprämie, die natürlich vor allem wetterabhängig ist.

Quartalsweise sind auch die Mitarbeiter beim Heilbronner Stanzformenhersteller Marbach über die Lage informiert, berichtet Sprecherin Tina Dost. Denn auch dort wird abhängig vom Erfolg eine Prämie bezahlt. Und von nächstem Jahr an wird die Württembergische und Badische Versicherungs AG, kurz Wüba, in Heilbronn eine Erfolgsbeteiligung zahlen. Derzeit gibt es Prämien nur für den Vertrieb und leitende Angestellte, berichtet Sprecherin Susanne Widow-Crecelius.

„Keine klassische Beteiligung“ schüttet nach eigener Aussage die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) aus, verweist aber auf ihr Sonderzahlungsmodell am Jahresende: Vorgesetzte bewerten die Leistungen ihrer Mitarbeiter und können auf dieser Basis einen Bonus auszahlen. „Das hat indirekt eben auch stark mit dem Unternehmenserfolg des jeweiligen Jahres zu tun“, heißt es bei der LBBW, und gelte für alle Mitarbeiter.

Bei Unilever Bestfoods haben die Mitarbeiter bereits seit einigen Jahren an allen Standorten einmal im Jahr die Möglichkeit, Aktienoptionen zu erwerben. Dies gilt sogar für Teilzeitarbeiter. Ein anderes Unternehmen, das nicht genannt werden will, vergibt bei gutem Ergebnis Tankgutscheine. Keine Beteiligungsmodelle gibt es dagegen beim Milchverarbeiter Campina und beim Dichtungshersteller Kaco.

Audi schließlich hat sein Modell seit 2005 sogar ausgeweitet. Zur bislang gängigen Erfolgsbeteiligung (die sich aus einem Grundbetrag und Zuschüssen für lange Betriebszugehörigkeit und Arbeitseinsatz zusammensetzt) wurde vom Gesamtbetriebsrat mit dem Vorstand die „erweiterte Mitarbeiter-Erfolgsbeteiligung“ ausgehandelt: „Übersteigt das operative Ergebnis die 1,2 Milliarden Euro, werden zehn Prozent des Überschusses an die Mitarbeiter ausgeschüttet“, erklärt Antje Bauer von Audi. 2005 waren dies immerhin 21,7 Millionen Euro (das operative Ergebnis hatte 1,417 Milliarden Euro betragen). Dieser Betrag wurde je nach Mitarbeiterverdienst aufgesplittet und bedeutete im Durchschnitt 400 Euro zusätzlich für jeden Audi-Mitarbeiter.