Städtisches Selbstbewusstsein stand am Anfang

1000 Gäste kamen zum großen Bürgerempfang zur Feier von 725 Jahre Stadterhebung in die Heilbronner Harmonie

Von Bärbel Kistner

Städtisches Selbstbewusstsein stand am Anfang
Sechs engagierte Heilbronner Bürger wurden von Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach mit der Goldenen Münze der Stadt ausgezeichnet.

Von Bärbel Kistner

Gastredner der Landesregierung war Justizminister Professor Dr. Ulrich Goll. Als Jurist würdigte er das Gemeinwesen, das in den Städten begann. „Städte und Gemeinden sind die Basis unserer Demokratie.“ Im Rückblick auf das Mittelalter bekräftigte Goll, dass in Heilbronn der Aufstieg der Stadt mit Rechtssicherheit und Marktrecht verbunden ist.

Die Stadt als Kristallisationspunkt des sozialen und kulturellen Lebens: „Das gilt heute wie vor 725 Jahren“, sagte Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach. In Anlehnung an Bundespräsident Horst Köhler hob der OB besonders ab auf das „ehrenamtliche Engagement der Bürger, das Städte lebendig macht.“ Und das aus gutem Grunde: Der Bürgerempfang wurde als Rahmen gewählt, um sechs „verdienten Mitbürgern“ die Goldene Münze der Stadt zu überreichen.

Ausgezeichnet wurden Hubert Bläsi, Max Mayer, Heinz Plieninger, Werner Reiter, Karlheinz Trumpf und Gerhard Zehender. Alle Preisträger treten besonderes ein für ihre Stadt: als Geschichtsforscher zu den Luftangriffen auf Heilbronn (Bläsi); als Macher und Schaffer für Weinpanoramaweg, Weinbaumuseum und Renovierung des Deutschordensmünsters (Mayer); als Mitstreiert zur Aufwertung der Südstadt und Aktiver im AOK Vorstand und Bürgerstiftung (Plieninger), als Hauptinititor von „HeilBronnen für Ghana, Leiter des Katholischen Volksbüros und ehrenamtlicher Sozialrichter (Reiter), als GEW-Gewerkschafter und Kirchengemeinderatsvorsitzender (Trumpf) und als Schrittmacher für den Erhalt Heilbronner Kulturgüter (Zehender).

Die historischen Wurzeln für bürgerschaftliches Engagement lieferte der Direktor des Stadtarchivs, Professor Dr. Christhard Schrenk, in einem interessanten wie vergnüglichen Vortrag. Am Anfang stand das Selbstbewusstsein: Dies entwickelte sich in Heilbronn bereits vor der Stadterhebung 1281. Bereits 1265 hatte Heilbronn ein eigenes Siegel mit dem Adler-Symbol, das sogar bis heute noch Verwendung findet.

König Rudolf I. von Habsburg, der 1273 auf den letzten Stauferkönig folgte, sah in Städten wie Heilbronn natürliche Verbündete, um das Königtum zu stärken. Mit dem Stadtrecht wurde gleichzeitig in Heilbronn ein Vogt als königlicher Rechtsvertreter eingesetzt. Wie im Mittelalter hier mit Mördern und Dieben verfahren wurde, erfuhren die Zuhörer von Mario Gremlich, Schauspieler am Heilbronner Theater, der auf der Harmonie-Bühne als Habsburg-König viel Beifall erntete.

Städter-Selbstbewusstsein zieht sich für Schrenk durch die Heilbronn-Historie: 1306 wurde ein städtisches und nicht kirchliches Spital gebaut, 1371 folgte die freie Reichsstadtzeit, nach deren Ende 1811 setzte man auf Industrialisierung, bei der 1848er Revolution war Heilbronn Hochburg der Demokraten. Eindrucksvoll die Erinnerung an den ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss, der mit Heilbronn die Demokratie als Lebensform verbindet: „Das ist das Leben dieser Stadt.“ Für Heuss hat in Heilbronn 1815 mit Gründung der Heiligen Allianz der europäische Gedanke seinen Anfang genommen.

Kommentar Seite 29

Städtisches Selbstbewusstsein stand am Anfang
Schauspieler Mario Gremlich bekam als König Rudolf I. viel Beifall, ebenso das Württembergische Kammerorchester. (Fotos: Dittmar Dirks)
Städtisches Selbstbewusstsein stand am Anfang
Justizminister Ulrich Goll sprach als Vertreter der Landesregierung.
Städtisches Selbstbewusstsein stand am Anfang
Hat Stadtgeschichte spannend gemacht: Christhard Schrenk.