Leittechniker sehen Stadtbahnstart im Zeitplan

Erster Baustein des 5,5 Millionen Euro teuren Herzstücks der Stadtbahnstrecke Heilbronn-Öhringen steht - Knackpunkt Abzweig Pfühlpark

Von Carsten Friese

Leittechniker sehen Stadtbahnstart im Zeitplan

Am großen Stellwerkgebäude des Heilbronner Hauptbahnhofs ist die elektronische Stellwerkzentrale für die neue Stadtbahnstrecke Heilbronn-Öhringen untergebracht. Ein 400-Tonnen-Kran setzte das Gebäude ab. (Foto: Dirks)

An armdicken Stahlseilen ließ ein 400-Tonnen-Kran das 70 Tonnen schwere Modulgebäude auf das Betonfundament nieder. Es ist die elektronische Überwachungszentrale für zwei Stellwerke an der Strecke in Weinsberg und Eschenau, die alle Signale an die Heilbronner Zentrale weiterleiten.

Dort werden die Daten ins alte Stellwerkgebäude weitergespielt, wo der Fahrdienstleiter arbeitet und auf Computerbildschirmen alles überwacht.

Das Stellwerk ist zuständig "für die automatische Zuglenkung", erklärt Karl Hacker von DB Netz Anlagen-Management in Karlsruhe. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt von Deutscher Bahn und Albtalverkehrsgesellschaft, die auf der zweigleisigen Bahnstrecke Heilbronn-Öhringen zeitversetzt verkehren. Zu den Hauptzeiten fährt die Stadtbahn im 20-Minuten-Takt, alle Stunde schickt die Deutsche Bahn einen Regionalexpress in die Spur.

5,5 Millionen Euro kostet die gesamte Anlage des elektronischen Stellwerks, inclusive der Einzelstellwerke in Heilbronn, Weinsberg und Eschenau und der Heilbronner Bedienzentrale des Fahrdienstleiters. AVG und Bahn teilen sich nach einem Zuganteilschlüssel die Kosten.

Etwa die Hälfte der Kosten hat die Firma Siemens dadurch eingespart, dass die Gebäude - statt im Hochbau vor Ort - in einer Werkhalle in Braunschweig zusammengesetzt und dann per Schwertransport über die Autobahn auf die Reise Richtung Süden geschickt werden. Rund 40 Tage hat die Montage der Stellwerkzentrale gedauert, inclusive Prüfung der Leittechnik in den Stellwerkrechnern. Für den Notfall ist in dem unter Starkstrom stehenden Flachbau gesorgt: Ein Batteriesystem kann einen Stromausfall von drei Stunden überbrücken.

Ein Knackpunkt der Strecke ist der Abzweig am Heilbronner Pfühlpark, an dem DB-Gleise auf Stadtbahngleise treffen. Damit Güterzüge nicht plötzlich an der Harmonie vorbeirattern oder ein Stadtbahnwagen auf DB-Gleisen bleibt, ist eine Gleiskoppelspule eingebaut. Siemens-Projektleiter Christian Neureiter: "Die erkennt die Stadtbahnwagen und sorgt für die Weichenstellung Richtung Innenstadt."

Aus Sicht der Leittechniker steht der geplanten Streckeneröffnung am 10. Dezember nichts im Wege. Eine sechs- bis achtwöchige Prüfung der Anlage mit einer Abnahme durchs Eisenbahnbundesamt steht im Herbst jedoch noch bevor.