In der Hocke geht es auf Brücken-TÜV

Hauptuntersuchung an der Horkheimer Brücke - Der Zustand der Brücken ist insgesamt befriedigend

Von Joachim Friedl

In der Hocke geht es auf Brücken-TÜV
Für die Kontrollarbeiten vom Neckar aus wird der Schleppkahn des Hafenamtes geordert. Die Horkheimer Brücke ist fast 20 Jahre alt - die Lebensdauer einer Brücke liegt bei 60 bis 80 Jahren. Bis auf Mauersegler verirren sich keine Tiere in das Innenleben der Brücken. (Fotos: Marc Schmerbeck)

Von Joachim Friedl

Über eine Leiter, steil an den Pfeiler angelegt, und einen viereckigen Schacht, den man auf allen Vieren hochklettern muss, führt der Weg in das Innere der 1987 eingeweihten Horkheimer Brücke. Sie ist mit ihren 333 Metern die längste Überführung in der Stadt Heilbronn. In der Hocke und gebückt geht es weiter, doch mit jedem Schritt, den man geht, weitet sich die Betonröhre wohltuend auf. Licht in das Dunkel bringen Strahler, die von einem Aggregat mit Strom versorgt werden. Kalt ist es nicht. Am Rand verlaufen mehrere Fernmeldekabel und das Entwässerungsrohr.

Immer mit dabei hat Bernhard Neumann, beim Amt für Straßenwesen der Brückenfachmann, die DIN-Vorschrift 1076. Sie gilt bundesweit und ist das einzige Regelwerk, in dem die Kontrolle von öffentlichen Bauwerken angeordnet wird. Geprüft und benotet werden in der Skala eins bis vier die Kriterien Verkehrssicherheit, Standsicherheit und Dauerhaftigkeit.

Meter um Meter klopft Oliver Hesser vom Betriebsamt, das bei der Hauptuntersuchung personelle Amtshilfe leistet, den Beton ab. 28 Zentimeter trennen ihn von der Fahrbahn, auf der ununterbrochen Fahrzeuge rollen. Aushalten kann die Brücke 90 Tonnen an einer Stelle und 500 Kilo pro Quadratmeter in der Fläche. 24 Zentimeter dick ist die Decke zum Neckar.

Das Abklopfen der Betonwände dient dazu, „eventuelle Hohlräume zu entdecken“, klärt Hartmut Sugg auf. Der Leiter des Amtes für Straßenwesen weiß, dass seine Männer beim Brücken-TÜV gute Arbeit leisten: „Sie arbeiten sehr objektiv und gewissenhaft.“

Und deshalb entgehen Oliver Hesser und dem Bautechniker Dieter Hermann nicht die kleinsten Risse oder Auffälligkeiten vor allem an den Blockfugen. Jede noch so winzige Öffnung wird markiert und untersucht. Festgestellt werden in der Horkheimer Brücke Risse in der Größenordnung von 0,2 Millimeter: „Das ist nicht gravierend. Handlungsbedarf besteht erst ab 0,3 Millimeter“, gibt Neumann für die Spannbetonbrücke Entwarnung. Der einzige 0,4-Millimeter-Riss, den die Brücke hat, verändert sich seit Jahren nicht und trat schon kurz nach dem Bau auf.

Der befriedigende Zustand der Horkheimer Brücke und aller anderen Brücken in der Stadt erfreut Hartmut Sugg. Aber er sagt auch: „Wenn wir nicht investieren, bekommen wir Probleme. Eine Regel besagt: Ein bis zwei Prozent des Neuwerts werden für die Erneuerung benötigt.“ Und so ist Sugg froh, dass die beiden Sorgenkinder, die Otto-Konz und Neckargartacher Brücke bereits saniert sind.

In der Hocke geht es auf Brücken-TÜV
Oliver Hesser klopft die Betonwände nach Hohlstellen ab und kontrolliert, auf Wasser: Die Brücke ist trocken.
In der Hocke geht es auf Brücken-TÜV
Bis zu 15 Zentimeter auf jeder Seite dehnt sich die Horkheimer Brücke aus
In der Hocke geht es auf Brücken-TÜV
Mit der Risskarte vermisst der Bautechniker Dieter Hermann selbst kleinste Schadstellen und dokumentiert sie .