„Heilbronn ist durch Ulrich Frey heller geworden“

Dezente Zwischentöne bei der vorzeitigen Verabschiedung des viel gelobten und oft kritisierten Baudezernenten

Von Kilian Krauth

„Heilbronn ist durch Ulrich Frey heller geworden“
Mit einem Heilbronn-Bild und Blumen verabschiedete OB Himmelsbach (links) Baudezernent Frey und dessen Sekretärin Waltraud Daniel. Freys Ehefrau, Helga Mühleck (rechts), arbeitet weiter im Grünflächenamt. (Foto: Schmerbeck)

 

Wenn ich heute nach Heilbronn komme, staune ich, wie viel sich hier getan hat - gegen alle Unkenrufe.“ 16 Jahre nach der ersten Begegnung mit dem damals neuen Baudezernenten brachte am Freitag dessen Kollege Prof. Jacques Blumer aus Bern Ulrich Freys Leistungen auf den Punkt. In einem Festakt mit 80 Gästen wurde der 58-Jährige von Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach offiziell aus seinem Amt verabschiedet.

Während ein Streichertrio des Württembergischen Kammerorchesters im Großen Ratssaal Schubert, Beethoven und einen verjazzten Bach zum Besten gab, klangen auch in den Reden von Blumer, Himmelsbach und Frey Zwischentöne an. Beim Stehempfang wurden die Hintergründe des unfreiwilligen Abschieds diskutiert. Zunächst stand er wegen verteuerter Bauprojekte in der Kritik. Dann warf ihm die SPD mangelnde Loyalität vor. So musste er weichen - und für Parteifreund Harry Mergel wurde der Weg ins Sozial- und Kulturdezernat frei.

Nach einer „sauberen Vollbremsung“ gab Frey in seinen feinsinnigen Abschiedsworten offen zu, dass ihn „gewisse Gefühle“ beschlichen hätten. Am Pult zeigte er sich gelassen, feinsinnig und selbstbewusst: Als Dezernent habe er sich oft als „bewährte Haushaltshilfe gefühlt - meine Oma hätte gesagt: wie eine Perle“. „Von einer solchen Perle haben sich gut-bürgerliche Haushalte früher nicht freiwillig getrennt.“

Über die Jahre habe er viele immaterielle Schätze gesammelt, von denen er nun zehre. Über seinen künftigen Broterwerb will sich der Architekt und Stadtplaner Mitte Juni äußern. Ehrenamtlich ist Frey Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbundes und des Vereins für Garten- und Baukultur Heilbronn. Mit Ehefrau Helga Mühleck wird er weiterhin in Böckingen wohnen - von wo er, so der OB, die Realisierung seiner wohl größten Vision, der neuen Neckarvorstadt, inklusive Bundesgartenschau, „in Ruhe“ beobachten kann. Frey förderte auch die Idee, die Stadtbahn aus Karlsruhe nach Heilbronn zu verlängern. Mit diesem Motor habe er ein neues Kapitel der Stadtentwicklung eingeläutet: die von Qualitätsbewusstsein getragene „Gestaltungsoffensive Innenstadt“. Abseits vom Tagesgeschäft habe seine Architektursprache das geistige Klima in der Stadt befruchtet. Dass die Arbeit des Baudezernenten nicht immer Begeisterung auslöste, liege in der Natur des Amtes, wusste der OB.

Selbstbewusst sagte Frey, dass er das Amt nach zwei Amtsperioden „hoch erhobenen Hauptes“ verlasse - was er auch vielen Wegbegleitern zu verdanken habe. Allen voran nannte er den ehemaligen SPD-Chef Friedrich Niethammer, aber auch das Team um Alt-OB Manfred Weinmann. „Es wird oft übersehen, dass auch früher wegweisende Entscheidungen getroffen wurden.“

Nicht ans Pult trat SPD-Fraktionschefin Sibylle Mösse-Hagen. Dafür würdigte sie bei einem internen Abschiedsessen im Ratskeller den Parteifreund: mit einer Radierung - und in Anspielung auf Worte des ehemaligen DGB-Chefs und Stadtrats Paul Maier. Dieser hatte bei Ulrich Freys Amtsantritt 1990 gesagt: „Der zündet 1000 Feuerle an.“ Dazu die SPD-Chefin: „Heilbronn ist durch Ulrich Frey heller geworden.“