Größere Harmonie statt Goldfabrik

Edelmetall im Unterland - Bruckmann und "Silberstollen" - Für Oskar Herrmann war Hobby wichtiger

Von Uwe Jacobi

Ist im Unterland von Edelmetall die Rede, denkt man an Juweliere, aber auch an Bruckmanns Aufstieg und Fall und an den Schwindel um "Silberstollen" bei Wüstenrot. Dass es in Heilbronn bei der Harmonie eine Goldwarenfabrik gab, ist fast vergessen.

Mit Wehmut erinnern Heilbronner Lokalpatrioten an die Firma Bruckmann. Zur Blütezeit war sie die bedeutendste Silberwarenfabrik Deutschlands. Das 1805 gegründete Unternehmen endete nach dem Verkauf 1968 an die holländische Gero-AG mit dem Konkurs 1973.

Mehr Schmunzeln kommt auf, wenn vom "Silberfund" anno 1772 in den Löwensteiner Bergen erzählt wird. 1774 hat keiner gelacht! Damals wurde das angebliche "Silber" als Schwindel entlarvt, nachdem viele Menschen ihr Geld investiert hatten. Heute noch künden zwei "Silberstollen" bei Wüstenrot-Stangenbach von dem Gaunerstück.

Verwunderung dürfte dagegen bei den meisten auslösen, dass in Heilbronn neben der Festhalle Harmonie bis in die Nachkriegszeit eine Goldwarenfabrik stand. Ihre Trauringe waren in Süddeutschland berühmt. Aber ihr letzter Chef, der 1978 die Firma verkaufte, engagierte sich mehr für den geliebten Schützensport als für seine Ringe.

Als 31-Jähriger hatte sein Vater Franz Herrmann 1899 in der Kaiserstraße 17 die Goldwarenfabrik gegründet; der Bauernsohn aus dem Nördlinger Ries hatte bei Juwelier Ludwig Kaempff gelernt. 1932 verlegte er die Produktion an die Allee 32 zwischen der damaligen Festhalle Harmonie und der Dentisten-Familie Grand-Montagne.

Bei dem Luftangriff am 4. Dezember 1944 wurde die Fabrik zerstört, der Gründer kam ums Leben. Als einziger Sohn übernahm Oskar Herrmann (1906-1999) die Firma, die notdürftig in einer Baracke auf dem Fabrikgelände wieder anfing. Auf Drängen von OB Paul Meyle verkaufte er das Grundstück an die Stadt, die damit den Neubau der 1958 eingeweihten Harmonie bis zur Karlstraße ausdehnen konnte.

Zum neuen Standort der Firma wählte Oskar Herrman das Gebäude Lerchenstraße 12. Der größte Schatz des Unternehmens mit einem "Auerhahn" als Logo war das Patent für fugenlose Trauringe, die aus Goldbändern gestanzt und dann auf die gewünschte Größe ausgedehnt wurden. 1978 verkaufte er Patent, Muster, Geräte und Kundenliste an den bayerischen Konkurrenten Weidner.

Mehr als das Geschäft lag Oskar Herrmann sein Hobby am Herzen. "Schon immer widmete er die meiste Zeit dem Schützensport", erinnert sich 2004 die Tochter Ingrid Herrmann bei einem Besuch in Heilbronn. Sie war 1965 in die USA ausgewandert, kurz danach folgte ihre Schwester Karin; die jüngste Tochter Jutta zog nach Düsseldorf.

Oskar Herrmann kletterte bei den Schützen bis zu höchsten mtern und Aufgaben. 1952 wurde er zum ersten Landesoberschützenmeister des neuen Württembergischen Schützenverbandes gewählt. 1966 organisierte er bei den Weltmeisterschaften in Wiesbaden den Einmarsch der Nationen, bei den Olympischen Spielen 1972 in München war er für die Siegerehrung der Schützen verantwortlich.

Fazit: Für einen Heilbronner war das Hobby wichtiger als Gold!