Gen-Gegner: Risiken noch ungeklärt

Rund 500 Bürger haben gestern gegen das geplante Versuchsfeld für genveränderten Mais in Leingarten demonstriert.

Von Reto Bosch

Gen-Gegner: Risiken noch ungeklärt
Geschminkte Gesichter als ungeschminkter Protest.
Viele Plakate, große Transparente, geschminkte Gesichter, geschmückte Traktoren: Die rund 500 Menschen auf dem Leingartener Rathausplatz machen klar, was sie wollen: keine Gen-Versuche auf einem Mais-Acker im Gewann „Annungsgrund“. Genau das hat das Agro-Unternehmen Monsanto beantragt - und damit eine breite Welle des Protests ausgelöst.

„Ja, wir bleiben sauber“: So lautet das Motto der Demonstration. Veranstalter ist das „Aktionsbündnis gentechnikfreie Landwirtschaft im Kreis Heilbronn“. Darin bündeln 20 Organisationen und Parteien ihre Kräfte. Gute Nachrichten hat Brigitte Wolf vom Aktionsbündnis den Gästen mitgebracht: „Es gibt nun 700 Einwendungen gegen den Monsanto-Antrag.“ Zudem lägen insgesamt über 2000 Unterschriften vor. Lauter Jubel brandet auf. Der wird noch lauter als die Gemeinderätin verkündet: „Ein Landwirt will auf einem benachbarten Acker Zuckermais anbauen. Monsanto kann dann den notwendigen Abstand wohl nicht einhalten.“

Gen-Gegner: Risiken noch ungeklärt
Viele Menschen, die Versuche an genverändertem Mais in Leingarten verhindern wollen, sind am Sonntagnachmittag auf den Leingartener Rathausplatz gekommen. Bei winterlichem Wetter machten sie ihrem Unmut Luft. (Fotos: Andreas Veigel)
Friederike Wilhelm, Landtagskandidatin der Grünen, verweist auf Umfragen, nach denen rund 70 Prozent der Menschen keine genveränderten Lebensmittel wollen. Die Risiken seien nicht ausreichend erforscht. Es sei ungeheuerlich, dass es seit 1997 im Land Gen-Versuche gegeben habe, über die die Öffentlichkeit nicht unterrichtet worden sei. Erst die ehemalige Grünen-Verbraucherschutzministerin Renate Künast habe für mehr Transparenz gesorgt. Ingo Rust, SPD-Landtagsabgeordneter, fordert den Kreisbauernverband Heilbronn dazu auf, eine Selbstverpflichtung einzugehen und Grüne Gentechnik aus der Region zu verdammen.

Gen-Gegner: Risiken noch ungeklärt
Nach der Kundgebung zogen die Demonstranten zum Versuchsfeld.
Adolf Monninger vom Nabu-Kreisverband hält Firmen wie Monsanto vor, nur an den eigenen Gewinn zu denken und Risiken unter den Tisch zu kehren. Konventioneller und ökologischer Landbau seien bedroht. Schließlich machten Pollen genveränderter Pflanzen nicht halt an Ackergrenzen. Gottfried May-Stürmer, Geschäftsführer des BUND Heilbronn-Franken, sieht die Artenvielfalt von Insekten und das Grundwasser bedroht. Zumal das Versuchsfeld in der Nähe eines geschützten FFH-Gebiets liege. Er kritisiert auch die Landesregierung: In Baden-Württemberg würden die meisten Anbauversuche von Landeseinrichtungen gemacht.

Ulrike Siegel, Vorsitzende des evangelischen Bauernwerks: „Unsere Lebensmittel sind hochwertig, dazu brauchen wir keine Gentechnik. Als Christen müssen wir uns fragen: Dürfen wir alles, was wir können?“

Nach der Kundgebung marschieren die Gen-Gegner in einem langen Demonstrationszug zum Versuchsfeld. Dort unterstreichen Aktionen, was auch die vielen Schilder sagen: „Ja, wir bleiben sauber.“