Eine Straße für den Heilbronner Don Camillo?

Leser-Aktion zu den Heilbronner Straßennamen: Was noch fehlt - Serie der Heilbronner Stimme (11)

Von Gerhard Schwinghammer

Eine Straße für den Heilbronner Don Camillo?
Soll die Windgasse in Barbarastraße umbenannt werden? Manfred Zimmermann will damit an die Zerstörung Heilbronns am Namenstag der Barbara am 4. Dezember 1944 hinweisen. (Foto: Andreas Veigel)

In zehn Folgen hat die Serie zum nächste Woche erscheinenden Buch Die Heilbronner Straßennamen Wege in neun Stadtteilen vorgestellt. Auf solch einen Artikel habe ich gewartet , mailte Liselotte Fischer aus Heilbronn zu der Aufforderung, Ideen für Straßenbenennungen einzusenden.

Auch Peter Hahn aus Neckargartach, engagierter Heimathistoriker, wurde nach der gelungenen Serie aktiv. Er bringt den früheren Lehrer Karl Hermann (1888-1961) ins Gespräch und liefert eine Vita dazu: Der Neckargartacher Heimatforscher entstammt einer alten Lehrerfamilie. Bis zu seiner Pensionierung 1954 war er 47 Jahre im Schuldienst tätig, davon allein 32 in Neckargartach. Neben dem Beruf gehörte seine Liebe der Erforschung der Heimatgeschichte - besonders seiner Wahlheimat Neckargartach: Die Flurnamen, die Orts-Chronik und die Kirchengeschichte Neckargartachs liegen als Manuskript vor. Sein Lebenswerk umfasst 36 Abhandlungen über die Geschichte Heilbronns, sechs volkskundliche Arbeiten und 40 biografische Artikel, darunter Schillers Aufenthalt in Heilbronn und über die Heilbronner Ärzte Dr. Eberhard Gmelin und Dr. Friedrich August Weber. Hahn: Karl Hermann war einer der Stillen im Lande und allen äußeren Ehren abhold. Seine Heimat liebte er über alles.

Ob die Idee beim zuständigen Gemeinderat ankommt, hängt von vielen Faktoren ab. So gibt es im Stadtteil Heilbronn zu Ehren des verstorbenen Kaufmanns und Gemeinderats Christian Herrmann bereits eine Herrmannstraße - mit zwei r . Verwechslungen durch Namensähnlichkeiten wollen die vom Gemeinderat beschlossenen Richtlinien zur Straßennamensgebung vermeiden. Eine Chance hat Hermann also nur in Kombination mit seinem Vornamen.

Eine weitere Neckargartacher Straßennamen-Aktivität ist aus SPD-Kreisen zugunsten von Albert Utz (2.8.1922-12.3.2002) zu erwarten. Der Karosserieflaschner und spätere hauptamtliche Sekretär der IG Metall sowie Heilbronner Stadtrat (1962-1989) setzte auch als Fußballer und Vorsitzender beim Sportverein VfL Zeichen. In seine Ära fallen der Bau von Sportanlagen an der Wimpfener Straße, 1973 der Kampf der Neckargartacher gegen den Wegfall der Pappeln am gegenüberliegenden Neckarufer und 1975 die Organisation des Marsches der 7000 gegen die Schließung des Audi-NSU-Werkes in Neckarsulm.

Die Kommunalpolitik spielt auch bei weiteren Vorschlägen eine Rolle. Otto Haule aus Heilbronn erinnert an einen Mann der ersten Stunde und einen der profiliertesten Lokalpolitiker der Nachkriegszeit bis Ende der fünfziger Jahre - den 1914 nach Heilbronn gekommene Redakteur (Neckar-Zeitung, Heilbronner Stimme), Stadtrat (1928-1933 und 1946-1959), Bundesverdienstkreuz- und Ehrenringträger Willy Dürr. Er hat neben seinem Beruf als Journalist zeit seines Lebens seine Kraft für die demokratische Sache in seiner Wahlheimat eingesetzt. Das brachte ihm zeitweilig Berufsverbot ein. Dürr ist Autor der ersten Bände der Chronik der Stadt Heilbronn . Ein Lebensfreund war Bundespräsident Theodor Heuss.

Leser Haule ist verwundert, dass die hiesige FDP noch nicht auf die Idee kam, Willy Dürr mit einem Straßennamen zu ehren. Immerhin war er für diese Partei und ihre Vorgängerorganisationen DDP und DVP seit 1919 aktiv tätig. In der Vorschlagsliste des Städtischen Vermessungs- und Katasteramtes ist zu Willy Dürr vermerkt: Friedrich-Dürr-Straße vorhanden .

Ursula Brenner aus Heilbronn will die Erinnerung an den früheren Heilbronner Oberbürgermeister Dr. Hans Hoffmann und an den begnadeten Künstler und Kunsterzieher am Robert-Mayer-Gymnasium Heilbronn und Mitbegründer/Mitorganisator im Künstlerbund Heilbronn wahren. Nachdem es einen Hofmannweg in Böckingen und eine Dr.-Hoffmann-Straße (nach dem Arzt und Ehrenbürger Hermann Hoffmann) in Kirchhausen gibt, wird das OB-Thema nicht leicht zu lösen sein.

Horst Freiwald aus Sontheim meint, dass aus der Liste der berühmten jüdischen Heilbronner noch eine Erwin-Rosenthal-Straße angebracht wäre. Professor Dr. I.J. Erwin Rosenthal, 1904 in Heilbronn geboren, 1991 gestorben, studierte in Heidelberg, München und Berlin, war Dekan der orientalischen Fakultät der Universität Cambridge. Sein Name steht in der Vorschlagsliste des Städtischen Vermessungs- und Katasteramtes.

Mehrere Anregungen beschäftigen sich mit verdienten Männern der Kirche.

Christoph Wollman aus Ilsfeld schlägt für einen Straßennamen den aus Massenbachhausen stammenden legendären Stadtpfarrer vom Deutschordensmünster St. Peter und Paul, Monsignore Josef Baumgärtner (1912-1997), vor und nennt einige seiner schier unerschöpflichen Verdienste im kirchlichen, sozialen und caritativen Bereich: Bau der Kirchen in Neckargartach (1958) und Untergruppenbach (1959), des Gemeindehauses mit Jugendfreizeitstätte in der Heilbronner Fischergasse, des Caritas-Altenheimes St. Elisabeth in der Südstraße (1968), 30 Jahre Gefängnispfarrer in der Heilbronner Justizvollzugsanstalt. Wie populär der Träger des Bundesverdienstkreuzes und Ehrenring der Stadt Heilbronn ist, zeigt auch die Ernennung zum Herbstritter (1968) und die liebevolle Beschreibung als deutscher Don Camillo .

Klaus Burkhardt aus Heilbronn schlägt als stellvertretender Vorsitzender der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bezirk Unterer Neckar und Vorsitzender der Gruppe St. Augustinus in Heilbronn Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler vor. Der Bischof von Mainz war Gründer der Katholischen Arbeitervereine, aus denen die KAB mit heute 200 000 Mitgliedern bundesweit entstand.

Ketteler war auch maßgebend an der Verfassung der Katholischen Soziallehre beteiligt, die unter Papst Leo XIII. (1891) mit der Sozialenzyklika Rerum novarum begann. In Heilbronn gibt es drei KAB-Gruppen. St. Augustinus feiert in diesem Jahr 50-jähriges Bestehen. Burkhardt sieht eine Namensgebung Bischof-von-Kettler-Straße auch als Pendant zur Kolpingstraße in Sontheim. Der katholische Priester Adolph Kolping (1813-1865) war Gründer der katholischen Gesellenvereine.

Ketteler steht in der Vorschlagsliste des Städtischen Vermessungs- und Katasteramtes.

Die Kultur hat nach Meinung einiger Heilbronner noch Potenzial für Straßennamen.

Irmgard Körner aus Frankenbach würde sich freuen , wenn es eine Robert-Edler-Straße gäbe. Edler (1912-1986) hat als Komponist, Dirigent und Musikdirektor die Unterländer Musikszene und besonders das Chorwesen bereichert. Dafür erhielt der gebürtige Heilbronner den Ehrenring der Stadt. Er steht in der Vorschlagsliste des Städtischen Vermessungs- und Katasteramtes.

Gleich zweimal wird ein weiterer Musiker vorgeschlagen. Liselotte Fischer aus Heilbronn und Friedrich Steinle aus Böckingen halten Fritz Werner (15.12.1898 - 23.12.1977) für würdig. Der Sohn eines Berliner Klavierbaumeisters hatte schon eine bemerkenswerte musikalische Laufbahn als Lehrer, Organist, Chorleiter und Kirchenmusiker in Potsdam sowie deutscher Musikbeauftragter in Frankreich hinter sich, bevor nach dem Zweiten Weltkrieg über das Kriegsgefangenenlager in Böckingen nach Heilbronn kam und im Alter von 47 Jahren als Kantor der Kilianskirche neu anfing. Schon im März 1947 rief er den Heinrich-Schütz-Chor ins Leben, 1949 begründete er die Heilbronner Kirchenmusiktage . 1964 wird ihm die Professur verliehen.

Werner steht in der Vorschlagsliste des Städtischen Vermessungs- und Katasteramtes. Es war schon mal angedacht, einen Saal in der Harmonie nach ihm zu benennen, bevor man sich für Heuss und Maybach entschied. Steinle erinnert sich an die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Kirchenmusikdirektor Fritz Werner im Jahr 1998: Zum Abschluss der Laudatio des OB Himmelsbach konnten die Anwesenden erfahren, dass bei nächster Gelegenheit zu Ehren dieser berühmten Heilbronner Persönlichkeit eine Straße nach Professor Werner benannt werden soll.

Manfred Zimmermann aus Heilbronn hat sich neben den Vorschlägen Weinweg , Steinbruchweg und Käthchenstraße Gedanken gemacht: Keine Straße des 4. Dezember , sondern eine Barbarastraße anstelle der Windgasse am Kiliansturm. Der Namenstag Barbara fällt auf den 4. Dezember, den Tag der Zerstörung Heilbronns im Krieg.

Die heilige Barbara lebte im 3. Jahrhundert in Nikomedia in Kleinasien, heute das türkische Izmit am Marmarameer (nördliches Istanbul). Als sie die christliche Religion kennen lernte, sah sie in einem christlichen Leben ihre Aufgabe und ließ sich taufen. Dies war in der Zeit der Christenverfolgung in den Jahren 249-251. Der erzürnte Vater zeigte sie an. Sie wurde gefangen genommen und starb für ihren Glauben. Barbara ist nicht nur eine der 14 Nothelfer der katholischen Glaubenswelt, sondern gilt auch als Schutzpatronin der Bergleute, die für sie am Barbaratag ein Licht im Stollen brennen lassen, der Gefangenen, der Glöckner, (viele Kirchenglocken tragen ihren Namen), Architekten und Waffenschmiede.

Stefanie Bleymüller aus Heilbronn ist dagegen für eine Straße des 4. Dezember anstatt der heutigen Arndtstraße, weil diese direkt auf den Ehrenfriedhof führt. Dass mit der Umbenennung Umstände für die Anlieger verbunden sind, ist ihr bewusst. Sie wohnt selbst dort und findet ihre Idee trotzdem am passendsten .

Stefanie Bleymüller will das Thema kinderfreundliche Stadt Heilbronn auch durch kindgerechte Straßennamen zum Beispiel in Neubaugebieten verdeutlichen. Sie hat dafür originelle Vorschläge wie Farben (Himbeerrotstraße oder Puddinggelbweg oder Froschgrünsteige) und Kinderhelden in Form von Asterixgasse, Rübezahlgasse, Donald-Boulevard. Ein kreativer Gedanke, der besonders im Umfeld von Kindergärten oder Spielplätzen viel Freude bringen kann. Das Buch Heilbronner Straßennamen zur Stimme-Serie von Gerhard Schwinghammer und Reiner Makowski erscheint nächste Woche im Silberburg-Verlag und ist dann im Buchhandel und im Stimme-Shop erhältlich.

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Fritz Werner
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Robert Edler
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Monsignore Baumgärtner
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Willy Dürr