Einbrecher stehlen Blanko-Dokumente

Nächtliche Diebe verwüsten die Ausländerbehörde im Heilbronner Rathaus - Fälschungen geplant?

Von Franziska Feinäugle

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Einbrecher stehlen Blanko-Dokumente
Fachgebietsleiterin Hella Berthold am Tatort: Diesen Panzerschrank haben die Unbekannten in der Nacht aufgeschweißt. Wie viele der dort eingeschlossenen Blanko-Dokumente fehlen, ist noch nicht klar. (Foto: Andreas Veigel)

Wie viele Papiere und Stempel weggekommen sind, konnte gestern noch niemand sagen. Erst nach einer umfangreichen Bestandsaufnahme wird heute oder morgen klar sein, was alles fehlt. Über die Art der Blanko-Dokumente hielten sich Polizei und Rathaus gestern ebenfalls noch bedeckt, um während der laufenden Ermittlungen kein detailreiches Täterwissen an die Öffentlichkeit kommen zu lassen. Die Unterlagen waren jedenfalls schützenswert genug, um im Panzerschrank eingeschlossen zu werden.

„Kleinere Einbrüche“ in Behörden, bei denen nur Stempel gestohlen wurden, sind im Stadt- und Landkreis Heilbronn in der Vergangenheit ab und zu vorgekommen.

Schützenswerte Unterlagen

Noch nie aber hat die Unterländer Polizei sich mit einem Rathauseinbruch befassen müssen, der „so brutal und in dieser Dimension“ begangen worden ist, kommentiert Polizeisprecher Peter Lechner.

Als Sachbearbeiterin Sonja Stuber gestern Morgen um 6.15 Uhr zur Arbeit kam, fand sie zwei aufgebrochene Türen, einen aufgeschweißten Panzerschrank und drei völlig verwüstete Büros vor. Vermutlich um Spuren zu verwischen, hatten die Täter überall Rohrreiniger ausgeschüttet. „Das Mittel ist so stark, dass sich streckenweise das Linoleum auflöst“, sagt Fachgebietsleiterin Hella Berthold.

Mit Gummistiefeln, die sie noch aus ihrer Zeit beim Umweltamt hat, steht sie mittags in einem Rathausflur, der wegen der ausgeschütteten Chemikalien nach altem Fisch stinkt und aussieht, als ginge hier gerade ein Umzug vonstatten. Wie ihre Kolleginnen und Kollegen ist sie mit Aufräumen und Putzen beschäftigt. „Ich hätte heute lieber normal meine Arbeit gemacht.“

Wann hier wieder normal gearbeitet werden kann - das vermag auch der stellvertretende Amtsleiter Dieter Elsäßer nicht zu sagen. „In der nächsten Woche“, formuliert er, „machen wir so schnell wie möglich auf. Aber ob das am Montag um 7 Uhr ist oder am Dienstag um 10 Uhr, weiß ich jetzt noch nicht.“ Am Eingang des Rathauses verkündet ein orangefarbenes Papierschild: „Die Ausländerbehörde bleibt vorübergehend geschlossen.“

Mobiliar und Böden im entsprechenden Stockwerk haben erheblichen Schaden genommen, aufwendige Reinigungs- und Renovierungsarbeiten sind dort nötig. Außerdem müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ausländeramts jetzt erst einmal sämtliche Unterlagen überprüfen, um überhaupt sagen zu können, was die Diebe genau mitgenommen haben.

Wie die Täter ins Rathaus gelangt sind, war gestern noch nicht klar. Das Schweißgerät hatten sie zum Tatort mitgebracht, während ihrer verbotenen Arbeit zum Kühlen Flüssigseife benützt, die an Wände, auf Schreibtische und den Fußboden verspritzt wurde.