Auf der Waldheide ist viel passiert

Vor zehn Jahren eroberte sich die Natur mit Hilfe von Mensch und Schaf die Ex-US-Festung zurück

Von Kilian Krauth

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"Hier war der heiße Bereich", erinnert sich Erwin Württemberger. Mit seiner polierten Schaufel deutet der schwarz gewandete Schäfer auf einen Trampelpfad, der von Stahlpollern flankiert wird. Bis auf eine zum Stall umfunktionierte Halle und den Gedenkstein zum Pershing-Unglück vom 11. Januar 1985 erinnert auf der 52 Hektar großen Hochfläche kaum etwas an den 1991 aufgelösten US-Militärstützpunkt Fort Redleg. "Diesen Winter sind wir mal auf eine Panzermiene gestoßen", berichtet Wolf-Dieter Riexinger vom städtischen Umweltamt. "Aber es ist nichts passiert."

Viel passiert ist in den letzten zehn Jahren indes hinsichtlich der Renaturierung. "Die Natur hat sich die Waldheide zurück erobert. Und wir Menschen haben ein bisschen geholfen", erklärt Baubürgermeister Ulrich Frey. Nachdem die Stadt das Gelände für 850 000 Mark vom Bund erworben hatte, flossen unter Federführung des Grünflächen- und des Forstamtes bis 1996 rund 2,5 Millionen Euro in die Entmilitarisierung. Frey erinnert sich noch gut, wie der damalige Erste Bürgermeister Peter Giebler nach dem US-Abzug in einem einzigen Satz die Zukunft des alten Naherholungsgebietes der Bürger von Heilbronn umrissen hatte: "Das hier wird wieder Wald und Heide." Und diese Zielvorgabe sei, über den Umweg eines Flüchtlingslagers und gegen alle Flugplatz-, Forschungs- oder sonstige Ansiedlungsideen, heute erfüllt.

Während der südliche Teil Ausflüglern offen steht, findet sich am Nordzipfel ein 4,5 Hektar großes Naturdenkmal, zu dem "eigentlich" nur Schafe Zutritt haben. Durch seinen bodensaueren, nährstoffarmen und kalkfreien Magerrasen, vor allem durch die Besen- oder Callunaheide, habe sich ein für die Region einmaliges Biotop erhalten, weiß Wolf-Dieter Riexinger. Die Einmaligkeit gründe nicht zuletzt im Sandstein - "dem wir auch die Kilianskirche zu verdanken haben".

Über geologische und historische Bezugspunkte schärft Riexinger Auge, Geist und Nase für rare Pflanzenarten: Thymian, Deutsche Ginster, Borstgras und den sonst eher in flüssiger Form bekannten Blutwurz. Beim Rundgang kreuzen Wildbienen, Kleiner Heidegrashüpfer und Neuntöter den Weg. Als "Pfleger" fungieren derzeit 360 Mutterschafe und 150 Lämmer. Für Erwin Württemberger verkörpern sie die Idee einer naturnahen Landwirtschaft, deren Kette - im Idealfall über Hofläden wie den seinen in Ellhofen - erst auf dem Esstisch endet. So wird bei der denkwürdigen Feier auch die von "Hohenlohe aktiv" propagierte Vernetzung von Verbraucher und Produzent praktiziert. Württemberger: "Vielen ist ja gar nicht bewusst, wie alles zusammen hängt."

Idylle pur: Erwin Württemberger lässt hier drei- bis viermal im Jahr Schafe grasen. Sie sind Teil der naturnahen Pflege der Callunaheide. (Foto: Ulrike Kugler)
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