Altenpflegeheim in Ex-Freudenhäuser

Investoren planen Altenpflegeheim mit 175 Plätzen an der Sontheimer Straße - Stadt verkauft Gebäude

Von Joachim Friedl

Das südliche Tor zur Stadt erhält ein neues Gesicht: Die mehrjährige Suche der Stadtverwaltung nach einer angemessenen Lösung am Rathenauplatz gegenüber der Unilever Bestfoods Deutschland GmbH wurde jetzt erfolgreich abgeschlossen. Die Investoren Peter Schnatterer aus Bietigheim-Bissingen und Emil Hoffacker aus Bönnigheim haben gestern den Kaufvertrag im Rathaus unterschrieben.

Sukzessive hatte die Stadt in den 90er Jahren die Bordell- und Bargebäude an der Sontheimer Straße aufgekauft. Das letzte Freudenhaus, das S 7, kam 1998 in den Besitz der Kommune. Die Heilbronner Rotlicht-Szene verlagerte sich anschließend in die Hafenstraße.

Insgesamt ließ sich die Stadt den Erwerb der fünf Gebäude umgerechnet rund drei Millionen Euro kosten. Auf die Frage, ob beim gestrigen Geschäft das Rathaus diese Summe wieder einnahm, eventuell sogar mehr erlöste oder mit weniger Geld zufrieden sein musste, sagte Pressesprecher Christian Britzke: "Kein Kommentar. Was Zahlen bei Grundstücksverkäufen anbelangt, sind wir sehr zugeknöpft."

Nicht vom Verkauf betroffen sind die Regina Bar und das Gebäude, in dem früher der Schnell-Imbiss "Latasch" war. Sie befinden sich nicht im Eigentum der Stadt.

Schon im Herbst 2005 will die Kölner Firma SenVital in den einstigen Freudenhäusern und Bars ein Altenpflegeheim mit 175 Plätzen eröffnen. Aus diesem Grund soll so bald wie möglich mit der Modernisierung der teils denkmalgeschützten, teils auch als städtebaulich bedeutsam klassifizierten Häuser, von denen keines abgerissen wird, begonnen werden. Der zusätzliche Er- werb eines Grundstücks Richtung der ehemaligen Eisenbahntrasse ermöglicht den Investoren zudem den Bau von drei weiteren Häusern.

Bei SenVital handelt es sich um ein Unternehmen, das 2002 gegründet wurde und dessen Stammkapital bis Ende des Jahres auf fünf Millionen Euro erhöht werden soll. Derzeit verwaltet und betreibt der Altenpflege-Spezialist Häuser in Berlin, Erfurt, Leipzig und Frechen. In Planung sind Alteneinrichtungen in sieben weiteren bundesdeutschen Städten.

In den kommenden Tagen wird der Bauantrag für den Komplex eingereicht. Für die Planung zeichnen die Öhringer Architekten H + T Müller verantwortlich.

Mit dem Verkauf der Liegenschaften (vier Gebäude an der Sontheimer Straße, ein Haus an der Charlottenstraße) sieht die Stadtverwaltung ihr Ziel erreicht, dieses Entree zur Innenstadt attraktiv zu gestalten. "Mit dieser städtebaulich ansprechenden Maßnahme wird hoffentlich der Auftakt zur Sanierung und Aufwertung vieler Gebäude in der Südstadt gemacht. Die Voraussetzung dafür hat der Gemeinderat am Dienstag mit der förmlichen Satzung geschaffen", zeigte sich Erste Bürgermeisterin Margret Mergen optimistisch.