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Südbahnhof auf dem Abstellgleis

Heilbronn - Sieht das nicht granatenmäßig aus?“ Roland Rösch lehnt sich an der Stuttgarter Brücke übers Geländer und deutet auf das Gelände des still gelegten Heilbronner Südbahnhofes. „Ja“, antwortet ihm eine ältere Dame, „wie in den vereinigten Hüttenwerken.“ Gut 50 lokalhistorisch Interessierte folgten am Wochenende zwei Einladungen des Stadtarchivs Heilbronn, das diesen Sommer Einblicke in bestehende und ehemalige Bahnhöfe der Stadt gibt.

Von Kilian Krauth
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Lesezeit 2 Min
Auf der Stuttgarter Brücke erklärt Lokalhistoriker Roland Rösch (Mitte) Heilbronner Eisenbahn-Fans das Areal des Südbahnhofs mit Kaiser Otto.Foto: Dittmar Dirks
Heilbronn - Sieht das nicht granatenmäßig aus?“ Roland Rösch lehnt sich an der Stuttgarter Brücke übers Geländer und deutet auf das Gelände des still gelegten Heilbronner Südbahnhofes. „Ja“, antwortet ihm eine ältere Dame, „wie in den vereinigten Hüttenwerken.“ Gut 50 lokalhistorisch Interessierte folgten am Wochenende zwei Einladungen des Stadtarchivs Heilbronn, das diesen Sommer Einblicke in bestehende und ehemalige Bahnhöfe der Stadt gibt.

Was liegt da näher, als den 73-jährigen Roland Rösch zu engagieren, der nicht nur 42 Jahre bei der Bahn gearbeitet hat, sondern auch deren „verschlungene Gleise“ erforscht. Dabei vermittelt er nicht nur harte Fakten, sondern würzt seine Ausführungen mit allerhand Anekdoten. „Deshalb bin ich dazu gestoßen“, gibt Heinz-Erich Ohnezat zu verstehen. Er und andere Eisenbahn-Freaks steuern selbst Wissenswertes bei. So erinnert sich Reinhold Kern gut daran, wie er nach dem Krieg am Südbahnhof im Kaiser Otto die Gewerbeschule besuchte. „Geschichte mit Geschichten lebendig halten“ ist laut Werner Föll vom Stadtarchiv eines der „Hauptanliegen der Reihe.

Das Wort hat Roland Rösch: Der Gemeinderat hatte ab 1891 diskutiert, die Firmen im Süden an den überlasteten Hauptbahnhof anzubinden. Die Entscheidung fiel auf eine Strecke, die bis heute übers Wannental durch einen Tunnel zur Jägerhausstraße führt und dort auf die Hohenlohebahn einschert. Der dazu gehörende Südbahnhof wurde am 1. Dezember 1900 ohne großes Tamtam in Betrieb genommen.

Als Güterbahnhof hatte er lange eine größere Bedeutung als Hall oder Öhringen. Viele namhafte Firmen wie Knorr, Seelig, Flammer oder die Zuckerfabrik hatten eigene Gleisanschlüsse. Die Heilbronner wurden von hier aus mit Obst und Gemüse versorgt. Und wenn ein Zirkus in die Stadt kam, war seine erste Station im Süden. Vereinzelt wurden sogar US-Panzer verladen.

Der Niedergang ging mit dem der Bottwartalbahn einher. Der Personenverkehr war schon 1966 eingestellt worden. Auf die Stilllegung der Schmalspurbahn 1968 folgte 1976 das normalspurige Teilstück Talheim-Sontheim und am 15. August 2000 das Aus für die Verbindung zum Hauptbahnhof.

Heute wird das 6,5-Hektar-Areal von Firmen unterschiedlicher „Qualität“ genutzt. Während das einst schmucke Empfangsgebäude im Bereich des Rathenauplatzes in den 70ern abgerissen wurde, verbreiten hinter und vor dem Rewe-Markt – abgesehen von den Gleisen – nur noch ein 100 Meter langer Güterschuppen und die Fachwerk-Gaststätte ein gewisses Bahnhofs-Flair. Grundstücksbesitzer ist nach wie vor die Bahn, erklärt Baubürgermeister Wilfried Hajek. Bahn-Tochter Aurelis habe bereits Pläne für ein Wohngebiet in der Schublade, die nach dem Auslaufen der Pachtverträge nach 2010 „abhängig vom Bedarf“ Schritt für Schritt realisiert werden sollen.


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