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Merkwürdige Bauskulptur am Rathenauplatz

Heilbronn - Der Heilbronner Rathenauplatz zieht von je her die Blicke auf sich. Aus unterschiedlichen Gründen: bis in die 90er Jahre war hier der Rotlichtdistrikt. Dann verkam die Ecke zum städtebaulichen Schandfleck. Nun steht sie für die vorbildliche Sanierung eines teilweise historischen Straßenzuges.

Von Kilian Krauth
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Lesezeit 2 Min

Heilbronn - Der Heilbronner Rathenauplatz zieht von je her die Blicke auf sich. Aus unterschiedlichen Gründen: bis in die 90er Jahre war hier der Rotlichtdistrikt. Dann verkam die Ecke zum städtebaulichen Schandfleck. Nun steht sie für die vorbildliche Sanierung eines teilweise historischen Straßenzuges.

Als i-Tüpfelchen darf dabei das Penthouse am Gebäude Sontheimer Straße 1 gelten, ein Haus das anders als die gründerzeitlichen Nachbarhäuser im Krieg zerstört und in den 50ern neu gebaut wurde. Der zweigeschossige Aufbau der ehemaligen Edenbar geht in eine ungewöhnliche Form über. "Manche sehen darin einen Drachenschwanz oder eine Nudel, einen Fisch, vielleicht eine Zipfelmütze", berichtet Architekt Matthias Reiß, der die Fantasie von Passanten, Autofahrern und Nachbarn nicht bremsen will, "aber ehrlich: im Grunde hat das Ding keine höhere Bedeutung".

Kunst am Bau

Grundidee der mit dem Baudezernat abgesprochenen Planung sei, das Eckgebäude etwa auf die Höhe der Nachbargebäude zu heben und dem Platz eine Kennzeichnung zu geben, "einen eyecatcher, einen Blickfang". "Früher hat man das mit Erkern oder Türmchen gemacht. Wir versuchen es nun mit einer Art Kunst am Bau."

Biberschwanz

Die am Computer ausgetüftelte organische Form habe "eigentlich kein Vorbild", auch nicht Stadtgalerie oder Soleo, "es sollten einfach die Proportionen passen", erklärt Reiß. Die Bauskulptur ist Teil eines zweistöckigen Penthouses. Wer darin wohnt? Diskretion ist Ehrensache, aber das Haus teilen sich eine Musikerin, ein Fotograf, eine Hobbykünstlerin und Bankangestellte.

Der Architekt und Projektentwickler begreift das in schwarze Biberschwanz-Ziegel verkleidete Gebilde, das er sich 100.000 Euro kosten ließ, auch als Dankeschön an die Stadtverwaltung. Sie hatte dafür gesorgt, dass die Ecke in ein Landessanierungsprogramm aufgenommen wurde. So bekam Reiß für die auf 4,5 Millionen Euro veranschlagte Sanierung der fünf Häuser eine Million Euro Fördergelder, je zur Hälfte von Stadt und Land. Bürgermeisterin Margarete Krug und ihr Kollege Wilfried Hajek sprechen fast unisono von einem "Glücksfall" und einem "Kristallisationspunkt" der in die Umgebung ausstrahlt.

Neue Idee

Reiß hat im Gebäude Charlottenstraße 2, das unter Denkmalschutz steht, sein Büro eingerichtet. Dort feilt er mit der aus Italien stammenden Kollegin Dr. Nadia Piotta-Rauch an Plänen für ein brach liegenden Grundstückes entlang der ehemaligen Gleistrasse zum Südbahnhof. Auf dem 90 Meter langen und zwischen 16 und 30 Meter breiten Streifen schweben den beiden pfiffigen Planern acht bis zehn Stadthäuer vor. Der Arbeitstitel "Wohnen am Lago" weist auf den Clou hin: ein Schwimmteich.

Das Baudezernat signalisiert, dass Reiß die Pläne vorantreiben darf. Im Prinzip knüpft er an das mittelalterliche Stadthaus an, das unter dem Terminus "Townhouse" derzeit in Großstädten eine Renaissance erlebt: weil immer mehr Menschen in die Stadt zurückkehren und sich so auf kleinstem Baugrund ein eigenes Häuschen leisten könnten.



Blickfang am Rathenauplatz
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