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Das ist der Gipfel

Sandsteinpavillon macht allen sichtbar: Der Staufenberg ist ein Sontheimer

Von Gertrud Schubert
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Lesezeit  2 Min
Das ist der Gipfel

Heilbronn - Die Sontheimer nennen sie einfach Schutzhütte. Obwohl der nette Sandsteinpavillon auf dem Staufenberg den Wengertern und ihren Helfern niemals Unterschlupf bieten muss. Heutzutage ist das Auto bei plötzlichem Wetterumschwung sichere Zuflucht. Der Schutzhütte aber kommt in Wahrheit eine ganz andere Bedeutung zu: Sie macht den Staufenberg zum Sontheimer Hausberg und damit zu einem Wahrzeichen des Stadtteils.

Blickfang Schade, dass diesen Sommer ein Graffitisprüher meinte, sich auf der Morgenseite des Häuschens in Schwarz, Rot, Gelb und Weiß verewigen zu müssen. Da mag es ein schwacher Trost sein, dass die sogenannte Schutzhütte seither den Autofahrern viel mehr ins Auge sticht, wenn sie auf dem Zubringer von Untergruppenbach nach Heilbronn pressieren.

Nennen wir sie Pavillon, denn nichts anderes ist diese Schutzhütte: überdacht, freistehend, (fast) rundum offen, öffentlich zugänglich, und sie hat einen sechseckigen Grundriss. Außerdem schmückt so ein Bauwerk Gärten oder Landschaft, ist Ruheplatz und Aussichtspunkt. Ganz so, wie es sich die Sontheimer anno 1901 auf ihren 303 Meter hohen Staufenberg setzten.

Im Krieg zerstört, gesellte sich zum 1949 aufgestellten Gipfelkreuz erst 1991 wieder ein Pavillon. So lange hatten die nicht mehr selbstständigen Sontheimer in Heilbronn bitten und drängen müssen. Der Vorsitzende des Sontheimer Offenen Kreises, Karl Eckert, gilt noch heute als Initiator und hartnäckiger Bittsteller für den Wiederaufbau. Für 100 000 Mark schließlich ließ Heilbronn eine Kopie des Originals von 1901 aufbauen. Drei offene Fenster lenken den Blick über die Stadt hinüber zum Wartberg, zum Heuchelberg, auf Flein und den Haigern.

Sonderlich lauschig ist es nicht, auf der innen umlaufenden Sandsteinbank Platz zu nehmen. Draußen ist"s schöner. Trotzdem ist der Pavillon Wanderziel, wie die Weinberge ringsum Treff für Nachtschwärmer und Liebesnest. Davon zeugen Namenskürzel − ACAB war da, sogar mehrmals − und Hinterlassenschaften, die die Wengerter aus den Rebenzeilen klauben müssen.

Seit den 1970er Jahren schon ist Sontheim von den Weinetiketten verschwunden. Der Kenner trinkt Heilbronner Staufenberg. Auch die zwei Fleiner (von insgesamt zwölf) Hektar Rebfläche firmieren nicht mehr unter Flein. Der Pavillon aber machte den Staufenberg zu einem echten Sontheimer, schließlich enden in schmalen Rebzeilen ringsrum Weinberge von 15 Wengertern.

Wandertipp Zu Fuß gelangt man auf asphaltierten Wegen zu dem Pavillon. Über steile Treppen lässt sich das letzte Wegstück abkürzen. Hier verläuft auch der Württembergische Weinwanderweg, sein Zeichen ist die rote Traube.

Auch im Herbst führen wir die Serie unregelmäßig fort.

Das ist der Gipfel
Hier liegt die Stadt Wengertern und Wanderern zu Füßen. Die Schutzhütte wurde erst vor 20 Jahren wieder aufgebaut.Fotos: Gertrud Schubert
Das ist der Gipfel
Baugeschichte, kurz gefasst und in Sandstein geschlagen.
Das ist der Gipfel
Keine Kunst. Ob mit oder ohne Graffiti: Das Sandsteinhäuschen markiert weithin sichtbar den Sontheimer Hausberg.
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