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Alte Stadtteile fordern ihre Gleichstellung

Böckingen, Neckargartach und Sontheim wollen mehr politisches Gewicht

Von Helmut Buchholz
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Lesezeit 2 Min
Alte Stadtteile fordern ihre Gleichstellung
In Böckingen liegt einiges im Argen. Die Nahversorgung im alten Ortsteil, Geschäfte stehen leer, und, und, und... Der Böckinger Ring erhofft sich mit einem Bezirksbeirat, mehr Gehör für seine Nöte beim Gemeinderat zu bekommen.Foto: Archiv/Kuhnle

Heilbronn - Der Frust in den alten Heilbronner Stadtteilen sitzt tief und wird immer größer. Nach wie vor fordern die Ortskartelle in Böckingen, Neckargartach und Sontheim Bezirksbeiräte wie zum Beispiel in Biberach, um politisch mehr Gewicht zu erhalten. Sie fühlen sich von der Stadtverwaltung stiefmütterlich behandelt. Doch was der Gundelsheimer Gemeinderat dem Ortsteil Böttingen zugesteht und am Mittwoch beschlossen hat, lehnt Heilbronns Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach strikt ab.

Zweifel "Es geht uns um die Gleichstellung der Stadtteile", sagt Georg Link. Der Vorsitzende des Böckinger Rings zweifelt mittlerweile daran, ob es im Heilbronner Gemeinderat eine Mehrheit für neue Bezirksbeiräte gäbe. Darum schlägt er vor, die Ortskartelle "aufzuwerten". Denkbar sei ein Gremium mit den jeweiligen Stadträten in den Stadtteilen, plus die Vorsitzenden der Ortskartelle und der Gewerbevereine. Diese drei kommunalpolitischen Arbeitsgemeinschaften könnten beratende Funktionen übernehmen. "Die Bezirksbeiräte werden bei Themen, die sie betreffen, vor den Abstimmungen im Gemeinderat gehört. Ortskartelle nicht", so Link. "Uns geht es um Waffengleichheit."

Herbert Burkhardt, Vorsitzender des Neckargartacher Ortskartells, favorisiert die Bezirksbeiräte. "Die Ortskartelle füllen nur ein Machtvakuum aus und übernehmen eine Funktion, die ihnen nicht zusteht." Burkhardt ist klar, "dass es Stadträte gibt, die Angst vor neuen Bezirksbeiräten haben. Weil sie denken, ihnen werde Macht weggenommen." Eine politische Vertretung für Sontheim hält auch Wolfram Rudolph für "wünschenswert". Der Vorsitzende des Sontheimer Offenen Kreises (SOK) weiß, "dass dies mit Emotionen behaftet ist". Er wolle jedoch bei der Durchsetzung der Forderung "nicht mit dem Kopf durch die Wand. Wenn wir nicht überzeugen können, hat's keinen Wert."

Enttäuschung Keinen Hehl machen die Stadtteilvertreter daraus, warum sie so vehement mehr Mitreden wollen. "Als Sontheim 1938 zwangseingemeindet wurde, war der Ort eine der reichsten Gemeinden Württembergs. Es gab mehr Arbeitsplätze als Einwohner", sagt SOK-Chef Rudolph. "Und heute..." Auch Burkhardt ist enttäuscht. "Das City-Management kümmert sich um den Einzelhandel in der Innenstadt. So etwas gibt es in Neckargartach nicht. Das ist ungerecht." Der Böckinger-Ring-Chef Link teilt die Unzufriedenheit: "Das Stadtteilmanagement bringt so wie es jetzt gemacht wird nichts. Der Kreisverkehr in der Heidelberger Straße ist seit vielen Jahren ein Provisorium. Es geschieht zu wenig."

Der OB hält sich öffentlich in dieser Debatte zurück. Er habe seine Vorschläge gemacht, wie die Zusammenarbeit mit den Stadtteilen verbessert werden könne, lässt er über seine Pressestelle mitteilen. Nun warte er auf ein Feedback.

Am nächsten Dienstag berichten wir, wie die Bezirksbeiräte in den neuen Stadtteilen arbeiten. Dann folgt ein historischer Abriss der Eingemeindungen.

Alte Stadtteile fordern ihre Gleichstellung
Auch Neckargartach fühlt sich im Abseits und würde sich gerne besser als bisher entwickeln.Foto: Archiv/Sawatzki
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Sontheim war vor der Eingemeindung eine reiche Kommune und verliert seither an Wirtschaftskraft.Foto: Archiv/Dirks
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