Zukunftsmusik wollen nur wenige hören

Erste Bürgerinformation zu Buga und Neckarvorstadt stößt auf geringes Interesse

Von Joachim Friedl

Zukunftsmusik wollen nur wenige hören

"Eine Buga ist keine Sache für Leichtgewichte. Aber: Gebt nicht mehr Geld aus als ihr habt."

Jochen Sandner, DBG-Chef

Heilbronn - Lust auf die Bundesgartenschau machte am Montagabend bei der ersten Bürgerinformation zur Buga 2019 in Heilbronn Jochen Sandner. Der redegewandte Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschau Gesellschaft (DBG) begeisterte mit seinen Gedanken die wenigen Bürger, die wie berichtet den Weg in die Festhalle Harmonie gefunden hatten.

Und er schmeichelte den Heilbronnern: "Hier sitzt Leidenschaft dahinter." "Die Stadt hat die Weichen für eine erfolgreiche Bundesgartenschau gestellt." Sandner betonte die Vorteile wie neue Arbeitsplätze, Wohnumfeldverbesserung, Optimierung der Infrastruktur und die hohe touristische Nachfrage. Er sagte aber auch: "Eine Buga ist keine Sache für Leichtgewichte." Hinter diesem Satz versteckte er die Problematik der Finanzierung − und den Appell an die Verantwortlichen in der Stadt, nicht vor den immensen Summen zurückzuschrecken. Sein humorvoller Rat: "Gebt nicht mehr Geld aus als ihr habt."

Hinweise

Trotz − oder gerade − wegen der dürftigen Kulisse appellierte Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach mit Nachdruck an die Heilbronner, ihre Ideen für die Bundesgartenschau und den neuen Stadtteil Neckarvorstadt einzubringen. Im Zeitraffer erläuterte Bürgermeister Wilfried Hajek die Pläne für die beiden städtebaulichen Großvorhaben. Sein Fazit: "Sie sind die maßgeblichen Projekte dieses Jahrhunderts für Heilbronn."

Zukunftsmusik wollen nur wenige hören
Verlassen mag sich OB Himmelsbach vorgekommen sein, weil die Bürger so wenig Interesse an der Buga-Information gezeigt haben. Er saß kurze Zeit auf dem Podium alleine, weil die Referenten von unten einen besseren Blick auf die Leinwand hatten.
Wer von den Landschaftsarchitekten im Saal aufmerksam zugehört hat, der erfuhr von Professor Wolfgang Schreiber, der den landschaftsplanerischen Wettbewerb betreut, zahlreiche nützliche Hinweise. Für den Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen steht außer Frage:

Sichtweise: Der Blick sollte nicht nur auf das Fruchtschuppenareal gerichtet sein, sondern auch Nahtbereiche wie den Böckinger Bahnbogen einbeziehen.

Warnung: Die Theresienwiese ist kein Buga-Parkplatz.

Anspruch: Die Hefenweilerinsel und der Neckarpark müssen weiter "massiv aufgewertet werden".

Bestand: Der Wertwiesenpark ist Planungsbestandteil.

Problemzone: Die Kranenstraße ist der neuralgische Punkt.

Der landschaftsplanerische Wettbewerb soll im Sommer starten. Im Mai 2011 sollen die Gewinner gekürt, 2012 die Pläne verfeinert und 2013 mit dem Bau der Daueranlagen begonnen werden.

Dass nicht nur die Fachleute, sondern auch die Jugend bei den Planungen der Bundesgartenschau zu Wort kommen soll, machte Dr. Thomas Wendt, pädagogischer Leiter der Experimenta, deutlich: "In unserem Buga-Labor entwickeln bis zum Sommer Jugendliche aus sechs Heilbronner Schulklassen erste Gartenschau-Ideen."

Spielerisch verabschiedeten die externen Buga-Experten Claudia Paeschen und Timo Buff die Besucher. Mit farbigen Punkten konnten sie unter anderem markieren, wo in der Stadt Entwicklungsbedarf besteht und welche Orte schon heute ihren Reiz haben. Das Ergebnis: Handlungsbedarf wird beim Sonnenbrunnen, der Theresienwiese und im Fruchtschuppenareal gesehen." Gelobt wurden der Wertwiesen- und der Neckarpark.