Zukunft der gelben Villa ist offen (13.01.2010)

Kaufland hat Auge auf neobarockes Haus geworfen - Agenda 21 warnt vor Abbruch

Von Kilian Krauth

Zukunft der gelben Villa ist offen
Die gelbe Villa an der Badstraße 64 wurde 1925 im neobarocken Stil erbaut. Seit kurzem steht sie leer. Das Handelsunternehmen Kaufland hat Interesse.Foto: Dirks

Heilbronn - Wer bei einem Winterspaziergang an der Neckarpromenade die Nachbargebäude ausblendet, wähnt sich im Alpenvorland. Hinter mit Schnee bedeckten Platanen hebt sich an der Badstraße 64 ein gelbes Gebäude ab: mit Erker, Balkonen und einem mit Kupfer bedeckten Türmchen.

Doch das Idyll trügt. Demontierte Briefkästen, fehlende Klingelschilder und der verschneite Hauseingang sprechen dafür, dass das Gebäude leer steht. Die in Schwaigern lebenden Hausbesitzer wollten sich gegenüber der Stimme nicht weiter zu der Immobilie äußern. Bestätigt wurde Ende 2009 nur, dass man mit der letzten verbliebenen Mieterin einen Rechtsstreit führte. Diese hat ihr Atelier zum Jahreswechsel schweren Herzens geräumt und orientiert sich in Richtung Berlin.

Klare Verhältnisse

"Da wir unsere Grundstücksfläche arrondieren und klare Eigentumsverhältnisse schaffen möchten, planen wir, das Gebäude zu kaufen", bestätigte auf Stimme-Anfrage Andrea Kübler als Sprecherin der benachbarten Kaufland Dienstleistung GmbH Co KG. Aussagen zur künftigen Nutzung könne sie noch nicht machen.

Auch die Bürgerbewegung Lokale Agenda 21 ist auf das Haus aufmerksam geworden. Mitarbeiterin Susanne Huber hat sogar im Internet eine Homepage für die gelbe Villa eingerichtet. Unter dem Titel "Requiem für die Badstraße 64" zeigt eine Fotomontage zwei Abrissbagger. Gleichzeitig enthält die Seite den Aufruf an "alle, die Geschichte lieben und achten", dieses "Symbol für die Zeit der schönen Architektur des 19. Jahrhunderts zu erhalten".

Agenda-Aktivposten Claus Kohout hat im Stadtarchiv herausgefunden, dass das Haus 1925 von Architekt Hermann Steus für Berta Angele gebaut wurde, deren Familie hier eine Wäscherei betrieb. Kohout spricht von einem neobarocken Stil, wie er im Allgäu und in Oberschwaben zu finden ist und lobt Stuck, Treppenhaus, Kamin, Holzvertäfelungen und andere handwerklich hochwertigen Details. Im Krieg sei nur das Dach beschädigt worden.

Um dem Abbruch vorzubeugen, fordert die Agenda, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. Tatsächlich nahmen Vertreter der Stadt und des Regierungspräsidiums Stuttgart die Räumlichkeiten kurz vor Weihnachten in Augenschein. Laut Architekturhistoriker Dr. Joachim Hennze stehen die Chancen schlecht. "Innen wurde zu viel demontiert, außerdem gibt es im Lande noch andere und bessere Häuser dieser Art." Eine offizielle Stellungnahme soll bald folgen. Unabhängig davon appelliert die Agenda an Kaufland, aufgrund der "besonderen Heilbronner Situation" über eine Nachnutzung nachzudenken.