Zeit für Markthalle in Heilbronn ist reif

Heilbronn - Der Käthchenhof in der Heilbronner Innenstadt soll sich in eine Markthalle verwandeln. Bereits zum Weindorf 2012 will die GWG das Ergebnis zeigen. Die Pläne sollen jetzt der Stadtverwaltung präsentiert werden.

Von unserem Redakteur Kilian Krauth

Email
Die Stuttgarter Markthalle wurde im Jugendstil nach den Plänen des Architekten Martin Elsässer gebaut und 1914 eingeweiht.Foto: Picture Alliance/Arco Images

Heilbronn - Eine schöne Überraschung tischten die Besitzer des Heilbronner Käthchenhofs kürzlich beim Stehempfang zum 25. Geburtstag des Gebäudes auf. Die GWG plant, die etwas ergraute Einkaufspassage in eine Markthalle umzuwandeln. Bereits zum Weindorf 2012, so Vorstandmitglied Christian Holz, wolle man das Ergebnis präsentieren. Mit Details hält sich die GWG derzeit noch zurück. Dem Vernehmen nach will man die Pläne am heutigen Dienstag der Stadtverwaltung präsentieren.

Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach zeigte sich bereits beim ersten Appetithappen auf der Geburtstagsfeier aufgeschlossen. Das Rathaus unterstütze "die weitere Ausgestaltung des Käthchenhofs". Die bisherigen Mieter dagegen sind verunsichert, manche auch entsetzt. Offene Türen rennt die GWG bei der Stadtinitiative ein. Sie hat längst erkannt, dass es in der Innenstadt eine richtige Markthallenlücke gibt. "Eine GMA-Studie bestätigt uns: Der Bedarf ist da. Die Zahl an Kunden, die bewusst regional und gesund einkaufen wollen, wächst ständig, auch bei uns", erklärt Citymanager Jörg Plieschke.

Fleischhaus

Bereits in den 90ern hatte der Gochsener Ökobauer Walter Kress eine solche Halle für die Käthchenstadt ins Spiel gebracht, ohne Erfolg. Dafür wurde er mit seinem Naturtalent-Laden in Neckarsulm mit Handkuss begrüßt. Später warfen Interessenten ein Auge auf die abgerissenen Kinos an der Allee und auf das historische Fleischhaus, wo die Brüder Pfeffer nun 2013 tatsächlich einen regionalbewussten Feinkostladen mit Gastronomie eröffnen dürfen.



Der reizvollen Hallenidee Nahrung gab auch der ehemals in Heilbronn ansässige Architekturprofessor Bernhard Eisele. Mit Erfurter Studenten feilte er an Modellen auf dem Parkplatz am Käthchenhof, auch Reim-Areal genannt. Dieser Standort verfestigte sich in den kommunalpolitischen Köpfen. Die Stadtinitiative nahm ihn in einen aktuellen Masterplan auf. Sie verspricht sich von einer Markthalle Strahlkraft für die Altstadt-Nord. Wenn das Projekt nun in direkter Nachbarschaft im Käthchenhof realisiert würde, fände dies Citymanager Plieschke "ebenso gut". Außerdem sei eine Ergänzung zum Wochenmarkt, der dienstags, donnerstags und samstags auf dem Marktplatz stattfindet, sinnvoll.

Treffpunkt

In vielen Städten erleben Markthallen derzeit eine Blüte: von der 1914 gebauten Stuttgarter Markthalle bis hin zum geplanten Neubau einer Market Hall in Rotterdam, die 2014 eröffnet wird. In Berlin-Kreuzberg öffnete Anfang Oktober die "Markthalle neun"; in einer alten Eisenbahnhalle, die zuletzt von Discountern besetzt war. Der Berliner Journalist Til Knipper erklärte die Renaissance der Markthallen so: "Sie prägen ganze Viertel und Kieze, stärken lokale Strukturen und dienen als Gegengewicht zur Angleichung der Innenstädte im Zuge der Globalisierung."

Zeit für Markthalle ist reif
Der Heilbronner Käthchenhof soll zur Markthalle werden.Foto: Archiv/Sawatzki

Ob überdacht oder im Freien, Märkte reagieren auf eine wachsenden Nachfrage nach regionalen Produkten. Immer mehr Verbraucher wollen wissen, woher ihre Lebensmittel kommen. Viele Kunden sind sogar bereit, für Produkte aus ihrer Region mehr Geld auszugeben − wie nicht zuletzt der große Ansturm auf die Bauernmärkte im Botanischen Obstgarten Heilbronn zeigt.

Die Attraktivität solcher Orte hat für den Berliner Markthallen-Macher Florian Niedermeier noch einen anderen Grund. Sie kämen einem Urbedürfnis der Menschen entgegen, "sich an öffentlichen Plätzen zu treffen und auszutauschen".

Hintergrund: Aus der Not heraus

Der Bau von Markthallen fällt in eine Zeit von Bevölkerungswachstum, Industrialisierung und Verstädterung. Mitte des 19. Jahrhunderts führten Missernten zur Verteuerung von Grundnahrungsmitteln. Großstädter liefen gegen überhöhte Preise Sturm und begannen, Wochenmärkte zu plündern. In Berlin sprach man von einer „Kartoffelrevolution“. Daraus entsprang der Gedanke zentraler, überdachter und leicht zu überwachender Orte für den Lebensmittelhandel. kra

 

 

Kommentar hinzufügen