Wirte trotzen dem Rauchverbot

Der blaue Dunst hält sich in manchen Biotopen der Gastronomie hartnäckig. Äußerst kreativ legen einige Heilbronner Gastwirte das Nichtraucherschutzgesetz aus. Auch ohne die vorgeschriebenen „festen, deckenhohen Trennwände“ werden in manchen In-Lokalen Aschenbecher aufgestellt - Ordnungsamt: Lokale, in denen geraucht wird, kriegen einen Brief

Von Carsten Friese

Wirte trotzen dem Rauchverbot
Eigentlich sollte das neue Nichtraucherschutzgesetz für klare Verhältnisse in der Gastronomie sorgen. In Heilbronn ist dies mancherorts nicht der Fall.Foto: dpa

Heilbronn - Der blaue Dunst hält sich in manchen Biotopen der Gastronomie hartnäckig. Äußerst kreativ legen einige Heilbronner Gastwirte das Nichtraucherschutzgesetz aus. Auch ohne die vorgeschriebenen „festen, deckenhohen Trennwände“ werden in manchen In-Lokalen Aschenbecher aufgestellt. Eine Folge der Politik des Ordnungsamtes, nicht von Amts wegen zu kontrollieren?

Die Räucherstäbchen auf dem rotbraunen Holztresen sind nicht die Einzigen, die im Hartman’s am Montagabend qualmen. Silberne Aschenbecher stehen bereit, einige Gäste ziehen kräftig an ihrem Glimmstängel. Über zwei Monate hat Betreiberin Jasmin Stein das Rauchverbot im Inneren befolgt. Von 40 bis 50 Prozent Umsatzrückgang berichtet sie, von vielen rauchenden Stammgästen, die gar nicht mehr kamen oder nach der Sperrstunde für die Freisitze sofort nach Hause gingen. „Drastisch“ nennt sie die Umsatzeinbußen. Und da andere Gastwirte das Verbot „auch nicht so ernst nehmen“, hat die Nichtraucherin Stein abends wieder Aschenbecher aufgestellt. Um Gäste zurückzugewinnen, bis der geplante Umbau eines Raucherbereichs fertig ist. „Wir wollen eine Glasfront einziehen“, versichert die Wirtin. Was Tausende Euro kosten wird. Nach einem mahnenden Brief des Ordnungsamtes steht für Jasmin Stein fest: „Die Aschenbecher kommen wieder weg.“

Umfrage: Soll die Stadt beim Rauchverbot strikter durchgreifen?

Inzwischen würden Gastronomen ihre Kollegen wegen der Rauchpraxis anschwärzen, hat Caipirinha-Betreiber Matthias Blümel ernüchtert festgestellt. „Das wird immer extremer.“ Auch im „Caipi“ war das Rauchen am Montagabend ohne Trennwand möglich. Eine vollständige Abtrennung von Raucher- und Nichtraucherbereich habe man „durch die sehr gute Lüftung“ im vorderen Bereich erreicht, erklärt Blümel. Im Ordnungsamt erfuhr er, dass eine Trennwand unumgänglich sei. „Es gibt keine Sondergenehmigungen.“ Blümel freut das nicht. Durch Trennwände verliere das Lokal an Ambiente.

Schwebezustand In der Sperber Lounge gibt es zwischen unten und oben eine Öffnung. „6. Etage Nichtraucher, 5. Etage Raucher“, verweist ein Schild im Fahrstuhl auf klare Verhältnisse. Ein Verstoß gegen das Gesetz? Gastronom Jürgen Sperber sieht das nicht so. Die Sondersituation der zwei Stockwerke führt er an und getrennte starke Lüftungen. „Es zieht kein Rauch von unten nach oben, das haben wir mit Rauchnebelmaschinen getestet.“ Sperber verweist auf unterschiedliche Meinungen in Wirtschaftsministerium und Ordnungsamt und darauf, dass das Gesetz „aufgelockert“ worden sei. Nichtrauchern sei inzwischen zuzumuten, durch einen Raucherbereich auf die Toilette zu gehen. „Die Sache ist in der Schwebe. Und so lange setze ich meine Rechte als Unternehmer durch.“

Höhenzelt Nächste Station: das Insel-Hotel. In Restaurant und Café ist striktes Rauchverbot, im Foyer und an der Bar darf dagegen geraucht werden. Wo hier abtrennende Wände sind? „Im Prinzip“ könne man überall Türen zumachen, erklärt Service-Leiter Thomas Sparr.

Einer, der einen Raucherraum abgetrennt hat, ist Dachpavillon-Inhaber Steffen Beck. Auf der Terrasse hat er im fünften Stock ein Außenzelt installiert, Stehtische und einen Heizstrahler aufgestellt. Bei starkem Wind muss er das Zelt wieder abbauen. Beck ist selbst Raucher. „Jeder muss sich dran gewöhnen. In anderen Ländern funktioniert es doch auch.“