Warten auf die Straßenbahn

Heilbronn - Ja, worauf warten sie denn? Aufs Christkind? Nein, die beiden Nonnen, die sich zwischen den Stützpfeilern in den Schutz der protestantischen Kilianskirche gestellt haben, warten auf die Straßenbahn.

Warten auf die Straßenbahn
Nonnen im Schutz der Kilianskirche. Sie fielen seinerzeit im Stadtbild auf. Deshalb wurden sie − vor 1945 − fotografiert.Foto: Stadtarchiv/Hermann Straub

Heilbronn - Ja, worauf warten sie denn? Aufs Christkind? Nein, die beiden Nonnen, die sich zwischen den Stützpfeilern in den Schutz der protestantischen Kilianskirche gestellt haben, warten auf die Straßenbahn.

Gleich wird sie um die Ecke biegen. Zwischen dem Chor der Kirche und dem heutigen Café Kilian war seinerzeit die Haltestelle Kiliansplatz.

Unter ihren Schirmen trotzen sie dem Schneegestöber. Ob es jetzt gleich kracht und blitzt − die beiden bleiben gelassen. Der Kirche kehren sie den Rücken − sie ist ja "nur" evangelisch. Das Schnellrestaurant, den "Postmichel" in der Kaiserstraße 23/1, rechts im Bild, würdigen sie natürlich keines Blickes.

In den 1920er, 30er Jahren war es üblich geworden, die Innenstädte weihnachtlich zu schmücken − deshalb der mit Tannenreisig umwickelte Fahnenmast und die Girlande über der Heilbronner Prachtstraße.

Wie der Polizist mit seinem Schlagstock schaut der Betrachter des Bildes nach Norden. Richtung Sülmer City öffnet sich da heutzutage die Einkaufsmeile. Was zwischen den Geschäftshäusern wie ein Sträßchen anmutet, war nur ein Hof zum rückgesetzten Gebäude Kaiserstraße 23/2. Sommers bescherte der Balkon den Postmichelbewohnern schöne Abendstunden. Ob hinter dem Geländer auf den Gauben gegenüber ein Dachgarten lag, ist unbekannt. ger