Vom wilden Fluss zur Schifffahrtsstraße

Heilbronn - Peter Bruckmann war ein großer Förderer des Kanalbaus - Teil 2

Vom wilden Fluss zur Schifffahrtsstraße
Die Kanalisierung brachte den Gemeinden entlang des Neckars Wohlstand. Das Foto zeigt die Landesstraße 1101 über den Fluss bei Neckarsulm.Foto: Regionalverband

Heilbronn - Man schrieb das Jahr 1879: Der Neckar stand im Mittelpunkt. Erstmals bemühten sich Kreise aus Politik und Wirtschaft um eine konkurrenzfähige Wasserstraße, 1897 entstand das Komitee für die Hebung der Neckarschifffahrt. Sein Hauptaugenmerk war der mittelfristige Ausbau des Flusses zur Großschifffahrtsstraße, langfristig die Verbindung von Neckar und Donau.

Großes Ziel

Eine Spende Robert Boschs über 13 Millionen Mark sowie der Einsatz eines Heilbronners beförderten 1916 das große Werk. Peter Bruckmann (1865 bis 1937), Gemeinderat und Abgeordneter der Fortschrittlichen Volkspartei, setzte sich nachdrücklich für den Neckarkanal ein. Von 1920 an trommelte er dafür als Vorsitzender des südwestdeutschen Kanalvereins in Berlin und Stuttgart. Sein Engagement war von Erfolg gekrönt. 1920 bewilligte die Reichsregierung die ersten zehn Millionen Mark, im selben Jahr begannen die Arbeiten, unter anderem als Maßnahme gegen die hohe Arbeitslosigkeit.

Heilbronns Oberbürgermeister Emil Beutinger kommentierte 1926: "Die Kanalisierung des Neckars ist eine Tatsache. Wir rüsten und freuen uns, weil wir an den wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands glauben." Der erste Bauabschnitt auf den 113 Kilometern zwischen Mannheim und Heilbronn gliederte sich in elf Staustufen und Schleusen, die einzelne Bautrupps parallel errichteten. Im Juli 1935, am Ende dieser Maßnahme, wurde die Strecke zwischen Kochendorf und Heilbronn fertiggestellt.

Macher der Schifffahrtstraße waren der Strombaudirektor Otto Konz und Architekt Paul Bonatz. Letzterer erinnerte sich positiv an diese Arbeit: "Das verlockende Problem war hier, dem Notwendigen seinen klaren Ausdruck zu geben, das technisch Bedingte in voller Reinheit darzustellen."

Schleusenausbau

Im Dritten Reich kam der weitere Ausbau zum Stillstand. Von der Utopie Bruckmanns und Konz', einen Kanal unter der schwäbischen Alb hindurch in Richtung Ulm und Donau zu graben, hatte man sich bereits verabschiedet.

Zwischen 1949 und 1967 schritt der Ausbau voran: Schleusen regulierten nun weitere 89 Flusskilometer bis Plochingen. Man würdigte diese herausragende verkehrstechnische Leistung, indem man die Schifffahrtsstraße Neckar mit allen zugehörigen Bauten 1972 unter Denkmalschutz stellte.

Anker Mehr als 40 Jahre diente der Neckar als bewährter Transportweg für Massengüter. Für die 135 Meter langen Rheinschiffe von heute sind die Schleusen aber zu kurz. Das Amt für Neckarausbau in Heidelberg plant deshalb für die Jahre zwischen 2012 und 2020 die Verlängerung einer Kammer an jeder der 27 Schleusen auf 140 Meter für die auf dem Rhein fahrenden Frachter.

Bei diesem Ausbau darf aber zweierlei nicht vergessen werden: Die architekturgeschichtliche Bedeutung der Staustufen und Wehre sowie die naturräumliche Bedeutung des Neckars als eine der herausragendsten Kulturlandschaften des Landes.

Dazu hat das Umweltministerium 2007 mit "Unser Neckar: auf zu neuen Ufern" ein Netzwerk aller Interessierten geschaffen. Um sicherzustellen, dass alle Pläne ineinander greifen, wäre es empfehlenswert, dieses weit reichende Projekt politisch zu verankern. Erst so kann das Neckarprogramm des Landes Baden-Württemberg gelingen.
Vom wilden Fluss zur Schifffahrtsstraße


Diese Serie, geschrieben von Fachleuten unter der Federführung des Regionalverbands Heilbronn-Franken, soll eine Diskussionsgrundlage schaffen, um den Neckar in der Region zu einer Marke zu machen.