Vom Trappenseeschlösschen ins Fleischhaus?

Heilbronn - Dem Auktionshaus Fischer ist es in seinem Domizil zu eng geworden, das historische Haus in der Stadtmitte gefällt den Kunstfachleuten.

Von Iris Baars-Werner

Vom Trappenseeschlösschen ins Fleischhaus?
Jürgen Fischer hat mit seinen Auktionen das Trappenseeschlösschen in ganz Europa zu einer bekannten Adresse für Glaskunst gemacht.Foto: Andreas Veigel

Heilbronn - Mit wem auch immer im Heilbronner Auktionshaus Dr. Fischer man redet, irgendwann bekommt man unweigerlich diesen Satz zu hören: "Wir platzen aus allen Nähten." Gerade im Vorfeld der Glasauktion am vergangenen Wochenende war es wieder mit Händen zu greifen: "Nirgends ist mehr Platz," stöhnt der Chef des Hauses, Dr. Jürgen Fischer (68).

Erweiterungspläne

Das idyllische Schlösschen im Heilbronner Trappensee ist zu eng für die gut laufenden Geschäfte der Kunstauktionatoren, zu denen auch Tochter und Nachfolgerin Monia Becker gehört. Zumal, wenn Jürgen Fischer expandiert und einen neuen Bereich ins Geschäftsportfolio aufnimmt: in diesem Jahr zum Beispiel Moderne Kunst. Dabei ist das Barockschlösschen der ideale Ort für diese Branche. Das findet der international anerkannte Fachmann für euopäisches Glas auch, der das Anwesen seit 1985 von der Stadt gepachtet hat. Allerdings, 230 Quadratmeter, verteilt auf drei Stockwerke, sind nicht üppig. Zumal bei zehn Auktionen im Jahr mit jeweils einer Woche Besichtigung und dem Kommen und Gehen der Auktion. Da knarzen nicht nur die Holzböden unter der Last, werden nicht allein die engen Treppen zum Nadelöhr.

Gekauft hätte Jürgen Fischer das Trappenseeschlösschen gerne schon − und erweitert. Beides wurde ihm verwehrt. Dabei war das Gebäude nicht immer im Besitz der Stadt. Die hatte es erst 1977 gekauft. Zuvor hatte es der Brauerei Cluss gehört. Der von Fischer vorgeschlagene Anbau, ein Kubus aus Glas, war, so erzählt Jürgen Fischer "sehr gewagt − zu gewagt".

Auf der Suche nach einer Alternative hat man Jürgen Fischer auf das Fleischhaus in der Kramstraße aufmerksam gemacht. Das hat, was ihn selbst erstaunte, mehr als das Doppelte an Fläche zu bieten: 550 Quadratmeter, ebenfalls verteilt auf drei Etagen. Nur, es müsste aus Sicherheitsgründen technisch so aufgerüstet werden, dass in den oberen Stockwerken überhaupt nennenswerter Publikumsverkehr stattfinden darf. Eine Fluchttreppe muss her. Und für den Warentransport ein Aufzug. Dass solche Einbauten in historischen Gemäuern möglich sind, weiß Jürgen Fischer: Im Trappenseeschlösschen wurde auch nachträglich ein Lift eingebaut.

Mitbewerber

"Daraus kann man was Schönes machen", schwärmt der Kunsthändler − "es passt zu meinem Metier". Für das Innenstadtpublikum könnte es im Erdgeschoss Dauerausstellungen geben.

Im April, so vermutet Liegenschaftsamtsleiter Helmut Semenass, könnte wohl der Wirtschaftsausschuss über das Fleischhaus entscheiden. Es gibt wie berichtet weitere Interessenten: die Brüder Pfeffer, einen Systemgastronomen sowie das Kaffeehaus Hagen und die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall.