Volksbank setzt auf Tradition

Heilbronn - Vieles hat sich geändert: der Standort, die Wettbewerber, sogar der Name. Eines freilich ist geblieben: das Genossenschaftsprinzip. Die Volksbank Heilbronn feiert 100. Jubiläum. 1909 wurde das Geldhaus gegründet, damals noch als Heilbronner Bankverein.

Von Werner Tewes


Heilbronn - Vieles hat sich geändert: der Standort, die Wettbewerber, sogar der Name. Eines freilich ist geblieben: das Genossenschaftsprinzip. Die Volksbank Heilbronn feiert Jubiläum. 1909 wurde das Geldhaus gegründet, damals noch als Heilbronner Bankverein. Jetzt, nach 100 Jahren, blickt die Bank auf eine lange Geschichte zurück. Betagt kommt das Institut aber dennoch nicht daher.
Volksbank setzt auf Tradition
1951: Der Hauptsitz in der Kaiserstraße 34 ist wieder aufgebaut.Fotos: Volksbank


Im Gegenteil: Die Volksbank Heilbronn strahlt im Jubiläumsjahr wie selten zuvor. Die Zahlen stehen auf Wachstum, dabei ist das Haus schon jetzt nicht mehr aus dem Leben der Heilbronner wegzudenken. Rund 80.000 Kunden hat die Volksbank im Stadt- und Landkreis, mehr als 40.000 Mitglieder zählt das Institut. 32 Filialen besitzt das Haus in Heilbronn und vor allem im nördlichen Landkreis. Der Marktanteil beträgt fast 25 Prozent. Damit gehört die Volksbank Heilbronn zu den zwölf größten Genossenschaftsbanken in Baden-Württemberg. Wer Vorstandschef Thomas Hinderberger nach dem Grund des Erfolgs fragt, erhält die Antwort: "Unsere Tradition trägt zum Wachstum bei." Ein Rückblick zeigt, was er damit meint.

Solidarität


1909, der Kaufmann Abraham Gumbel gründet den Heilbronner Bankverein. Seinerzeit noch als GmbH mit Sitz am Marktplatz. Mit 100 Gesellschaftern gleicht die Struktur freilich schon damals eher einer Genossenschaft. Die drei Prinzipien, die Gumbel und seine Nachfolger verfolgen, sind Selbsthilfe, Selbstverantwortung, Selbstverwaltung. Ein wichtiges Stichwort ist Solidarität. Damit meistert die Heilbronner Volksbank gute und schlechte Zeiten.

Volksbank setzt auf Tradition
Die Gegenwart: Seit 16 Jahren führen die Fäden in der Volksbank-Zentrale in der Heilbronner Allee zusammen. 2008 investierten die Genossen 1,5 Millionen Euro, um die Kundenhalle zu modernisieren und zu erweitern.Foto: Dittmar Dirks
Als die zweite Unternehmenszentrale in der Kaiserstraße im Zweiten Weltkrieg zerbombt wird, bringt die Bank ihr Geschäft bis zum Wiederaufbau zunächst im Rappenhof bei Weinsberg unter, dann in der Färberei Gerock, dann bei Beilharz. 1956 wird das Unternehmen endgültig zur Genossenschaft. Das Geschäft wächst. 1993 folgt der Umzug in die Allee. Aktuell platzt das Gebäude aus allen Nähten. In den nächsten Jahren will die Volksbank daher die Nachbargrundstücke mitnutzen.

Dabei ist Wachstum nie oberstes Ziel gewesen, sagt Hinderberger. "Das Genossenschaftsprinzip besagt, dass wir vor allem den Mitgliedern zur Seite stehen." Tradition: Ein Grund dafür, dass das Institut auch in der Krise nicht aus der Bahn geworfen wird. Schließlich hat schon Gründer Gumbel im Unternehmenszweck klar definiert, dass "Spekulationsgeschäfte in Wertpapieren ausgeschlossen sind".

Bilanzsumme steigt trotz Wirtschaftskrise


Die Volksbank Heilbronn glänzt auch in ihrem Jubiläumsjahr: Zwei Monate vor Ablauf des aktuellen Geschäftsjahres liegen die Genossen klar auf Kurs. Bilanzsumme, Kreditvolumen und Kundeneinlagen sind in den vergangenen Monaten zum Teil deutlich gewachsen. "Wir können mit den Zahlen sehr zufrieden sein", sagte der Vorstandsvorsitzende Thomas Hinderberger bei der Vorlage der Zwischenbilanz am Mittwoch.

Deutliches Plus

Zum Stichtag Ende Oktober lag die Bilanzsumme um 20,3 Prozent über dem Vorjahreswert. Das Kreditvolumen kletterte um 3,4 Prozent, die Kundeneinlagen um 15,4 Prozent. In allen Bereichen liegt der Zuwachs damit klar über den Landesdurchschnitten der Genossenschaftsbanken. Für die letzten zwei Monate 2009 sei kein Einbruch zu erwarten, so Hinderberger. Der Vorstandschef stellt den Genossen daher eine Dividende in Vorjahreshöhe von 5,5 Prozent in Aussicht.

Die Verantwortlichen sind der Ansicht, dass die Krise auf den Finanzmärkten keinerlei Auswirkungen auf das Geschäft gehabt habe. Riskante Wertpapiere habe man nicht gehalten. Die Wirtschaftskrise hingegen, die längst bei den Unternehmen im Stadt- und Landkreis Heilbronn angekommen ist und allmählich auch die Verbraucher zu treffen droht, spüren die Genossen schon.

Thema Risikovorsorge

Da die Zahl der Firmenpleiten und Privatinsolvenzen auch in der Marktregion steigt und damit die Abbezahlung von Krediten in Gefahr gerät, muss das Geldinstitut seine Risikovorsorge erhöhen. "Aber auch das hält sich im Rahmen", so Hinderberger. An die Reserven müsse man jedenfalls nicht herangehen. wet