Volksbank-Neubau ohne Privatklinik

Heilbronn - Die Villa Hauck und das Kino sind abgerissen. Die Grundstücksfläche für den Neubau der Volksbank Heilbronn ist leer. Jetzt wird die Dimension des Areals so richtig sichtbar.

Von unserer Redakteurin Iris Baars-Werner

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Auf dem freigeräumten Grundstück neben der Volksbank (links) beginnen bald die Arbeiten für den weiteren Bau der genossenschaftlichen Bank.Foto: Andreas Veigel

Heilbronn - In den vergangenen Wochen und Monaten haben die Bagger an der Allee ganze Arbeit geleistet. Die Villa Hauck und das Kino sind abgerissen. Der sorgfältig sortierte Bauschutt ist abgeräumt. Die Grundstücksfläche für den Neubau der Volksbank Heilbronn ist leer. Jetzt wird die Dimension des Areals so richtig sichtbar.

"Nach dem Weihnachtsurlaub geht es los mit den Bauarbeiten", berichtet Matthias Hellmuth. Er ist im Vorstand der Volksbank für den Neubau zuständig. Und der hat ihm in den zurückliegenden Wochen so richtig Kopfzerbrechen bereitet − und nicht nur ihm. Seit wenigen Tagen steht fest: Der Bankneubau an der Allee wird ohne die orthopädische Privatklinik und Facharztpraxis der Mediziner Mütsch, Kußmaul und Simpfendörfer verwirklicht. "Das war für beide Seiten betriebswirtschaftlich nicht darstellbar", nennt Matthias Hellmuth den Grund dafür: "Das Gebäude ist für sich genommen schon teuer, auch durch die Tiefgarage. Die vorgeschriebenen Einrichtungen für eine Privatklinik hätten es noch teurer gemacht." Das konnte die Bank gegenüber ihren Mitgliedern nicht verantworten.

Dabei waren alle Beteiligten zunächst glücklich gewesen mit dem Vorhaben, in den repräsentativen Neubau an der Allee direkt neben dem Stadtbahnhalt eine Privatklinik und orthopädische Gemeinschaftspraxis unterzubringen. Dann zeigte sich, dass die Bestimmungen für Hygiene, Lüftung und Brandschutz den Kostenrahmen sprengten.

Aus dem Raster

"Ein Operationssaal braucht alleine eine lichte Höhe von dreieinhalb Metern", erzählt Dr. Frido Mütsch, der mit seinen Arztkollegen Simpfendörfer und Kußmaul gerne den Umzug von ihrem Praxisdomizil an der Pestalozzistraße vollzogen hätte.

Volksbank-Neubau ohne Privatklinik
Ein Ausschnitt der Fassade des vom Architekturbüro Mattes, Sekiguchi und Partner geplanten Neubaus.

Ihr Zukunftsprojekt aber hätte es notwendig gemacht, das Bank- und Bürohaus von Grund auf neu zu organisieren. "Klinikräume passen einfach nicht in das Raster eines Bürogebäudes", benennt Mütsch die Probleme. Die Volksbank sei vor Monaten auf sie zugekommen mit dem Vorschlag, Ankermieter in dem Projekt zu werden: "Wir haben die Machbarkeit geprüft, aber es wäre zu teuer geworden."

Die orthopädische Gemeinschaftspraxis bleibt nun in der Pestalozzistraße. Mütsch: "Wir wollen uns zwar auf längere Sicht verändern, aber wir stehen nicht unter Druck, gleich etwas zu machen." Am liebsten wäre ihm, die Gemeinschaftspraxis könnte sich in der Pestalozzistraße weiterentwickeln.

Enttäuschung herrscht nicht nur bei den Medizinern, sondern auch beim Heilbronner Architekturbüro Mattes, Sekiguchi und Partner. Sie haben das neue Gebäude der Volksbank geplant. Für sie gilt nicht nur, was Matthias Hellmuth mit diesen Worten umschreibt: "Schade um die Zeit, die alle in die Sache gesteckt haben." Die öffentlich unausgesprochene Frage steht auch im Raum: Wer kommt für die ganzen Planungskosten auf? Denn dies sagt Architekt Franz-Josef Mattes: "Die Pläne für die Klinik waren fertig."

Mietinteressenten

Die Nutzfläche des Neubaus will die genossenschaftliche Bank nur zu höchstens 40 Prozent selbst nutzen. Der deutlich größere Teil der etwa 8000 Quadratmeter soll vermietet werden. "Mietverträge sind noch keine unterschrieben", gibt Hellmuth zu. "Aber wir haben eine Riesenliste an Interessenten", ist er zuversichtlich, Mieter für die attraktive Adresse zu finden. Man habe viele von ihnen vertrösten müssen und werde nun erneut auf sie zugehen. Eines ist dabei aber jetzt klar: Jeden Ausstattungswunsch über den Bürostandard hinaus "müssen die Mieter bezahlen", so Hellmuth.

Eine Herausforderung wird es sein, die gastronomischen Betriebe für das Erdgeschoss des insgesamt fünfstöckigen Gebäudes zu finden. Außer einem Café stellt sich die Volksbank dort ein gehobenes Restaurant vor. Ein Steakhaus steht ganz oben auf der Wunschliste.

Bis 2013 soll das stattliche Gebäude fertig sein. Jetzt beginnen erst mal die Bohrarbeiten für die Tiefgarage mit ihren zwei Parketagen.

 

Abriss im Zeitraffer

Die Volksbank Heilbronn macht in direkter Nachbarschaft zu ihrem Hauptsitz den Weg für einen Neubau frei. Im Sommer 2013 soll das Gebäude fertig sein. Stimme-TV hat die Webcam-Bilder der Abrissarbeiten zu einem Video zusammengefügt.