Vision einer Wende auf der Heilbronner Allee

Heilbronn - Heftige Kritik an aktuellen Straßenbauprojekten der Stadt Heilbronn äußert das im Frühjahr gegründete Bündnis Verkehrswende. Dem Straßenausbau liege ein "überholtes Denken aus den 70er Jahren zugrunde".

Von Kilian Krauth

Heilbronn - Heftige Kritik an aktuellen Straßenbauprojekten der Stadt Heilbronn äußert das im Frühjahr gegründete Bündnis Verkehrswende. Dem Straßenausbau liege ein "überholtes Denken aus den 70er Jahren zugrunde". Großprojekte wie die Verlängerung der Saarlandstraße oder die Verlegung der Kalistraße würden den Anforderungen an eine nachhaltige Stadtentwicklung nicht gerecht, weil sie ÖPNV und Radwege ausbremsten und immer mehr Autos in die Innenstadt lenkten: auf Kosten der Steuerzahler und auf Kosten der Aufenthaltsqualität.

Eine Politik der neuen und breiteren Straßen verlaufe auch kontraproduktiv zur Bundesgartenschau. Bis zum Jahr 2019 werde der Autoverkehr in deren Umfeld zwischen Peter-Bruckmann-Brücke und Bollwerksturm um 40 Prozent zunehmen. Dabei läge die Feinstaubbelastung heute schon weit über den erlaubten Toleranzgrenzen: 2010 seien die Grenzwerte an der Messstelle Weinsberger Straße an 63 Tagen überschritten worden, 2011 bis heute bereits über 50 Mal, gesetzlich erlaubt sind aber nur 35 Tage.

Info-Abend

Dies betonen Verkehrswende-Sprecher Stephanie Esch und Christoph Köble. Sie wollen am Montag, 4. Juli, 19 Uhr, in der VHS am Deutschhof einen kurzen Überblick über aktuelle Straßenbauprojekte geben. "Die Verwaltung hat bis heute keinen Gesamtüberblick dargestellt", sagt die diplomierte Stadtplanerin Stephanie Esch. Deshalb sei vielen Bürgern die Gesamtproblematik gar nicht bewusst.

Am Beispiel der Allee wollen Esch und Köble zeigen, wie eine zukunftsfähige Verkehrspolitik aussehen könnte. Sie knüpfen dabei an die Vergangenheit an. Die im 19. Jahrhundert entwickelte Promenade sei auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch ein beliebter Stadtboulevard gewesen. Erst die Demontage der Straßenbahn Ende der 50er und die Sprengung des Jugendstiltheaters machten den Weg zur "Stadtautobahn" frei. Esch: "Sie zerschneidet das Herz der Stadt und hat mit dem Namen Allee und deren einstiger Funktion im Stadtkörper nichts mehr gemein." Selbst mit dem eigentlich begrüßenswerten Ausbau zur Stadtbahntrasse treibe die Verwaltung diese Fehlentwicklung weiter: Sie halte neben der Bahn- und Busspur an vier Fahrspuren fest, beschneide den grünen Mittelstreifen und biete nur wenig Raum für einen gemeinsamen Geh- und Radweg.

Dabei habe die Allee das Potenzial zu einer "echten Begegnungszone". Sie könnte den Impuls zu einem Umweltverbund geben, also zum gleichberechtigten Miteinander unterschiedlicher Mobilitätsformen. In ihrer "Vision 2013" belassen Esch und Köble die Spuren links und rechts für Bus und Stadtbahn. Die vier Kfz-Spuren reduzieren sie auf zwei, die für Radler und Autofahrer gleichberechtigt genutzt werden. Für alle gilt dabei Tempo 20. Fußgänger dürfen beliebig queren. Auf dem Mittelstreifen ist Platz für viel Grün, inklusive Wasserlauf: als Erinnerung an die ursprüngliche Allee und als gestalterische Anspielung auf die Buga 2019. Letztlich würden von der Neubelebung auch Kaufleute und Gastronomen profitieren.

Schrittweise

Schnellstmöglich fordert die Verkehrswende von der Stadt eine Untersuchung der Kfz-Ströme. Dies würde zeigen, dass die meisten Fahrer die Allee nur als Durchgangsstraße benutzen. Dass ihre Vision für den aktuellen Umbau zu spät kommt, glauben die Ideengeber nicht. "Nach unseren Informationen gibt es noch keine Beschlüsse zur Fahrbahnaufteilung." Zur Not könnten sie sich eine schrittweise Realisierung vorstellen.