Unvergessen und immer noch aktuell: Heuss' Doktorarbeit in neuer Auflage

Heilbronn - Wer sich früh mit Alkohol beschäftigt, kann es in Deutschland weit bringen. Bestes Beispiel dafür ist der erste deutsche Bundespräsident Theodor Heuss. Seine vergriffene Doktorarbeit über "Weinbau und Weingärtnerstand in Heilbronn am Neckar" ist nun in einer Neuauflage erschienen.

Von Helmut Buchholz

Unvergessen und immer noch aktuell
Interessiertes Publikum: Der große Ratssaal war gut besucht.Fotos: Dirks

Heilbronn - Wer sich früh mit Alkohol beschäftigt, kann es in Deutschland weit bringen. Bestes Beispiel dafür ist der erste deutsche Bundespräsident Theodor Heuss. Einer der berühmtesten Söhne Heilbronns hat 1905 über "Weinbau und Weingärtnerstand in Heilbronn am Neckar" promoviert. Die Doktorarbeit war lange in den Archiven in Vergessenheit geraten, bis sie 2005 die damalige Heilbronner VHS-Direktorin Dorothea Braun-Ribbat aus dem Schatten der Geschichte holte. Die Neuauflage der Dissertation war flugs vergriffen. Darum haben sich das Stadtarchiv und die liberale Reinhold-Maier-Stiftung dazu entschlossen, Heuss" Werk abermals aufzulegen.

Wie populär und wichtig "Papa Heuss" bis heute für Heilbronn ist, ließ sich allein schon durch die Dimension der Buchpräsentation erahnen. Obwohl es sich "nur" um eine weitere Auflage eines bereits vor fünf Jahren neu erschienen Buchbändchens handelt, glich seine Vorstellung einem gut besuchten Festakt. Am Samstagmorgen kam sogar Baden-Württembergs Justizminister Ulrich Goll in den großen Ratssaal des Rathauses, um den Granden der Stadt und der Nation zu würdigen.

Besonderheit

Goll, der auch Vorsitzender der Maier-Stiftung ist, nannte die Arbeit Heuss" eine "Besonderheit, des es verdient, erneut ans Licht geholt zu werden". Der Mann, der in Heilbronn aufwuchs und zur Schule ging und hier von 1912 bis 1917 Chefredakteur der Neckar-Zeitung war, habe der Stadt mit der Abhandlung über die Wengerter "ein einmaliges Geschenk gemacht, dessen Lektüre heute noch wertvoll ist". Heuss habe sich den Ergebnissen seiner wissenschaftlichen Untersuchungen "gerne genähert", wie Goll sagte, indem der "begnadete Redenschreiber" eine Flasche Rotwein zu sich zu nehmen pflegte − begleitet von bis zu drei Zigarren. Goll: "Heuss nannte das produktive Behaglichkeit." Auch Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach lobte in seinem Grußwort bei der Buchpräsentation den "Feuereifer und Sachverstand des großen Demokraten und Liberalen".

Regelrecht versackt

Die wissenschaftliche Arbeit ist ihm in Wirklichkeit gar nicht so leicht gefallen. Trotz der Schmiermittel. "Er ist förmlich im Archivmaterial versackt", sagte Dorothea Braun-Ribbat über die Recherche zur Doktorarbeit. So sehr, dass er sich Hilfe holen musste, um nicht in den Dokumenten unterzugehen. Die ehemalige VHS-Direktorin stellte im Gespräch mit Stadtarchivar Christhard Schrenk Heuss" Bedeutung für den Wein und Heilbronn heraus.

Das erste deutsche Staatsoberhaupt habe durch seine "revolutionäre, ungewöhnliche" Doktorarbeit, so Dorothea Braun-Ribbat, früh einen wissenschaftlichen Gegenstand gewählt, der zur damaligen Zeit noch nicht im Zentrum der Hochschüler stand: das Leben einfacher Leute wie der Wengerter. Die Doktorarbeit sei auch eine wichtige historische Quelle in einer Stadt, in der der verheerende Bombenangriff 1944 fast alle Dokumente vernichtet hat. Auch darum habe das Werk bis heute "große Bedeutung".

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Justizminister Goll schreibt Dorothea Braun-Ribbat eine Widmung.