Trotz erfolgreicher Behandlung: Klinik-Rechnung bleibt unbezahlt

Wie Privatpatienten und ausländische Touristen Unterländer Krankenhäuser schädigen

Von Ulrike Bauer

Trotz erfolgreicher Behandlung: Klinik-Rechnung bleibt unbezahlt
Operation gelungen, Rechnung offen: Pech für die SLK-Kliniken.

 

Ein Fall aus der Praxis: Eine schwangere Frau aus Osteuropa wollte ihr Kind in der Schweiz zu Welt bringen. Das Kind war schneller: Am Bahnhof Möckmühl waren die Wehen so weit voran geschrittten, dass sie mit einem Notarztwagen in die Frauenklinik Gesundbrunnen gebracht wurde. Die Geburt war kompliziert und „sehr teuer“, wie SLK-Pressesprecher Matthias Leers feststellte. Später stellte sich heraus, dass die Frau über keinerlei Geldmittel verfügte, um ihre Rechnung als „Privatpatientin“, was sie ja in diesem Moment war, zu begleichen. Eine Krankenversicherung, die hätte einspringen können, hatte sie nicht. Das Klinikum muss ihre Behandlungs- und Pflegekosten als uneintreibbar ausbuchen.

Solche finanziellen Ausfälle verursachen verschiedene Patientengruppen. Es sind zum einen Privatkrankenversicherte, die Leistungen im Krankenhaus in Anspruch nehmen, dann aber doch nicht (in voller Höhe oder gar nicht) bezahlen (können). Auch gesetzlich Krankenversicherte bleiben immer wieder Zusatzleistungen schuldig, die sie abgerufen haben, obwohl sie ihre Kasse nicht übernimmt. Einige stellen auch bei der Praxisgebühr auf stur. Immer wieder müssen die Kliniken mittellose Wohnsitzlose behandeln, die als Notfall kommen, aber keinen Kostenträger haben, auch nicht das Sozialamt.

Die vierte Gruppe, die unbezahlte Rechnungen hinterlässt, sind ausländische Touristen. Auch sie werden meist als Notfall eingeliefert. Wie hoch speziell ihr Anteil an den jährlichen Ausfällen ist, wird nach Angaben der SLK- Geschäftsleitung nicht erhoben. Handelt es sich bei den Patienten um Bürger aus Nicht-EU-Staaten, werden die Forderungen nach zwei Mahnversuchen abgeschrieben. Das Eintreiben im Ausland wäre zu aufwändig und zu teuer, sagt die SLK-Finanzabteilung.

Bei krankenversicherten Patienten aus der EU und anderen Ländern, mit denen ein Sozialversicherungsabkommen besteht, kann das Krankenhaus zentral über die AOK abrechnen. Die holt sich das Geld bei der Partnerkasse im Ausland wieder zurück. Im letzten Jahr hat allein die AOK Heilbronn 175 000 Euro für die stationäre oder ambulante Versorgung von Ausländern vorgeschossen.

Auch wenn das Klinikum befürchten muss, dass es auf seinen Forderungen sitzen bleiben wird: Die Ärzte müssen diese Patienten behandeln. Verweigern dürfen sie sich nicht, sonst würden sie sich strafbar oder zivilrechtlich angreifbar machen. Schlechter behandelt, so wird versichert, werden erkennbar Zahlungsunfähige auch nicht.

Angesichts des 180-Millionen-Euro-Etats aller vier SLK-Kliniken entsprechen Zahlungsausfälle in Höhe von 141 000 Euro wie 2005 zwar nur 0,08 Prozent. Trotzdem sind sie ärgerlich, denn das Geld fehlt unterm Strich, obwohl dafür Personal- und Sachkosten angefallen sind. Im Jahr 2004 sind Patienten nach Angaben der SLK-Geschäftsleitung 139 000 Euro schuldig geblieben, 2003 waren es 127 000 Euro, im Jahr 2002 sogar 152 000 Euro.

Die AOK und das SLK-Klinikum Heilbronn haben übrigens im Vorfeld der Fußball-WM eine neue Kooperation im Rahmen des europaweiten Modells netc@rds vereinbart. EU-Bürger, die in Heilbronn ins Krankenhaus müssen, brauchen keinen Auslandskrankenschein mehr vorlegen, sondern werden mit ihrer Heimat-Versichertenkarte behandelt. Die länderübergreifende Abrechnung über die AOK ist gesichert - ein weiterer handfester Vorteil der bald kommenden elektronischen Versichertenkarte.