Testfeld für Blinde, Schüler, Politiker

Spezialbeläge am K3 sollen nicht nur die Sinne von Sehbehinderten schärfen

Von Kilian Krauth

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Michael Scharch (li.) und Wolfgang Heiler mit Benny am Testfeld. In Stadt und Landkreis gibt es 900 blinde und 2700 sehbehinderte Menschen. Fotos: Sawatzki

Heilbronn - Wir können uns das gar nicht vorstellen, wie das ist: sich ohne Augenlicht durch die Stadt zu bewegen." Karl-Heinz-Frenzel weiß, wovon er spricht. Der stellvertretende Leiter des Amtes für Straßenwesen kennt das 270 Kilometer lange Straßennetz von Heilbronn so gut wie kaum ein Zweiter. Und: Er hat zusammen mit einer ganzen Reihe Beteiligter, allen voran der Bezirksgruppe des Blinden- und Sehbehindertenverbandes, ein Testfeld für Menschen ohne Augenlicht konzipiert. Auf einer Fläche von 390 Quadratmetern sind dort unterschiedliche Pflasterbeläge und Leitprofile in den Boden eingelassen, die mit einem Blindenstock leicht zu ertasten sind.

Der mit Sitzpollern umgebene und mit acht Zierkirschen bepflanzte Parcours findet sich in direkter Nachbarschaft zum K3 zwischen Weinsberger Straße und Sülmermühlstraße − "Gott sei Dank nicht weit ab vom Schluss irgendwo am Wolfszipfel", wie Wolfgang Heiler gestern bei der Einweihung in die Runde warf. Der Vorsitzende des Blindenverbandes lädt in erster Linie "Neubetroffene ein, die hier in Ruhe und ohne Druck die ersten Schritte lernen können". Aber auch Schulklassen seien willkommen, die spielerisch erahnen mögen, wie es Blinden manchmal ergeht: zwischen Schachtdeckeln, falsch parkenden Autos oder anderen Stolperfallen und Barrieren.

Bordsteine Nicht zuletzt hofft der 45-Jährige, der vor sieben Jahren nach einem Unfall das Augenlicht verlor, auf dem Testfeld Kommunalpolitiker und Verwaltungsmenschen begrüßen zu können. Heiler machte keinen Hehl daraus, dass er von manchen städtebaulichen Entwicklungen nicht begeistert ist. Öffentliche Räume, Fußgängerzonen, Wohnstraßen würden zunehmend ebenerdig angelegt. Der gute alte Bordstein gehe verloren − und damit für Blinde auch das einfachste Mittel der Orientierung.

Die Situation in Heilbronn stuft er als "sehr schlecht bis sehr gut" ein. Ganz schwer hätten es Blinde etwa am Kiliansplatz, während etwa in der Fleiner Straße Rinnen die Orientierung erleichterten. Ausgesprochen gefährlich gestaltet sich für ihn ein Spaziergang über die Kaiserstraße. Und: "Ganz schlimm sind Verkehrskreisel: Da kommen die Autos aus allen Richtungen. Woran soll man sich da orientieren?"

Ansprechen Die Stadt baue bei neuen Fußgängerbereichen inzwischen bewusst Leitprofile ein, erklärte Frenzel: etwa an Stadtbahnhaltestellen oder an der Unteren Neckarstraße. Zudem seien 150 Ampeln mit Signalgebern versehen. Mit baulichen Maßnahmen allein sei es aber nicht getan. So wünscht sich Heiler, "dass wir im Alltag wahrgenommen werden". Indiz dafür sei in Problemsituationen eine simple Frage: "Entschuldigung, kann ich Ihnen vielleicht weiterhelfen?

Testfeld für Blinde, Schüler, Politiker
Ein Schild weist an der Weinsberger Straße beim K3 auf die neue Anlage hin.