Studentenbuden mit Hotelcharakter

Heilbronn - Neugierig schweift ihr Blick durch den Raum. Möbliert ist das Zimmer bereits, jetzt muss Carmen Römer es nur noch mit Leben füllen. Noch vor der Zusage von der Hochschule Heilbronn hatte sich die 22-Jährige nach einer Studentenwohnung umgesehen. Zu früh? Von wegen.

Von Florian Kratz

Heilbronn - Neugierig schweift ihr Blick durch den Raum. Möbliert ist das Zimmer bereits, jetzt muss Carmen Römer es nur noch mit Leben füllen. Noch vor der Zusage von der Hochschule Heilbronn hatte sich die 22-Jährige nach einer Studentenwohnung umgesehen. Zu früh? Von wegen. Der jungen Frau aus Crailsheim war klar: Die Nachfrage nach Wohnraum ist groß. Jetzt gehört sie zu den Ersten, die das gerade fertig gestellte Appartementhaus für Studenten an der Sontheimer Landwehr 1 beziehen.

Ausgestattet

Ihr Zimmer sieht sie gestern zum ersten Mal. Sie hat sich auf die Bilder im Internet verlassen. "Ich wollte etwas Sicheres und ich wusste, dass das Wohnheim hier neu ist", erklärt sie ihre Entschlussfreudigkeit. Jetzt ist sie zufrieden. "Mit so einem großen Schrank habe ich nicht gerechnet", staunt sie. Viel hat sie bei ihrem Einzug nicht dabei: einen Koffer mit Kleidung, dazu noch Geschirr und Bettzeug. Bevor Carmen Römer Mitte März ihr BWL-Studium beginnt, bringt sie noch mal eine zweite Autoladung mit Hausrat. Viel fehlt nicht mehr, denn Bett, Schreibtisch, Küche und Co. sind schon vorhanden. Sogar Schreibtischstühle warten schon auf die Studierenden. Bleibt nur noch eine Frage: Wohin mit dem Fahrrad? Michael Günther, Geschäftsführer der Gewo, hilft und zeigt der künftigen Studentin den Fahrradkeller.

Mario Brehm (21) aus Öhringen erledigt den Umzug gemeinsam mit seinem Vater Heinrich Brehm (60) auf einen Schlag. Bis zum letzten Winkel ist der kleine Kombi vollgepackt. Mehrere Umzugskartons und eine Matratze schleppen die beiden ins Atrium des Gebäudes. Mario Brehm hat Zimmer Nr. 50 ergattert und transportiert seine Habseligkeiten mit dem Aufzug in das dritte Stockwerk. Seit einem Monat hat er die Umzugskartons nach und nach mit den Kleinigkeiten gefüllt, die er für seine Wohnung braucht. Er studiert im zweiten Semester Produktion und Logistik. Im ersten Semester pendelte er: Zwei Stunden täglich musste er dafür mit Bus und S-Bahn fahren. Durch Werbung an der Hochschule wurde er auf das Wohnheim aufmerksam und hat sich frühzeitig um ein Zimmer beworben. Jetzt braucht er zu Fuß knapp zehn Minuten zur Hochschule. Bei den 329 Euro Miete greifen ihm seine Eltern unter die Arme. Er will aber mit einem Nebenjob etwas beisteuern. Während des Studiums sei das zeitlich allerdings schwierig, erklärt er, "aber in den Ferien bekommt man als Student manchmal doch einen guten Job, von dem man eine Weile zehren kann".

Zeit zum Ausruhen bleibt dem 21-Jährigen nach dem Einräumen nicht. Zur Einweihungsfeier am Abend haben sich nämlich schon einige Freunde angekündigt. Das heißt für Mario Brehm: Eiswürfel machen, Getränke kalt stellen.

Zufrieden

Auch Vedad Hamamdzic (26) ist zufrieden. Er studiert im zweiten Semester Electronic Business und hat vorher in einer WG gewohnt. Weil die aufgelöst wurde, musste er sich eine neue Wohnung suchen. "Es hat das komplette erste Semester gedauert, eine neue Wohnung zu finden", klagt er. Jetzt ist er froh, endlich angekommen zu sein. Die monatliche Miete ist zwar kein Pappenstiel für ihn, aber mit Hilfe von Bafög und einem Nebenjob kann er sie gut bestreiten.

Auf Vedad Hamamdzic wirkt das Gebäude nicht wie ein Wohnheim. Auch Michael Günther wehrt sich gegen den Begriff. Für ihn hat das Haus mit dem modernen Namen "App One" fast Hotelcharakter. Wenn alles glatt läuft, kann laut Günther im Wintersemester "App Two" in der Robert-Bosch-Straße bezogen werden.

Studentenbuden mit Hotelcharakter
Voll möbliert erwarten die 53 Zimmer ihre neuen Bewohner.Foto: Dennis Mugler