Spannung um Stromkonzession

Standortsicherungsvertrag wird nicht verlängert − Aktientausch auf Eis gelegt

Von Joachim Friedl

Spannung um Stromkonzession
Im Herbst soll der Gemeinderat über die Konzession informiert werden.Foto: Dirks

Heilbronn - Fünf Energieversorgungsunternehmen wollen in den am 20. Dezember 2013 in Heilbronn auslaufenden Stromkonzessionsvertrag einsteigen. Ihr Interesse an diesem lukrativen Geschäft haben angemeldet: Zeag Energie AG, Heilbronner Versorgungs GmbH (HVG), Stadtwerke Schwäbisch Hall, Stadtwerke Heilbronn und ein Stadtwerkeverbund aus dem Bodenseeraum. Bisheriger Konzessionsnehmer ist die Zeag.

Drei Möglichkeiten "Die Frage, wer den Zuschlag bekommen wird, kann derzeit nicht beantwortet werden", hält Erste Bürgermeisterin Margarete Krug immer wieder auftauchenden Spekulationen entgegen. Aktuell wird ein Kriterienkatalog erstellt, nach dessen Inhalt mit den Versorgern verhandelt wird. "Die Versorgungssicherheit ist für uns das A und O", sagt Krug.

Angefordert hat das Rathaus von der Zeag die technischen Netzdaten. Sobald sie vorliegen, werden die Werte den Mitbewerbern zur Verfügung gestellt, damit sie ein Angebot abgeben können. Das Nieder-, Mittel- und Hochspannungsnetz der Zeag hat eine Länge von 2033 Kilometern. Der Verkabelungsgrad liegt bei 92,1 Prozent, deutschlandweit sind es 85 Prozent.

Bei der Neuvergabe der Konzession − Nutzung der öffentlichen Flächen − hat Heilbronn, wie Margarete Krug erklärt, drei Möglichkeiten:

Status quo: Vergabe an den bisherigen Betreiber, die Zeag.

Intern: Die Stadt kauft das Netz zurück und überträgt den Netzbetrieb der Stadtwerke Heilbronn GmbH (SWH). Ein Zusammentun von Zeag und Stadtwerke hält der neue Zeag-Vorstand Eckard Veil für die "mit Abstand beste Lösung".

Extern: Die Stadt kauft das Netz zurück, vergibt den Betrieb aber an ein fremdes Unternehmen.

Den Wert des Zeag-Netzes und die daran angeschlossenen Einrichtungen ermittelt momentan die Eversheim-Stuible Treuberater GmbH. Wie die Stuttgarter Experten dem Preis auf die Spur kommen, darüber schweigen sie: "Wir sind zur Verschwiegenheit verpflichtet."

Nicht verlängert wird der zum 30. Juni auslaufende Standortsicherungsvertrag. "Die EnBW war zu einer Verlängerung nicht bereit", sagt Erste Bürgermeisterin Krug. Gründe kennt sie keine. In dem vor zehn Jahren geschlossenen Vertrag waren Garantien für den Zeag-Standort Heilbronn, die Marke und die Arbeitsplätze festgeschrieben. Krug geht davon aus, dass die nicht erfolgte Vertragsverlängerung "keine negativen Auswirkungen hat".

Pause Auf Eis gelegt sind Überlegungen eines Aktientausches. Wie berichtet, wollte sich Heilbronn wieder mit zehn Prozent an der Zeag beteiligen; im Jahr 2000 hatte die Stadt ihren 50,1-Prozent-Anteil an der Zeag an die EnBW für 178,2 Millionen Euro verkauft. Bei dem Tauschgeschäft hätte die EnBW ihre Beteiligung an der Heilbronner Versorgungs GmbH von 25,1 auf 49,9 Prozent aufgestockt. Zurückgestellt wurden die Gespräche, weil die EnBW "bis heute nicht in der Lage war, die Zeag zu bewerten und den Aktienwert zu nennen", sagt Krug.


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