Sontheim in Festtagsstimmung

Backhausfest bringt den halben Ort zum Schmausen und Schwätzen zusammen

Von Gertrud Schubert

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Mike Baumeister stammt aus Dülmen im Münsterland und bäckt und isst trotzdem liebend gern Zwiebelkuchen − und Holzofenbrot.Fotos: Mario Berger

Heilbronn - Sontheim wird verschont." Da war sich Martin Pfeiffer, der Cheforganisator des ersten Backhausfestes seit Urzeiten, ganz sicher. Skeptisch schauten seine Aufbauhelfer am Freitagnachmittag immer wieder gen Himmel. Die Gluthitze verhieß nichts Gutes. Ein Unwetter war angesagt. Als gar eine Windböe ein eben aufgestelltes Zeltdach meterhoch in die Luft hob, schmolz die Festleszuversicht der Sontheimer wie Eis in der Sonne.

Doch siehe da: Das Fest war wunderbar. Selbst am durchwachsenen Samstag ließen sich die Zwiebelkuchen- und Maultaschenfreunde nicht vom gemütlichen Zusammensitzen, Schmausen und Schwätzen in der Bundschuhstraße abhalten.

Aber kurz nach vier am Samstag, da goss es doch in Strömen? Stimmt. Die Musiker drängten sich unterm Zeltdach zusammen, Festgäste fanden unter Sonnenschirmen und einem Carport Zuflucht. Sie trügen nicht die Sonne in ihrem Ortsnamen, wenn sie sich da schon auf den Heimweg gemacht hätten.

Heiß begehrt Die Talheimer Blasmusiker wurden gegen später vom eigenen "Gewächs", den Trollingen Lembergern, abgelöst. Bäcker Mike Baumeister hatte längst 50 Zwiebel-, zehn Petersilien- und 20 Zwetschgenkuchen unter die Leute gebracht. Auch 35 Brotlaible gingen weg wie warme Semmeln.

Und am Sonntag, da herrschte bei schönem Spätsommerwetter noch bessere Festtagslaune. Als hätte die Sontheimer bloß darauf gewartet, dass es endlich einer wagt, in der festarmen Sommerferiensaison im Backhäusle einzuheizen.

Denn es war alles andere als selbstverständlich, dass der Sontheimer Offene Kreis (SOK) ein Fest initiiert und auf Anhieb großen Zuspruch erhält. Jahr und Tag waren die beiden öffentlichen Backöfen kalt geblieben. Einigen Sontheimern war es fast peinlich, dass die Stadt 100 000 Mark in das Sandsteinhäuschen gesteckt hatte und trotzdem kein Mensch Interesse am Backen entwickelte. Selbst Bäcker Herrmann gab auf, als der Rauch aus dem Schornstein für dicke Luft in der Nachbarschaft sorgte.

Super, lecker Jetzt herrscht helle Freude über das Backhausfest. "Super", schwärmen die Gäste, "ganz lecker" schmeckt der Zwiebelkuchen. Als Anlieger kann Joachim Feltz dem nur zustimmen. Er könnte sich sogar fürs Brotbacken erwärmen, so alle zwei Monate samstagnachmittags vielleicht, ein Treffen, bei dem alle, die mitmachen, mit selbstgebackenem Brot heimgehen.

Martin Pfeiffer indes weiß noch nicht, wie es mit Backhaus und Fest weitergehen wird. Nur so viel steht fest: Der SOK hat tüchtig mit angepackt und viele Helfer gewonnen, doch "ohne meine ehemaligen Ministranten könnten wir so ein Fest nicht machen".

Sontheim in Festtagsstimmung
Guten Appetit! Gleich probieren die beiden die schwäbische Leibspeise.
Sontheim in Festtagsstimmung
Zwei der Schaffer vom SOK: Wolfram Rudolph und Peter Kasparek (r.).