Sommerfrische am Wartberg

Im Seniorengarten liegt den Besuchern die Stadt zu Füßen

Von Helmut Buchholz


Heilbronn - Kleine Eidechsen flüchten vor dem Besucher unter die steilen Steinstufen. Der Lärm der Stadt ist nicht mehr zu hören, nur noch der eigene Atem, der durch den anstrengenden Anstieg schneller geht. Die Mühe lohnt sich. Im Seniorengarten am Hang des Wartbergs warten Liegestühle und ein bei gutem Wetter grandioser Rundumblick auf Heilbronn: der Weinsberger Sattel, Gaffen- und Heuchelberg bilden die Hintergrundkulisse für das Häusermeer, aus dem die Hochhäuser wie Bojen herausragen. In gerader Blickrichtung des 1911 entstandenen barocken Pavillons des Seniorengartens steht der Kiliansturm. Als ob ihn jemand exakt in die Blicklinie geschoben hätte.

"Ich stelle mir vor, dass früher die Privilegierten aus Heilbronn ihren Sonntagsausflug hierher gemacht haben", lässt Richard Siemiatkowski-Werner seine Phantasie spielen. Der 61-Jährige verwaltet zusammen mit Brunhilde Marx von der Diakonie dieses wunderbare Stückchen Erde − seit vielen Jahren schon. Vor 35 Jahren hat es eine Familie der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde vererbt. Einzige Auflage: Das 38 Ar große Hangstück mit seinen 40 Bäumen und 30 Rebstöcken soll älteren Menschen zur Verfügung stehen. Seitdem verlegt die Diakonie ihr Begegnungscafé in den Sommermonaten von der Schellengasse an den Wartberg, jeden Mittwoch von 14 bis 17 Uhr. Hier finden aber auch Hochzeiten, Taufen und andere Familienfeiern, Geburtstagsfeste und Gottesdienste im Grünen statt. Im Prinzip kann jeder den Seniorengarten für kleines Geld mieten. Rund 2000 Besucher zählt die Diakonie pro Jahr.

Sommerfrische am Wartberg
Doch obwohl der Ort wohl einer der schönsten Ziele in der nahen Natur Heilbronns ist, ist er immer noch nicht allen bekannt. Kaum ein Hinweisschild weist den Weg auf den Berg hoch. Das hat Konsequenzen: "Wir kämpfen mit den Finanzen", sagt Siemiatkowski-Werner. Die Küche im Nebengebäude ist in die Jahre gekommen, die Geschirrspülmaschine geht bald kaputt. Der Aufwand, das Kleinod in Ordnung zu halten, ist enorm. Viel, fast zu viel Arbeit für den Gärtner Volker Baretsch (75). Die Diakonie wünscht sich Paten, die zum Beispiel Bänke stiften. Damit sich hier noch mehr Menschen von den Fallwinden am Wartberg kühlen lassen und im Sommer die Hitze des Heilbronner Stadtkessels hinter sich lassen können. Aber auch Freiwillige, die im Garten Hand anlegen wollen, sind herzlich willkommen.

"Wir sind beim Seniorengarten auf Spenden angewiesen", erklärt Siemiatkowski-Werner. Das war schon immer so. Die Tischdecken stammen von der Gaststätte "Wo der Hahn kräht". Die Sitzmöbel im Pavillon vom alten Standesamt. Tische und Stühle vom früheren Café Noller. Viele Heilbronner haben hier oben Spuren hinterlassen. Leider auch die bösen. Zerstörungswütige treffen sich in bester Lage zu nächtlichen Trinkgelagen, haben Flaschen gegen den Pavillon geworfen und ein Lagerfeuer gemacht, dem eine Sonnenmarkise zum Opfer fiel. Solche Besucher wünscht sich die Diakonie nicht. Damit mehr andere kommen, wollen sie 2011 wieder ein Kulturprogramm im Seniorengarten auflegen.

In dieser Serie stellen wir besondere Orte in Heilbronn vor, beim nächsten Mal die Hütte auf dem Staufenberg.